Mit "FRA-MUC-FRA" liefern die Autoren Sauer und Sahnau einen ehrlichen Blick hinter die Kulissen eines Berufs, der mehr als viele andere von einer Aura des Geheimnisvollen und Elitären umgeben ist - dem des Unternehmensberaters.
Kernbotschaft: Wenn Fliegen und Luxushotels Routinecharakter erhalten oder sogar durch die Unternehmensrichtlinien diktiert werden, wenn das Privatleben dem Reisen zum Opfer fällt und das Kundengeschäft einem ständigen Drahtseilakt gleicht, dann sind das eben doch nur auf den ersten Blick Ferien. Dennoch wird hier auf 220 Romanseiten über das Leben hinter den Kulissen des Beratungsgeschäfts nicht ausschließlich ein Klagelied gesungen.
Insgesamt handelt es sich um einen gut lesbaren, in sich schlüssigen Roman, in dem - anders, als das Cover zunächst vermuten ließe - deutlich wird, dass auch der Beraterberuf nur ein Beruf ist und dass es Menschen mit Stärken und Schwächen sind, die ihn ausüben, und in dem vieles, was tagsüber nach einer Glanz- und Glamour-Welt aussieht, am Abend mit Saufgelagen, Vereinsamung und völliger Ausgebranntheit einhergeht.
Der Roman gliedert sich in zwei Teile, in denen je eine Woche aus dem Leben eines Beraters geschildert werden: im ersten die Zeit der Unerfahrenheit kurz nach dem Einstieg, im zweiten die eingetretene Routine und Gelassenheit nach rund vier Jahren im Geschäft. In dieser Gliederung liegt auch der einzige Schnitzer des ansonsten spannenden und gleichzeitig sehr unterhaltsamen Gesamtwerks. Bis zum Ende nämlich bin ich das Gefühl nicht los geworden, dass die Arbeitsteilung der beiden Autoren darin bestand, weitgehend unabhängig je einen der beiden Wochenabläufe zu beschreiben, nachdem man sich auf einige grundlegende Charakterzüge und Episoden im Leben des Protagonisten geeinigt hat. Zu zusammenhangslos erscheinen da stellenweise die beiden Teile. Einerseits, weil bestimmte Marotten des Protagonisten aus dem ersten Teil, wie die gehörige Selbstüberschätzung und Arroganz, im zweiten Teil spurlos verschwunden sind und auch nicht mehr angesprochen werden. Andererseits, weil andere Marotten mit fast gleichem Wortlaut erneut erklärt werden, als träten sie zum ersten Mal auf. Nicht zuletzt der Wechsel im Sprachstil stellt einen harten Bruch dar, der sich auch dadurch nicht begründen lässt, dass zwischenzeitlich in der Erzählung vier Jahre vergangen sind.
Insgesamt kann ich das Buch allen empfehlen, die sich für das Beratungsgeschäft interessieren und eine andere Perspektive kennenlernen möchten als die, die in Strategie-Handbüchern und Karriere-Ratgebern vermittelt werden. Kurzweilige Unterhaltung, wenn auch nicht ganz geschenkt. Die Internet-Seite zum Buch bietet neben der Kontaktmöglichkeit zu den Autoren auch einiges an "Bonusmaterial".