Die Ankündigung ein Musikspiel basierend auf dem grandiosen Soundtrack der Reihe zu veröffentlichen ließ mein Herz, als Final Fantasy Fanatiker und Verehrer Nobuo Uematsus, von der der ersten Sekunde an höher schlagen.
Nun endlich, nach langen Monaten des Wartens ist es da: Final Fantasy Theatrhythm.
Und obwohl mich Rhythmus-Games bisher nie gereizt haben, hat es Theatrhythm schon nach kurzer Zeit geschafft, mein Herz zu erobern.
--- Traumhafte Töne ---
Über allem anderen ist dafür natürlich die Liederauswahl verantwortlich, die aus Musik aller Teile der Hauptserie bis inkl. XIII besteht. An der Zahl sollen bis zu über 70 Lieder im Spiel mit dabei sein. Jeder Teil ist mit mindestens 5 Liedern vertreten, die man zuerst im Mini-Storymodus freispielen kann. Dieser besteht im Prinzip aus 13 Serien - eine pro Teil - in denen man die 5 Lieder des Teils hintereinander spielt.
Jeder Teil hat ein Opening und ein Ending - welche allerdings nur als "Bonus" dabei sind. In diesen Levels geht es nur darum im Takt zum Lied zu tippen. Wenn man will kann man diese Lieder überspringen.
Etwas aufregender sind da die "FMS" (Field Music Stages), in denen man meist die Overworld Themes, also die Musik der jeweiligen Weltkarten der einzelnen Teile, spielt. (z.B. Terras Theme im Fall von FF 6).
Emotionaler wird es in den "EMS" (Event Music Stages), in denen besondere Lieder gespielt werden, und im Hintergrund Ausschnitte aus den Spielen laufen. (Beispiel: FF8 mit dem Waltz for the Moon).
Am Anspruchsvollsten sind die "BMS" (Battle Music Stages), hier geht es, wie unschwer zu erahnen, um Kampfmusik (Beispiel: Battle at the Bridge aus FF 5 oder Fight with Seymour aus FF 10).
--- Einfaches Gameplay ---
Jedes der verschiedenen Arten der Lieder unterscheiden sich leicht im Gameplay und Aufmachung, aber im Grunde geht es immer darum mit dem Stylus verschiedene Gesten auf dem Touchscreen zu vollführen. Dazu gehört das Tippen, das ziehen des Stylus in bestimmte richtungen und das "Tanzen" des Stylus über den Bildschirm. Dabei geht es immer nur um die Gesten selber, sprich: Man muss nicht auf bestimmte Bereiche des Bildschirms tippen, das Zielen mit dem Stylus entfällt.
Dieses simple Konzept funktioniert so flüssig und gut, dass es einem richtig Laune macht und den Körper in Schwingungen versetzt.
--- Balancingschwächen ---
Spielt man die einzelnen Serien dann durch, was auch ungeübten Spielern gelingen sollte, schaltet man den Challenge Modus frei: Hier kann man die einzelnen Lieder in schwereren Schwierigkeitsgraden durchspielen und schaltet damit auch irgendwann härtere Schwierigkeitsgrade für den Storymodus frei. Insgesamt hat jedes Lied 3 Schwierigkeitsgrade (Basic - Expert - Ultimate, also im Prinzip Leicht, Mittel und Schwer).
Und hier liegt mMn die einzige richtige Schwäche des Spiels, wenn man das denn so nennen kann: Das Balancing ist teilweise nicht wirklich gut gelungen. Basic ist wirklich so einfach, dass es auch jedem noch so Musikunbegabten gelingen sollte mit wenigen Versuchen eine "Perfect Chain", also ein Fehlerfreies durchspielen eines Liedes, zu schaffen. Mir gelang es, obwohl Theatrhythm wie gesagt das Erste Spiel seiner Art ist, dass ich spiele, bei fast allen Liedern auf Anhieb ein S-Rang. Möglicherweise liegt es daran, dass ich selbst Hobby-Musiker bin, und mir fast alle Lieder bekannt sind, aber mein Eindruck war eher, dass Basic doch zu einfach ist.
Expert ist in den meisten Fällen ganz gut gelungen, aber auch hier gab es Lieder, wo mir im ersten Versuch eine Perfect Chain gelang.
Aber vor allem im Ultimate Modus wird klar, dass hier nicht optimal gearbeitet wurde. Sind die BMS noch eine Herausforderung, und wirklich sehr schwer, gibt es bei den FMS und EMS Lieder, die schlicht zu einfach sind. Ein S-Rang auf Anhieb bei Terra's Theme wäre da ein Beispiel. Eine weitere Schwierigkeitsstufe zwischen Expert und Ultimate wäre hier vielleicht angebracht gewesen.
