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Fabian. Die Geschichte eines Moralisten
 
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Fabian. Die Geschichte eines Moralisten [Taschenbuch]

Erich Kästner
4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (38 Kundenrezensionen)
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  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 256 Seiten
  • Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. Februar 1989)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423110066
  • ISBN-13: 978-3423110068
  • Größe und/oder Gewicht: 19 x 12 x 1,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (38 Kundenrezensionen)
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Erich Kästner
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Erich Kästner kennen viele nur als Autor von Kinder- und Jugendbüchern. Dass er auch zeitkritische Romane geschrieben hat, wissen die wenigsten. Der Roman Fabian entstand 1931 und beschreibt den moralischen und geistigen Verfall inmitten schwieriger politischer Verhältnisse. Für Kästner gehen in dieser Zeit politischer und moralischer Verfall der Gesellschaft Hand in Hand.

Fabian ist ein arbeitsloser Germanist, der durch die Großstadt Berlin zieht auf der Suche nach Arbeit, auf der Suche nach Kontakten. Wir erleben mit, wie er Menschen trifft, die ihn kaufen wollen, wie sich seine Freundin prostituiert, um Schauspielerin zu werden. Sein bester Freund begeht Selbstmord wegen einer lächerlichen Bemerkung. Ein Erfinder tritt auf, der seine Erfindungen, die Arbeitsplätze vernichtet haben, zurücknehmen will, was nicht geht. Die Stadt ist in Auflösung begriffen, die Menschen leben wie in einem Irrenhaus, einem hoffnungslosen, unbarmherzigen Labyrinth.

Fabian ist ein Außenseiter, ein Moralist, seine Waffe ist die Beobachtung, die Distanz, die durch sarkastische Bemerkungen hergestellt wird. Sein Anspruch besteht darin, zuzusehen, "ob die Welt Talent zur Anständigkeit hat". Kästner stellt dem Moralisten Fabian, ein Mensch übrigens, der moralisch integer ist, ohne dass ihm dies als Lebensentwurf bewusst ist oder er den Zeigefinger erhebt, menschliche Korrumpierbarkeit, Gewissenlosigkeit und Anpassung entgegen. So finden sich im Buch eine ganze Reihe von wirklich gelungenen satirischen Spitzen, wie z.B. eine Tombola, bei der Nahrungsmittel verlost werden oder eine Pöbelei von Menschen als Abendunterhaltung. Kästners Beschreibungen der Menschen sind bissig und schonungslos. Charakteristisch für die Moral der Menschen ist das Verhalten des Redakteurs Müntzer, der etwas unterstützt, an das er nicht glaubt und dessen Falschheit er durchschaut. Von Müntzer heißt es, dass er sein Gewissen chloroformiert hat.

Fabian ist ein Roman mit vielen wirklich gelungenen zeitkritischen Beobachtungen, die auch heute nichts von ihrer Aktualität verloren haben. Schließlich steht im Zentrum von Kästners Gesellschaftskritik die menschliche Schwäche, die Lethargie, genau um die Falschheit der Verhältnisse zu wissen, aber nichts dagegen zu tun -- und diese Kritik hat auch heute nichts von seiner Berechtigung verloren. --Christoph Steven

