"Julia - Tödliches Verlangen" würde wohl zu gerne professionell rüberkommen, macht dazu aus meiner Sicht aber zuviele fatale Fehler. Zahlreiche unötige Macken weisen darauf hin, dass sich die Spielentwickler nicht ausreichend mit der Adventure-Konkurrenz auseinandergesetzt haben (sonst hätte man sich so manche Kinderkrankheit erspart) - und das ist eine Sache, die ich ihnen sehr vorwerfe! Wenn schon ein Normalpreis verlangt wird, sollten wenigstens gewisse Grundvoraussetzungen erfüllt sein.
Einige der 3D-Szenarios finde ich hübsch und detailliert gelungen. Leider riechen ähnlich viele weitere Hintergründe nach Pfusch, was dem Adventure viel Atmosphäre kostet. Nicht wenig Porzellan auf dem Gewissen haben desweiteren die furchtbaren Schriftinserts: Die wirken, als hätte jemand zum ersten Mal im Leben Schriftinserts gemacht (selbst in einem sehr schlechten C-Movie indiskutabel) - das rächt sich und trägt so manches zum eher altbackenen Flair des Spiels bei. Ausserdem sind die Kameraeinstellungen vielfach suboptimal und die Steuerung informiert nicht ausreichend darüber, ob und wo es in einem Raum weitere Blickwinkel gibt (man muß die Räumlichkeiten abgehen, um das festzustellen - 3D Adventures gibt es nicht erst seit gestern, insofern sollte längst klar sein, dass sowas problematisch ist). Die Steuerung erinnert mich zudem sehr an die eines Freeware Adventures (und ist trotzdem noch das geringste Problem).
Die Story könnte nett und spannend sein... sie ist nur leider schwach erzählt und wirkt für meinen Geschmack teils zu konstruiert. Vom Niveau her werden die Dialoge den aktuellen Ansprüchen ans Adventure-Genre nicht mehr gerecht (zuviel Blabla, fehlender Spannungsbogen und weitere dramaturgische Schwächen). Die Charaktere fand ich eher kalt. Die musikalische Untermalung klingt für mich zwar nach Billigsoftware, grundsätzlich wäre sie aber sehr nett... wenn sie nur mehr auf die Handlung abgestimmt wäre und sich an einigen Stellen mehr im Hintergrund halten würde. Die SprecherInnen der deutschen Fassung fand ich eigentlich recht OK. Doch bei schwachen Dialogen und unausgereifter Handlung authentisch rüberzukommen... das ist bestimmt kein leichtes Unterfangen. Weiters lässt das Rätseldesign an vielen Stellen ziemlich aus und bleibt meiner Meinung nach ohne interessante Herausforderungen (stattdessen erwarten einen zähe Suchspiele, einfallslose Rätsel, öde Geschlichkeitsaufgaben und andere zermürbende Minigames, sowie ein zähes Herumlaufen durch lange Gänge eines Gebäudes...). Langsam bin ich es leid, zu Beginn eines Adventures ein Handy und anderen 08/15 Kram zu suchen. Mehr Kreativität wäre schön gewesen!!!
Fazit: Das Beste an "Julia" ist aus meiner Sicht das Intro, welches einiges verspricht - danach geht es bergab. Ich finde es schade, dass soviel Arbeitsaufwand mit vielen unnötigen Fehlern und in mancher Hinsicht fehlender Professionalität vergeudet wurde. Egal ob dieses Spiel nun einen Punkt oder zwei als Wertung verdient (für mich liegt es irgendwo dazwischen), es verdient meiner Ansicht nach leider KEINE Empfehlung.