"Food Crash" gehört zu den beeindruckendsten und wichtigsten Büchern, die ich dieses Jahr gelesen habe. Es ist einfach nur erschreckend, wenn man liest, wie "unser täglich Brot" zustande kommt. Die sogenannte "grüne Revolution", die explodierende Erträge durch den Einsatz von Spritz- und Düngemitteln verspricht erweist sich als verhängnisvolle Geschäftemacherei, die nur die Konten der Saatgut- und Chemieproduzenten explodieren lässt und das Aus für die traditionelle Landwirtschaft, die sich über Jahrtausende entwickelt hat, bedeutet. Und oft gibt es kein Zurück, denn wenn Saatgut, das sich über viele Generationen optimal bewährt hat, nicht mehr genutzt wird, sind die entsprechenden Pflanzen bald ausgestorben. Auch traditionelle Formen der Düngung und des Wirtschaftens gehen verloren - die Bauern werden/sind vollkommen abhängig. Bei uns und in der Dritten Welt. Dabei erweist sich die chemische Keule meistens als sehr viel weniger effektiv als z.B. die traditionelle Art des Düngens und der Schädlingsbekämpfung, die meist mit der Natur und natürlichen Gleichgewichten gearbeitet hat, während chemische Spritz- und Düngemittel einfach nur gegen die Natur arbeiten. Chemische Düngemittel ernähren nicht den Boden, sondern nur die Pflanze. Der Boden stirbt. Zu diesem Thema kann ich auch den Film "Unser täglich Gift" wärmstens empfehlen!
Felix zu Löwenstein, promovierter Agrarwissenschaftler und Biolandwirt, berichtet in diesem Buch sowohl aus der Praxis, erläutert aber auch sehr gut und anhand zahlreicher Studien die Zusammenhänge. Im Prinzip geht es darum, dass so wie bisher nicht mehr weitergewirtschaftet werden kann, wenn man das globale Problem des Hungers in den Griff bekommen möchte. Monokulturen, Saatgut, das überhaupt nicht an seine Umgebung angepasst und nur durch spezielle Düngemittel und Pestizide überlebensfähig ist, machen die Bauern hier und in der Dritten Welt abhängig von Großkonzernen, die eben das bereitstellen. Der Autor möchte den Leser darüber aufklären und durchaus auch direkt an den Bauern gewandt, Wege zeigen, wie man durch ökologischen Landbau letztlich sogar produktiver wirtschaftet, als auf konventionelle Weise. Das Buch macht an vielen Stellen gut deutlich, wie so etwas funktionieren kann, zeigt aber auch, wie wenig große Konzerne ein Interesse daran haben, sich ihre Marktmonopole kaputt machen zu lassen. Wissenschaftler wie der Autor oder auch Aktivisten im Ökolandbau werden entsprechend gerne als Traumtänzer dargestellt, ökologische Wirtschaft wird als Liebhaberei verwöhnter Industrienationen verspottet. Felix zu Löwenstein widerlegt im Buch aber diese und andere Argumente gekonnt und zeichnet doch trotz gefährlich anmutender Szenarien, die im Buch zur Debatte stehen, ein durch und durch optimistisches Bild, zusätzlich werden auch noch Bereiche gezeigt, in denen noch geforscht werden muss. Wer dieses Buch liest, wird hinterher von der Idee ökologischer Landwirtschaft überzeugt sein, wenn er's nicht ohnehin schon vorher war. Food Crash beinhaltet im Anhang auch noch etliche Tipps, was man auch als Konsument schonmal richtig machen kann, um sozusagen auch mit dem Geldbeutel Politik zu machen. Der Konsument in den reichen Industriestaaten hat nämlich wesentlich mehr Macht als er denkt.
Das Buch ist sehr gut verständlich geschrieben, Felix zu Löwenstein versteht es z.B. auch, komplizierte wirtschaftliche Zusammenhänge einfach und prägnant darzustellen. Food Crash richtet sich vor allem an den interessierten Konsumenten (also eine recht breite Leserschaft), aber auch direkt an Bauern, die oft auch alleine angesprochen werden, und natürlich an Menschen in Wirtschaft und Politik, denen aber wahrscheinlich die Inhalte des Buches manchmal nicht so gut gefallen werden. Stilistisch ist das Buch auch recht gut zu lesen, an manchen Stellen merkt man ein bisschen, dass der Autor sich sehr bemüht 'populär' zu schreiben, aber erklären kann er auch so sehr gut. Der Stil vermittelt schon eine angenehme, persönliche Note.
Zur Aufmachung:
Das fest gebundene Buch mit Schutzumschlag ist schlicht gehalten: in weiß, roter Titel, schwarzer Untertitel. Eine umgeknickte Weizenähre beherrscht das Titelbild. Die Aufmachung symbolisiert Faktenorientierung und Provokation, eine umgeknickte Weizenähre steht dafür, das irgendetwas nicht in Ordnung ist. Im Buch sind keine Bilder, dafür aber etliche erhellende Statistiken und Grafiken zu finden.
Fazit:
Food Crash hat mich in seiner argumentativen Orientierung noch stärker für ökologische Landwirtschaft begeistert, als das vorher schon der Fall war. Ein Buch, das man gerne Wirtschaftsbossen und Politikern zur Lektüre empfehlen möchte - und allen Verbrauchern, die sich für das, was von uns allen täglich konsumiert wird, interessieren.