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Fabian
OA 1931 Form Roman Epoche Neue Sachlichkeit
Mit seinem Roman Fabian mit dem Untertitel Die Geschichte eines Moralisten schrieb Erich Kästner eine der gelungensten Satiren auf die Zustände in Berlin zur Zeit der Weltwirtschaftskrise.
Inhalt: Der 32-jährige Jakob Fabian arbeitet als Werbetexter bei einer Zigarettenfirma. Sein Leben verläuft plan- und ziellos. Er knüpft immer wieder sporadische Beziehungen zu Frauen an, ohne sich auf eine festzulegen. Ihm mangelt es an konkreten Zielen, an denen er sein Leben ausrichten und diesem so einen Sinn verleihen könnte. Fabians Gegenbild ist sein Freund Stefan Labude. Der vernünftig handelnde Akademiker ist aufgrund seiner Herkunft finanziell abgesichert und setzt sich aktiv für gesellschaftspolitische Veränderungen ein.
Fabians Leben scheint erstmals eine Richtung zu bekommen, als sich eine ernsthafte Liebesbeziehung zu der Juristin Cornelia Battenberger anbahnt. Doch als Fabian arbeitslos wird, verlässt ihn Cornelia nach einiger Zeit. Auch für Labude wendet sich das Leben zum Schlechten: Er verliert ebenfalls seine Freundin und muss erfahren, dass seine Habilitationsschrift auf Ablehnung gestoßen sei. Auf diese Nachricht hin erschießt er sich – wie sich herausstellt, handelte es sich jedoch nur um den üblen Scherz eines Assistenten. Der Selbstmord seines Freundes führt bei Fabian zu dem Entschluss, Berlin zu verlassen. In Dresden sucht er die Stätten seiner Kindheit auf. Das Angebot, bei einer rechtsgerichteten Zeitung zu arbeiten, schlägt er aus. Fabian plant, für einige Wochen ins Gebirge zu fahren, doch beim Versuch, einen in den Fluss gestürzten Jungen zu retten, ertrinkt er.
Aufbau: Fabian ist ein Großstadtroman nach dem Vorbild des 1929 erschienenen Werks Berlin Alexanderplatz von Alfred R Döblin. Der ziellose Protagonist Fabian wird in seiner Passivität zum Beobachter. Er streift durch die Stadt, begibt sich in Kaufhäuser, Bordelle, Cafés, Zeitungsredaktionen und das Arbeitsamt; er trifft Bettler, Prostituierte, Bürger und Arbeitslose. Zwar bleibt er als reiner Beobachter unbeteiligt, doch als »Moralist« urteilt er über seine Umwelt und kommentiert in ironischem Ton das Treiben der Großstadt. Der Leser erhält so einen umfassenden Einblick in das facettenreiche Leben der Stadt und die Zustände im krisengeschüttelten Berlin Ende der 1920er Jahre.
Kästner hatte für den Roman ursprünglich den Titel Der Gang vor die Hunde vorgesehen und hiermit nicht nur den Lebensweg Fabians, sondern auch die politische Entwicklung in Deutschland bezeichnen wollen. Dem Wahrnehmungsmuster des modernen Großstadtlebens entspricht die Form des Erzählens: Der Roman ist in 24 kurze Kapitel gegliedert, die Handlung wird bestimmt von einer schnellen Szenenfolge und abrupten Szenewechseln.
Wirkung: Der Roman war gleich nach seinem Erscheinen außerordentlich erfolgreich. Bereits nach einer Woche war die erste Auflage vergriffen. Schriftstellerkollegen wie Hermann Kesten (1900–96) äußerten sich anerkennend. Dem Erfolg beim Publikum stand von Beginn an allerdings eine große Zahl kritischer Stimmen entgegen. Fabian wurde als Zeugnis der neuen Sachlichkeit gewertet, das für diese Strömung typische Fehlen einer politischen Aussage von linksgerichteten Kritikern wie Walter R Benjamin scharf angegriffen. Der Roman gilt in dieser Hinsicht bis heute vielen als Vorbote der inneren Emigration des Autors während der nationalsozialistischen Diktatur. Dieser negativen Wertung stehen jene Interpretationen entgegen, die den satirischen und damit zeitkritischen Charakter des Werks betonen. S. D.

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28 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Ein satirisch-ernster Blick auf die frühen 30er, 18. Juli 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Fabian. Die Geschichte eines Moralisten (Taschenbuch)
Möge das Komitee zur Verfolgung literarisch Ungebildeter mich teeren und federn, aber mit Erich Kästner habe ich bis zur Lektüre dieses Buches eigentlich nur Kinderbücher (oder vielleicht auch vermeintliche Kinderbücher) wie "Das fliegende Klassenzimmer" und "Pünktchen und Anton" oder "Das doppelte Lottchen" verbunden. Als ich dann aber dieses Buch zu meinem Geburtstag geschenkt bekam (der zufälligerweise, wie Kästners auch, der 23. Februar ist) wurde das Präsent mit den Worten begleitet: "Lies das mal, der Kästner hat auch sehr ernsthafte Sachen für Erwachsene geschrieben".

Was soll ich sagen (bzw. schreiben), ich war überrascht. Fabian ist ein zynisch-distanzierter junger Akademiker, der in den Wirren der späten Weimarer Republik mit fast hemmungslosem Sittenverfall konfrontiert wird, seinen Job verliert und die hohe Arbeitslosigkeit am eigenen Leib erfährt. Fabian lernt in einer etwas bizarren, leicht (ich betone leicht) kafkaesk anmutenden Szene, eine Frau in seinem Alter kennen - die zufälligerweise ihm direkt gegenüber wohnt. Gerade dieser Handlungsstrang ist voll von Witz und surrealen Momenten - letztere tauchen aber auch immer wieder in anderen Szenen auf. So etwa in einem Kapitel, das in der Originalausgabe zensiert worden war. Fabian hat zu diesem Zeitpunkt noch eine Anstellung. An einem Arbeitstag taucht der Direktor der Firma bei Fabian und seinem Kollegen auf, und fängt nach einigen Sätzen an, sich auszuziehen; er zeigt seinen Mitarbeitern seine Bauchnarben. Surreal wird diese Darstellung durch die völlige Normalität mit der die drei Charaktere dieses Verhalten betrachten und darauf eingehen.

