Ja, er konnte schreiben, dieser Eduard von Keyserling, daran besteht kein Zweifel. Auch in "Fürstinnen" zeichnet er wieder auf meisterhafte Weise das Bild von schönen Landschaften und empfindsamen Menschen - und ebenso meisterhaft legt er über all das den Grauschleier von Untergang und Lebensuntüchtigkeit. Diesmal wechselt er vom niedrigen zum hohen Adel. Die kleine Prinzessin Marie von Neustatt-Birkenstein ist in einem goldenen Käfig gefangen, der noch um ein vieles enger und unnatürlicher ist als die Konventionen, die die Heldinnen von Keyserlings anderen Romanen binden. Sie träumt davon auszubrechen, doch ihre Schritte sind so zaghaft, dass man von einem wirklichen Versuch gar nicht reden kann. Wo andere Keyserling-Heldinnen wenigstens mit einer gescheiterten Beziehung aufwarten können, gelingt es Marie erst gar nicht, wirklich eine Beziehung zu knüpfen.
Nicht nur uns heutigen Lesern erscheint sie völlig fern, sondern sogar für die benachbarten Adelstöchter im Roman ist und bleibt sie nur das weltfremde "Prinzeschen". Vielleicht wäre die scharfsinnige Hilda,die meint "Warum sollen wir immer Töchter bleiben? Tochter ist ein Wesen, das eigentlich nur dazu da ist, um abends ins Haus zurückgeschickt zu werden, damit es der Mama einen Schal holt, weil es anfängt, kühl zu werden", die spannendere Heldin gewesen. Die Geschichte der kleinen Marie aber, die nicht gut enden kann, ja nicht mal überraschende Wendungen erwarten lässt, ist bei Klasse von Keyserling doch arg depressiv geraten.