Es war längst überfällig, dass ich meinen alten aber hervorragenden Röhrenmonitor von EIZO durch einen LCD-Monitor ersetzte. Nach langem Suchen bin ich schließlich beim FUJITSU P23T-6 IPS gelandet, da mir die Kombination von IPS-Panel und LED-Beleuchtung sehr zusagt. Ein ausführlicher Test dieses Monitors auf prad.de ist ja ebenfalls sehr positiv ausgefallen. Da es diesen Monitor nicht direkt von Amazon zu kaufen gab, habe ich ihn bei einem der Marketplace-Anbieter bestellt. Die Bestellung lief reibungslos ab, und ich konnte den Monitor nicht einmal 48h später in Empfang nehmen.
Der Monitor war sicher verpackt. Auspacken und Aufstellen war eine Sache von wenigen Minuten. Es liegen Kabel für alle drei möglichen Bildsignalverbindungen (DVI, DisplayPort und VGA) bei, außerdem noch ein Netzkabel, ein USB-Kabel und ein Audio-Kabel. Sehr schön finde ich, dass Fujitsu daran gedacht hat, alle Kabel passend zum Monitor in Weiss/Hellgrau zu liefern. Das Design und die Farbe des Monitors finde ich sehr gelungen. Es liegt eine Blende zum Abdecken der Anschlüsse bei, so dass der Monitor auch von hinten gut anzusehen ist.
Das Gerät steht sicher auf dem Standfuß. Höhen- und Kippverstellung ist ohne Kraftanstrengung möglich. Die Verarbeitung des Monitors ist eher mäßig. Das Gehäuse ist einfach nur zusammengeklippt, und zwar unter großem Druck, denn man kann an einigen Stellen sehen, wie sich das Plastik verformt hat. Überhaupt scheint das verwendete Plastikmaterial nicht die beste Qualität zu haben: es ist eher dünn, nicht 100% passgenau und mit deutlichen Graten aus der Spritzgussherstellung.
Mit der Bildqualität bin ich sehr zufrieden. Dank IPS-Panel hat man einen erweiterten Blickwinkelbereich. Allerdings kann ich dennoch, wenn ich zentral aus ca. 80 cm Entfernung auf den Monitor blicke, bei einem sehr hellen Hintergrund am linken Bildrand einen leichten Grünstich und am rechten Bildrand einen leichten Rotstich ausmachen. Der Monitor zeigt brillante Farben. Der Kontrast ist ebenfalls gut. Schriften werden scharf dargestellt. Die Pixelgröße ist noch groß genug für ein längeres ermüdungsfreies Arbeiten unter Windows 7. Das matte Panel unterdrückt sehr gut störende Reflexionen.
Im Internet kann man Berichte über Backlight-Bleeding, also über ungewollte Lichteinstrahlung der LEDs in den Randbereich des Panels, lesen. Diesen im Allgemeinen nur bei komplett dunklem Bildschirm sichtbaren Effekt habe ich auch bei meinem Monitor festgestellt, und zwar vor allem am unteren Bildrand links von den Bedientasten. Ich kann ihn manuell noch verstärken, wenn ich mit den Fingern den Rahmen ein bisschen zusammendrücke. Diesbezüglich ist von einer großen Serienstreuung auszugehen. In meine Bewertung fließt dieses Backlight-Bleeding nicht ein, da ich es beim alltäglichen Gebrauch nicht einmal ansatzweise bemerke. Ach ja, mein Exemplar hat keine Pixelfehler.
Unabhängig von der Helligkeitseinstellung ist der Monitor absolut leise. Selbst wenn man sein Ohr direkt auf die Lüftungsschlitze legt, hört man ... nichts!
Jetzt zur Bedienung des Geräts: die angenehm großen Bedientasten liegen genau dort wo sie hingehören: mittig auf dem unteren Displayrahmen. Das ist aber leider schon alles, was Fujitsu diesbezüglich gut gemacht hat. Die Tasten reagieren nämlich oft schlecht, d. h. man muss sie ein bisschen gedrückt halten, bis das Gerät reagiert. Die Menüsteuerung selbst wirkt an vielen Stellen nicht durchdacht. Mit einer der Bedientasten kann man direkt in den sogenannten ECO-Modus umschalten, der aber, jedenfalls nach meiner Beobachtung, nichts anderes bewirkt, als dass die Helligkeit auf 55% eingestellt wird. Dass für so eine sinnfreie Funktion eine Bedientaste verschwendet wurde, finde ich ungeschickt. Besser wäre es anstelle gewesen, eine weitere Taste zur direkten Helligkeitsteuerung hinzuzufügen, so dass man mit jeweils nur einer Taste die Helligkeit direkt erhöhen bzw. erniedrigen kann.
