Kundenrezensionen

37
3,8 von 5 Sternen
Für'ne Moment: Autobiographie
Format: TaschenbuchÄndern
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40 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 10. April 2011
Die lange erwartete Niedecken-Autobiographie hat für mich alles gehalten, was sie im Vorfeld vesprochen hatte, oder was ich mir erwartet hatte. Und noch mehr..
Auf Seite 452 findet sich ein Satz, den man allen VIPs, Möchtegern-Promis und Politikern in Stein gemeisselt in den Vorgarten stellen sollte: "Mit den Jahren hatte ich gelernt, die Klappe zu halten, wenn ich von einem Thema keine Ahnung hatte, auch wenn es der Eitelkeit noch so schmeichelte, zu allem und jedem befragt zu werden."
Und diese Linie zieht Niedecken konsequent durch. Er erzählt viel, geradlinig und (weitgehend) ohne Eitelkeit, aber nur zu Themen, die ihm am Herzen liegen, zu denen er Profundes beisteuern kann. Und das ist nicht wenig. Kunst, Musik, Politik, Zeitgeschehen, bis ins Philosophische und natürlich zum humanitären Engagement gehen Niedeckens Anliegen.
Es gibt keinen Künstler in Deutschland, und nur ganz ganz Wenige ausserhalb, die in meiner Wertschätzung einen ähnliches Stellenwert haben wie dieser Mann. Wer dieses Leben mitverfolgt hat, weiss, dass die Faszination Niedecken auch darin liegt, dass er, wo immer er sich aufhält und egal, was er tut, versucht, die Welt ein kleines Bisschen besser zu machen. Kein Schwätzer, sondern einer der anpackt. Der mit seiner Meinung nie hinter den Berg gehalten hat, wenn ihm ein Thema wichtig war. Der, obwohl mittlerweile wohl mehrfacher Millionär, nie den Bezug zum richtigen Leben verloren hat, nie abgehoben ist.
Wer ihn einmal persönlich getroffen hat, der kann dies sicher bestätigen. Und genau so schreibt er. Einfühlsam, gekonnt wie seine Songtexte, die auch immer mal als unmarkierte Zitate im Zusammenhang des Textes zu finden sind, fließt der Text an Augen und Hirn vorbei. Ihm geht es nicht darum, Menschen in die Pfanne zu hauen, denn natürlich handelt "Für 'ne Moment" auch von persönlichen Enttäuschungen, menschlichen wie beruflichen, von großen und kleinen Niederlagen des Lebens. Aber auch in diesen Momenten ist der Text von dem Willen durchdrungen, nachdenken und verzeihen zu können. Und das macht die menschliche Größe Niedeckens aus.
Wer eine Abrechnung mit alten Weggefährten erwartet hat, wird enttäuscht sein. Natürlich schreibt er über den Bruch mit Major und die Gründe dahinter. Aber ohne Bösartigkeit, nüchtern und resümierend. Andere BAP-Weggefährten werden komplett aussen vor gelassen z.B. Steve Borg, Bassist der frühen Achziger. Auch das Bandende für seinen langjährige Freund Schmal blieb unerwähnt, ich vermute auf Wunsch dieser Ex-BAPler. Aber das ist OK so, hat er doch schon vor 30 Jahren gesungen: "Ich könnte jetzt laut die Namen singen, doch das gebe ich dran,denn es gibt nichts abzurechnen, nachkarten gilt nicht. Und außerdem, was soll das? Leute "in die Pforte zu hängen"(bloßzustellen) bringt mir nichts." (Fuhl am Strand).
Wer also Interesse an einem überragenden Stück Zeitgeschichte hat, erzählt von einem der wichtigsten deutschen Künstler der letzten Jahrzehnte, der ist mit diesem tollen Buch bestens bedient.
Wer Klatsch und Tratsch aus der BAP-Historie will, der soll alte Bravos lesen.
Als Tüpfelchen auf dem i möchte ich noch die absolute Klasse des Buches in anderer Hinsicht betonen: Keine Satz- oder Druckfehler trüben das Lesevergnügen, ein dickes Lob dem Lektorat von Hoffmann & Campe!
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26 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 5. September 2011
Das Buch von Wolfgang Niedecken ist in mehrerlei Hinsicht ungewöhnlich. Für eine herkömmliche Autobiographie unüblich ist der nicht chronologische Verlauf. Dadurch ist der Leser fast gezwungen, sich mit dem kompletten Buch zu beschäftigen und kann sich nicht vermeintliche Rosinen herauspicken.