Kästner sagt selbst im Vorfeld, daß er mit dieser Satire die "große Arbeitslosigkeit, die der wirtschaftlichen folgende seelische Depression, die Sucht sich zu betäuben, die Aktivität bedenkenloser Parteien", kurz die "Sturmzeichen der nahenden Krise" darstellen wollte. Das gelingt ihm in hervorragender und sehr lesenswerter Weise- es ist zudem interessant (und trotz der eigentlich ernsten Materie eben auch witzig) in diese späte Phase der Weimarer Republik in seiner kulturellen und gesellschaftlichen Vielschichtigkeit einzutauchen... (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)

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12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Ergreifend bis zum letzten, fulminanten Satz, 24. Juni 2003
Rezension bezieht sich auf: Fabian. Die Geschichte eines Moralisten (Taschenbuch)
Manche würden Fabian, die Hauptperson in Erich Kästners "Fabian. Die Geschichte eines Moralisten" als aussichtslosen Fall bezeichnen, als einen vom Pech verfolgten. Zunächst verliert er seine Arbeit, dann seine Freundin Cornelia, seinen Freund Labude und zum Ende auch noch sich selbst.

Fabian ist Moralist. Er hofft sein ganzes Leben lang auf das Gute im Menschen und wird stetig mehr und mehr dafür bestraft. Geld ist nicht das Gut, das er erreichen möchte, "Anständigkeit der Menschheit" ist das Zauberwort. Er stellt sich nicht in den Mittelpunkt, immer wieder hilft er dritten Personen aus missligen Lagen, obwohl es ihm selbst zunehmend schlecht ergeht.

Ergreifend bis zum letzten Satz mit einem tragischen Ende, was den Fatalismus des Werkes nur noch mehr herauskristalisiert. Die Menschheit bewegt sich auf einen Abgrund zu, doch statt etwas gegen diesen Zustand zu tun, fühlen wir uns pudelwohl in der schwarzdurchtränkten Höhle, die ganze Völker erfasst...

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26 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Der Gang vor die Hunde, 11. April 2004
Rezension bezieht sich auf: Fabian. Die Geschichte eines Moralisten (Taschenbuch)
Erich Kästners Buch „Fabian" von 1931 trägt den Untertitel „Die Geschichte eines Moralisten". Der Moralismus, den Kästner hier entwirft, unterscheidet sich so gänzlich von dem, was auch heute noch vielfach darunter verstanden wird.

Wesentlicher Bestandteil des konservativen Moralismus war stets die Restriktion der menschlichen Sexualität. Davon kann bei Kästners Buch freilich keine Rede sein. Kästner selbst äußert sich im Anhang wie folgt: „Durch Erfahrungen am eignen Leibe und durch sonstige Beobachtungen unterrichtet, sah er (der Autor) ein, dass die Erotik in seinem Buch beträchtlichen Raum beanspruchen musste ... ihm lag außerordentlich daran, die Proportionen des Lebens zu wahren, das er darstellte. Sein Respekt vor dieser Aufgabe war möglicherweise ausgeprägter als sein Zartgefühl." Kästner wendet sich ausdrücklich gegen „Sittenrichter" jeglicher Façon. Und im Verlauf des Buches sind die für den tragischen Helden tröstlichen Momente insbesondere die, in denen er erotische Erfüllung erleben darf.

Moral ist nach Meyers Taschenlexikon definiert als „Gesamtheit von verbindlichen sittlichen und ethischen Normen, die das zwischenmenschliche Verhalten einer Gesellschaft regulieren; Bereitschaft, sich einzusetzen". Diese Bereitschaft zeichnet den Titelhelden aus: Er setzt sich ein für Schwächere, für Toleranz und Menschlichkeit, gegen Falschheit, gegen ideologische Erstarrungen und somit letztlich auch und gerade gegen die Moralapostel seiner Zeit.

Die Zersetzung eines Moralbegriffs, der zum ideologischen Grundgerüst der rückschrittlichen Kräfte gehörte, konnte nicht ohne Widerspruch bleiben. „Fabian" musste den Moralaposteln als Ketzerei erscheinen. Dies war sicherlich ein Grund dafür, dass „Fabian" den Bücherverbrennungen der Nazis zum Opfer fiel.

„Fabian" ist das eindrucksvolle Zeugnis einer Welt, die Ihrem Untergang entgegentaumelt. Das Buch ist durchtränkt von Pessimismus, der sich bewahrheiten sollte. Es war gedacht als Warnung.. Der eigentlich von Kästner vorgesehene Untertitel „Der Gang vor die Hunde" war seinerzeit vom Erstverleger nicht zugelassen worden.

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