Richtig ärgerlich finde ich jedoch, wie die Umschaltung des Eingangssignals implementiert wurde. Es gibt auch hierfür eine extra Taste. Aber anstatt einfach nacheinander durch die drei möglichen Eingangssignale zu schalten, muss man sich wieder durch ein kleines Menü hangeln und dabei mindestens drei verschiedene Tasten drücken. Dass die Tasten schlecht reagieren, habe ich ja schon erwähnt. Dass ein Monitor dabei eigentlich auch von selbst die Eingänge mit aktivem Signal erkennen könnte, entspricht einer Erwartungshaltung, die weit jenseits dessen liegt, was dieses Gerät leisten kann. Es kommt noch schlimmer: wenn man die Signalquelle umschaltet, vergisst der Monitor einige Einstellungen. Zum Beispiel wird beim Umschalten stets die Einstellung für das Seitenverhältnis auf "Full Screen" zurückgesetzt. Wenn man also von einer Signalquelle mit einem anderen Bildformat als 16:9 auf eine andere Signalquelle umschaltet und dann wieder zurück, ist das Bild jedesmal verzerrt und man muss erneut umständlich im Menü auf "Keep Aspect" umstellen.
Die Steuerung des Seitenverhältnisses ist generell dürftig. Im Grunde streckt der Monitor alles auf ein bildschirmfüllendes 16:9-Format. Lediglich bei den im Datenblatt explizit aufgeführten Auflösungen ist eine Umstellung auf "Keep Aspect" möglich. Die Auflösung 320x200 gehört z. B. nicht dazu, so dass man alte Dos-Klassiker wie Monkey Island nicht verzerrungsfrei spielen kann. (Man kann über die "Clock"-Einstellung das Bild bei analoger Zuspielung immerhin etwas schmaler machen.)
Wenn der Computer in den Energiesparmodus wechselt, schaltet der Monitor daraufhin nicht grundsätzlich aus, sondern, falls vorhanden, auf eine andere aktive Signalquelle um. Dieses Verhalten kann man nicht im Menü umstellen, obwohl es sicherlich nicht von jedem so gewünscht ist.
Sehr komfortabel ist dagegen die automatische Helligkeitssteuerung. Hierfür hat das Gerät einen Lichtsensor, der die Lichteinstrahlung von oben misst und die Helligkeit entsprechend anpasst. Diese Anpassung ist aber nicht absolut, sondern relativ zur individuellen, vom Nutzer eingestellten Helligkeit. Sie findet immer nur in kleinen Schritten und nicht etwa sprunghaft statt, so dass man dies bei normaler Benutzung nicht bewusst bzw. störend wahrnimmt.
Außerdem hat der Monitor einen 4-fach USB-Hub eingebaut. Dieser Hub ist Bus-powered, eventuell auch hybrid. Jedenfalls bleiben angeschlossene USB-Geräte entgegen der Behauptung im Handbuch weiterhin im Betrieb, wenn man den Netzstecker des Monitors zieht. Zwei dieser USB-Anschlüsse befinden sich seitlich auf der Panelrückseite und sind auch von der Sitzposition aus errreichbar. Man braucht aber einige Übung, bis man blind (bzw. ohne Aufzustehen) USB-Geräte anschließen kann. Diese beiden Anschlüsse sind leider so ungünstig positioniert, dass kabellose USB-Geräte mit größerem Gehäuse mechanisch nicht eingesteckt werden können, so z. B. zwei meiner älteren USB-Speichersticks und der Funk Empfänger einer meiner Mäuse.
Auf der beigelegten CD befinden sich im Wesentlichen nur das Handbuch als pdf und eine .inf-Datei für den Monitor, die vermutlich für ältere Windows-Betriebssystem sinnvoll ist. Von der Fujitsu-Homepage kann man sich eine Windows-Software herunterladen, mit der man den Monitor ebenfalls einstellen kann. Die Funktionalität dieser Software entspricht ungefähr dem, was auch das Monitormenü bietet. Die Kommunikation zwischen Computer und Monitor erfolgt dabei über DDC/CI und nicht über USB und ist ausgesprochen träge.
Fazit: Es handelt sich um einen energiesparenden und leisen Monitor mit recht guten Bildeigenschaften. Positiv hervorzuheben ist die gelungene automatische Helligkeitssteuerung. Auch wenn Fujitsu das Gerät in seiner hochwertigsten "Superior"- bzw. "p"-Serie vermarktet, lassen einige Detailschwächen, vor allem bzgl. der Bedienung und dem Umgang mit mehreren Signalquellen, keinen Zweifel daran, dass es sich hier um ein klassisches Consumer-Gerät handelt, bei dem der Hersteller eher auf eine lange und zum Kauf anreizende Featureliste als auf eine gründliche Ausarbeitung Wert gelegt hat. Wer sich daran stört, muss wohl warten bis EIZO ein Gerät mit PVA/LED bzw. IPS/LED anbietet (und dann vermutlich noch ein paar Scheine drauflegen). Das Preis-Leistungsverhältnis des P23T-6 IPS ist jedenfalls sehr gut.