César Franck (1822-1890) ist bis heute einer der vernachlässigten Komponisten der Romantik. Im Schatten Brahms' und Bruckners komponierte er einige charakteristische Stücke, die ganz anders sind als das, was wir von der Romantik kennen. Der Tonfall seiner Kompositionen ist in der Regel schroff und rau, verbirgt aber unter seinen Kanten wilde, aufbrausende Leidenschaft.
Im Bereich der Kammermusik wird sein Schaffen beinahe ausschließlich auf seine geniale Violinsonate reduziert. Auf dieser CD befindet sich neben seinem schwierigen Klavierquintett noch das weniger bekannte Streichquartett des Belgiers.
Von der Uraufführung des Camille Saint Saëns gewidmeten Klavierquintetts in f moll wird berichtet, dass Saint Saëns, der den Klavierpart übernahm, nach dem Ende des Stücks von der Bühne gestürmt sei, ohne ein Wort zu sagen, und in der Folge zu verhindern versucht habe, dass das Quintett abermals aufgeführt würde. Es war ihm schlicht zu ungestüm, zu leidenschaftlich, zu pathetisch. Nachvollziehen lässt sich diese Überwältigung, denn nach einer mäßigen Einleitung eröffnet der Kopfsatz mit einem bewegenden, beinahe erschütternden Ritt, der voller Trauer und Schmerz steckt. Das wundervolle Lento spendet Ruhe und Andacht, denn schließlich steht noch das wirbelnde Finale an. Das knüpft unversehens an die Ausdrucksweiten des Kopfsatzes an und wühlt den Hörer ebenso auf.
Wesentlich moderater ist da das Streichquartett in D Dur. Dafür ist seine musikalische Aussage stark konzentriert und es erscheint schwieriger, das raue und zugleich einnehmende Stück zu erschließen. Der Kopfsatz zum Beispiel ist thematisch extrem komplex. Die kurze, langsame Einleitung zieht sich wie ein Motto durch das eigentliche Allegro. Der so entstehende Klangteppich ist erhebend und verstörend zugleich - ein typisches Merkmal franckscher Musik. Nach einem flinken Scherzo folgt das Gravitationszentrum der Komposition: das Larghetto. Franck will hier offenkundig mit dem Hörer meditieren. Das Finale wirkt wie eine Essenz aus den vorigen Sätzen, ist packend und fesselnd.
Das Fine Arts Quartet ist eine Koryphäe auf dem Gebiet der Kammermusik, nur leider viel zu unbekannt. Wieder einmal vollbringen die vier Streicher eine herausragende Leistung. Zusammen mit der Pianistin Cristina Ortiz bieten sie das Klavierquintett derart transparent dar, wie ich es noch nie gehört habe. Ortiz' Anschlag ist fein und lyrisch. Zusammen mit dem Quartet erzeugt sie ein Maximum an Klangfarben und Emotion, dass der Hörer unweigerlich mitgerissen und bewegt wird. Auch das Streichquartett ist phänomenal dargeboten. Das Stück wirkt häufig verklärt und wie von ferne. Das erfassen die Mitglieder des Fine Arts Quartets brillant. Ihr Spiel ist kräftig, aber edel, stets sehr differenziert und scharf akzentuiert. Auch die Aufnahmequalität ist herausragend.
Fazit: Kammermusikalische Raritäten in einer glänzenden Darbietung! Tadellos!