Die Fabel bezeichnet eine in Vers oder Prosa verfasste kurze Erzählung mit belehrender Absicht (Epimythion). Fabeln = Fabula (lat.) = Mythos (gr) sind diese berühmten, hintersinnigen und beispielhaften Geschichten der sprechenden Tier- oder Pflanzenwelt, die in ihrer versteckten Klarheit die Blöße des menschlichen Lebens spiegeln (Personifikation, Bild). Die Tradition der Fabeln geht weit zurück in das 7 JH v. Chr. und ihre antike Gültigkeit haben sie sich erhalten bis in die spätrömische Zeit, gar bis in die Neuzeit. Diese Zusammenstellung im altbekannten reclam Format enthält die griechischen Fabeln des großen Aesop. Die Kopfzeile stammt aus den ANONYMUS NEVELETI, XXIb.
Fabeln sind eben ein sanfter Spiegel, sie sind Ironie der Gesellschaft und Therapie zur Veränderung. Sie sind sanfte Schupse, diese berühmten nudges, die in ihrer Sanftheit freie Anleitung zum Besseren sind. Es scheint, dass aus ihnen heraus sich mancher Aphorismus großer Denker hat ableiten lassen. Leonardo da Vinci hat sich der Gattung angenommen, sicherlich umfangreicher La Fontaine. Er ist der Vertreter der modernen Fabeln, aber sicher der Tradition der Antike folgend. Mit der Aufklärungszeit gewann die Fabel noch einmal literarische und gesellschaftliche Bedeutung.
Diese Fabeln sind ein reicher Schatz, die das Leben in der Reflexion zum Schönen wenden. Man erinnere sich nur an die Gespräche Sokrates' im Phaidon (4.Kap). Sokrates hadert mit einem möglichen Missverständnis in der Deutung eines Traumes. Um den Göttern (Apollon)nicht nach dem Tode noch missfallen zu können, galt für ihn die letzte Chance der musischen Tätigkeit: "das ein wirklicher Dichter Erfundenes, nicht Wirkliches darstellen muss, [...] setzte ich die ersten besten Fabeln des Äsop, die mir [...] geläufig waren, in Verse".
Unbedingt zu empfehlen zum Lesen und Nachdenken.