Ha, Pustekuchen: ich hatte mich zum Glück getäuscht ... Wer den FC St. Pauli kennt, wer sich so wie ich gerade im letzten Jahr durch die dicken Jahrhundert-Chroniken zur Vereinsgeschichte gewälzt hat, wer Philosophien über die Fanszene verinnerlicht hat, wird nicht glauben, wie viel Neues er in diesem verhältnismäßig schmalen Taschenbuch entdeckt. Wer aber weniger mit der Clubhistorie und dem "Wesen" des FC vertraut, aber vom "Phänomen St. Pauli" schon leicht angefixt ist, wird sich nach diesem Buch möglicherweise vollends in den Verein verlieben. Aber "...alles drin" - für wenig mehr als 10 Euro? Kann das "alles" sein?? Noch einmal einen "guten Zehner" zu investieren, dachte ich mir, stellt kein Problem dar, zumal man das Buch ja auch verschenken kann, wenn nichts Neues drinsteht. Das Problem war dann, dass das Buch mich, als der Postbote das Paket brachte, zwei Stunden lang (solange dauerte in etwa das Durchlesen) von der Arbeit abhielt. Denn einmal aufgeschlagen und ins erste Kapitel reingelesen, kam ich davon nicht mehr weg, bis ich es durch hatte, so spannend und kurzweilig fand ich die Episoden. Es mag eine witzige Idee der Autoren sein, das Buch nach den vorgeschlagenen Themenpark-Icons wie "Für Wundergläubige", "für Verschwörungstheoretiker", "für Punker" (heißt das nicht "Punks"?) oder "für Stammtischstrategen" durchzudeklinieren, mit denen man die Beiträge selektiv lesen könnte, nach dem Motto: erst die zehn, fünfzehn für mich Spannendsten, dann diese, dann jene. Nö. Ich hab die Beiträge Seite für Seite gelesen. Chronologisch, wie sie aufgebaut sind. Von der Festung Millerntor - vor 750 Jahren - über die internationale Premiere, die Geheimwaffe Schmalzkuchen, die Fleischlegionäre, die Berlin-Blockade, das kuriose Tor des "schwarzen Mannes..." - nicht Asamoah, sondern des schwarzen Mannes von Zollinland, über "Sand Pauli" bis hin zu "Bücher für Boller", womit nicht Fabian Boll gemeint war. Das Gefährliche an dem Buch, sind die meist nicht viel mehr als eine Seite langen Kurzepisoden, nach deren kurzweiligen Ende man gar nicht erwarten kann, was in der nächsten kurzweiligen Episode steht. Anekdoten, Anekdoten. Bis man sich zwei verflixte Stunden um die Ohren geschlagen hat und sich fragt, ob man gleich vorne wieder anfangen soll, weil's so lustig war. Wer lieber arbeiten will, soll langweiligere Bücher bestellen.