Des Weiteren erfordert dieses Buch eine Auseinandersetzung des Lesers mit dem Inhalt. So bleibt es vermutlich nicht aus, dass man neben dem Buch auch andere Quellen heranzieht, um sich über die Umstände bzw. über die Beschreibungen zu informieren. Das kann sich auf Lieder beziehen, die z.B. mir nicht alle bekannt sind bzw. deren Texte mir nicht präsent sind. Die Informationssuche kann sich aber auch auf die Bandgeschichte von BAP beziehen, wo man z.B. mithilfe von Wikipedia die jeweiligen Bandbesetzungen (mit 23 gegenwärtigen und ehemaligen Bandmitgliedern) im Laufe der Jahre nachvollziehen kann. Diesbezüglich hätte eine entsprechende Tabelle im Anhang des Buches sicherlich geholfen.

Stilistisch schreibt Niedecken so, wie man ihn kennt. Er hat seine Ecken und Kanten und seine eigene Sicht der Dinge. Ich hatte nicht erwartet, dass er mit seinem Buch nur Zustimmung erzielen will. Er wollte während seiner Karriere provozieren, diskutieren und streiten und diesem Ideal" bleibt er in der Biographie treu: Einige Stellen erzeugen Unverständnis und schreien regelrecht nach Widerspruch. Eben weil ich nicht mit jeder seiner Einlassungen einverstanden bin, habe ich mich mit vielen Textstellen näher und ausgiebig beschäftigt, was die Qualität des Buches in Bezug auf Nachhaltigkeit ohne Zweifel anhebt.

Dennoch überzieht er an manchen Stellen und hier lassen sich auch Schwächen in der Persönlichkeit des Autors erkennen. Mit seinen Einlassungen zum Kalten Krieg (sowie seiner Erklärung zur Parteinahme für eine Aktion zugunsten der Schröder/Fischer-Regierung) bin ich z.B. nicht einverstanden. Politische Differenzen in unseren Ansichten hatte ich aber von vornherein vermutet, so dass sie mich nicht weiter stören. Dass er retroperspektiv seine Haltung aber nicht in Frage gestellt hat und z.T. auf polemische Art auch heute noch auf seinen Ansicht beharrt, deute ich als Engstirnigkeit.

Dass er den Musikstil von Phil Collins nicht mag, verwundert mich nicht, allerdings frage ich mich, warum er gezielt Collins heraussucht, um ihn zu verunglimpfen. Diesbezüglich war meine Suche nach einer Ursache nicht erfolgreich.

Mit Bewunderung an der Person Bob Dylan war zu rechnen, aber mehr Objektivität wäre wünschenswert gewesen. Seine Verliebtheit zu Dylan erreicht ihren Höhepunkt, als er den Auftritt von diesem beim Live Aid-Konzert mit der Diktion Fahne des RockŽn ŽRoll hochgehalten" verklärt, während er fast der versammelten Mannschaft an Musikern einen großen Promo-Effekt als Beweggrund für den Auftritt bei Live Aid unterstellt. Damit ruft Niedecken Zweifel am eigenen Auftritt bei Live 8 hervor, der im Buch aber gar nicht angesprochen wird. Und wie möchte sich Niedecken verteidigen, falls man seinen Auftritt im Zusammenhang beim Anti-WAAhnsinnsfestival als Promo-Effekt bezeichnet?

Mit großer Spannung habe ich seine Betrachtung zur Bandgeschichte von BAP verfolgt. Ich muss vorwegschicken, dass aus meiner Sicht Niedecken hier in eine der typischen Fallen bei der Verfassung von Autobiographien getappt ist. Helmut Schmidt hat es immer abgelehnt, eine Autobiographie zu schreiben, weil er meinte, dass man dabei selber zu gut wegkommt und die Darstellung selbstgefällig wird. Und genau das muss man Niedecken vorwerfen.

