Die Live-CD zur genialen „Füttern Verboten"- Tour ist so authentisch, dass der Duden-Verlag sie eigentlich als Definition zu „Helge Schneider" im Lexikon unter „H" einkleben müsste. Mit Worten ist dieses Phänomen (nie war er besser - ist er eigentlich 20 oder 50?) nämlich schwerlich zu beschreiben. Da hilft einem dieses Live-Album mit unverkennbarer Musik- und Geräuschkulisse aus der Bredouille. Es finden sich erstaunliche Tondokumente wie ein Nashorn mit Schellenkranz und Abführmittel („Vorstellung der Tiere"), ein sich selbstständig machendes Echo („Liebe Gemeinde") oder brutalste Zahnarztgeräuschkulissen („Beim Zahnarzt"). Nach der vorherigen Tour mit Drummer Pete York und Bassist Jimmy Woode ist der Meister dieses Mal wieder auf sich allein gestellt. Und da zeigt Helge gleich mit der „Eröffnung in F", wie man simultan mit zahlreichen Körperteilen die ganze Band macht. Im Mittelpunkt der neuen Ideen steht dann die Welt des Zoos. Die Vorstellung der Tiere beginnt gleich mit der Kassiererin und bringt nach Problemen der Elefanten beim Verdauen von Couchgarnituren ein Wiedersehen mit Orang-Utan Klaus im Affenhaus. Der absolute Knüller im Programm ist aber das ‚Protestlied' - festhalten - „Und da stehen sie wieder in Zweierreihen vor der Pommesbude und warten auf das, was ihnen gebührt", bei dem Helge Schneider in zum-Schießen-ironischer Konstantin-Wecker-Manier mit Klavierbegleitung über seine sozialen Bedenken angesichts der Schließung der Pommesbude referiert - bevor die letzte Roulade fällt... Der ebenso knackig betitelte Song „Dein ewiges Nein geht mir auf den Sack Du Sau" untersucht - strengst argumentativ - die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau beim Putzen. Bekannte Helge-Klassiker sind frisch aufgepeppt, wie „Meisenmann", bei dem ein körperlich nicht anwesender Udo Lindenberg den Background-Gesang beisteuert, während der betröppelte Peter Maffay weggeschickt wird. Die gesamte Vorstellung findet mehrsprachig statt, von Sächsisch („Erzgebirge-Männchen Schnitzer-Blues") bis hin zu köstlichem Pseudo-Spanisch („Dolores").
Ob tiefsinnige Protestlieder, ‚Instrumentallieder mit Gesang' („Titanic") oder zahlreiche Ansprachen, das komplette Programm ist eine Helge Schneider-Galavorstellung par excellence. Großartiges Jazzklavier (absolut ernst gemeint) begleitet die aberwitzigen Texte von skurrilen Zusammenhängen. Nicht einmal eingefleischteste Schneider-Kenner können mitunter erraten, welche völlig abwegigen Wendungen Helge von einem Wort ins nächste nimmt, wenn z.B. der Meisenmann den Wurm, von dem nur noch eine Zellophanhülle existiert, in seiner Lidl-Tüte verstaut. Nur Helge Schneider kann Zusammenhänge zwischen Michael Jackson und Angela Merkel oder dem Dalai Lama und Jens Nowotny herstellen, die allesamt zu Gast sind, als Prinz Charles in Bochum seine Beerdigung vorfeiert in einer grandiosen Parodie auf Royal-Übertragungen im Fernsehen („TV-Übertragung"). Das Überraschungsmoment hat er auch auf seiner Seite, wenn er die einfachen Pointen gekonnt umschifft und statt dessen das Wort ‚Pointe' im Minutentakt neu erfindet... und wie immer wird es beinahe am Besten, wenn der Meister selbst lachen muss.
Inklusive Bonus-CD bekommen Helge-Fans satte 90 Minuten Feinkost und alle anderen 5400 Sekunden Intensivfolter geboten von einer authentischen Darstellung der Ereignisse, wie sie sich an einem kalten Oktoberabend 2004 in Dortmund zugetragen haben. Da fehlt höchstens noch die DVD, um dem zwerchfellgebeutelten Helge-Verehrern den Gnadenschuss zu geben.