Nichtsdestotrotz ist dies natürlich sehr subjektiv und das Spiel bietet immernoch ausreichende Herausforderung, und die Möglichkeit die Lieder in ruhe zu genießen fehlt auch nicht.
--- RPG-Elemente ---
Im Herzen ist Final Fantasy ein Rollenspiel, und so ist es wenig verwunderlich, dass Square-Enix auch in einem Musikspiel einige Rollenspiel Elemente mit einbringt.
Zu Anfang bildet der Spieler seine Party, bestehend aus 4 der 13 zur Verfügung stehenden Charaktere. Mit dabei sind hier die Hauptcharaktere der jeweiligen Teile: Krieger des Lichts, Firion, Onion Knight, Cecil, Bartz, Terra, Cloud, Squall, Zidane, Tidus, Vaan und Lightning, und zudem noch Shantotto aus FF XI.
Die einzelnen Mitglieder lassen sich dabei jederzeit auswechseln.
Im Verlauf des Spiels sammeln die Charaktere immer mehr Erfahrungspunkte, und steigen im Level. Sie lernen verschiedene Fähigkeiten und lassen sich mit einzelnen Gegenständen wie etwa Potions ausrüsten, welche im Spiel dann von nutzen sind. (Z.B. wird man geheilt, wenn man zuviele Noten verpasst und dadurch HP verliert).
Desweiteren bekommt der Spieler nach jedem Lied Punkte, mit deren Hilfe immer mehr Dinge freigeschaltet werden (z.B. Movie Clips die sich im "Museum" des Spiels betrachten lassen)
Insgesamt ist dieses System unheimlich motivierend, und sorgt dafür, dass man die Konsole kaum noch aus der Hand legen kann.
--- Großer Umfang & Chaos Shrine ---
Wie unschwer zu erkennen ist dies kein Spiel, in dem man bloß ein paar Lieder durchspielt und es nach 2 Tagen in die Ecke legt. Theatrhythm hat Tonnen an Material, um den Spieler bei der Stange zu halten. Neben 64 Trophäen die natürlich nicht fehlen dürfen, gibt es eine Menge an freispielbarem Content.
Neben den bereits erwähnten Filmclips gibt es noch Sammelkarten zu allen Charakteren und Monstern, freischaltbare Lieder für eine Art Jukebox und sogar einige neue Lieder für den Challenge Modus, die im Storymodus nicht verfügbar waren. (Ich habe z.B. bisher Dancing Mad aus FF VI freigespielt). Auch gibt es aus jedem Teil mindestens einen Charakter, der sich zu den 13 bereits vorhandenen Partymitgliedern dazugesellt (Yuna aus FF X oder Locke aus FF VI), wenn man genug Items für sie sammelt.
Um diese ganzen Extras freizuspielen, nutzt man überwiegend den dritten und interessantesten Spielmodus von Theatrhythm, genannt Chaos Shrine.
In diesem Modus geht es darum sogenannte "Dark Notes" zu Spielen. Das sind Level, die aus 2 Liedern (ein FMS und ein BMS) bestehen die jedesmal zufällig zusammengewürfelt werden und mit der Zeit immer schwerer werden. Hat man erst einmal ein Dark Note erspielt, wird der Modus freigeschaltet und es kann los gehen. Schafft man ein Dark Note, wird immer ein weiteres Dark Note erstellt. In den Dark Notes kann man dann die verschiedenen Dinge sammeln, die dazu nötig sind, die Extras freizuspielen.
Chaos Shrine hat übrigens auch eine Lokale Multiplayer Funktion, welche ich mangels Mitspieler jedoch nicht testen konnte. Zudem nutzt das Spiel die Streetpass Funktion um mit anderen Spielern ID-Cards und Dark Notes auszutauschen.
DLCs
Schon jetzt hat der Spieler die Möglichkeit sich für echtes Geld einige zusätzliche Lieder für das Spiel zu kaufen. Square-Enix plant insgesamt über 50 Lieder als DLC rauszubringen, bei einem Preis von 1 Euro pro Lied ist dies sicherlich kein Schnäppchen, aber immerhin kann man sich seine Lieblingslieder rauspicken, und wird nicht gezwungen sich teurere Pakete zu kaufen.
Fazit
Mit Final Fantasy Theatrhythm ist es Square-Enix wirklich ein Geniestreich gelungen, für Fans der Serie definitiv ein Must-Have! Doch das Spiel ist längst nicht nur etwas für Final-Fantasy-Kenner, der Soundtrack ist meisterlich und jeder Musikspiel Fan sollte sich überlegen vielleicht mal einen Blick zu riskieren.