Wenn es eine Band so lange gibt wie BAP, sind Konflikte im Laufe der Zeit meist unvermeidlich. Natürlich ist es für den Außenstehenden interessant, welche Streitereien sich abspielten und wie man damit umgegangen ist. Mir waren Dissonanzen bei BAP eigentlich unbekannt, weshalb ich diese Stellen aufmerksam verfolgt habe.

Man muss Niedecken zugestehen, dass er vielleicht zu nah dran ist, als dass er wirklich neutral bleiben kann. Jedoch hätte ihm auch auffallen können, dass er seine eigene Rolle für die Bandgeschichte nicht angemessen reflektiert. Er erkennt z.B. nicht, dass er sich auch abseits der Band einen Namen gemacht hat und eine Persönlichkeit entwickelt hat, mit der die Band umgehen muss. Es ist kein unbekanntes Phänomen, dass Bandkollegen neben der Popularität ihres Sängers beinahe verblassen und zu leiden haben (siehe U2 und Bono) und dadurch austauschbar erscheinen. Hier wäre Ursachenforschung für die verschiedenen Standpunkte der Bandmitglieder anzuraten gewesen. Während Niedecken in der Öffentlichkeit bekannt war und hohe Popularitätswerte erzielte, blieben die restlichen Bandmitglieder überwiegend im Hintergrund. Eine daraus resultierende Ursache für Konflikte wäre z.B. gewesen, dass einige der übrigen Mitstreiter als Band wahrgenommen werden wollten und nicht nur die musikalische Untermalung für die Ideen des Frontmanns liefern wollten. Eine selbstkritische Reflektion wäre mehr als wünschenswert gewesen.

Durch die fehlende ausgewogene Rückbetrachtung entwickelt sich das Buch zur Abrechnung und dem Waschen schmutziger Wäsche mit den Bandkollegen, insbesondere mit dem BAP-Major. Das lässt sich u.a. an dem Vorwurf der Kommerzialisierung festmachen. Außerdem amüsiert er sich darüber, bei der letzten Tournee dem Major ein Solo versaut zu haben. Falls sich der BAP-Major und Niedecken nach dem Ausstieg vom Gitarristen ins Gesicht sehen konnten, muss man befürchten, dass dieses spätestens nach der Buchveröffentlichung nicht mehr der Fall ist. Ferner stehen Beschreibungen wie Lustlosigkeit der BAP-Kollegen im Raume. Dass Steve Borg trotz einer Bandzugehörigkeit von 15 Jahren nicht ein einziges Mal namentlich erwähnt wurde, sondern nur als unser Bassist" aufgeführt wurde, fällt negativ auf.

Fazit: Der Umgang mit vergangenen BAP-Kollegen wirft ein schales Licht auf einen Teil der Persönlichkeit von Niedecken und hinterlässt einen unangenehmen Nachgeschmack auf die Qualität des Buches, das ansonsten viele Facetten bietet und auch für den Nicht-BAP-Fan durchaus lesenswert ist.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Seine Autobiographie kann man als in sich verwobene ganzheitliche Lebensgeschichte präsentieren, mit einem romanhaften Handlungs- und Spannungsbogen und so dem Leser den Eindruck vermitteln, als hätte jeder Schritt auf dem Lebensweg auch schon Schritte die erst Jahre später erfolgten ganz wesentlich gelenkt und vorbestimmt, als bündige und schlüssige Geschichte.
Auf diese Art sind viele (Auto)Biographien verfasst und möglicherweise ist dies literarisch auch der bessere, zumindest besser zusammenhängend lesbare, Stil.
Nur ist so das Leben nicht.

Bis auf wenige Ausnahmen, die es geben mag und die die Regel bestätigen, ist gelebtes Leben, ist eine Biographie immer eine Vielzahl von Einzelereignissen, die hier und da zusammenlaufen, oft aber wenig bis absolut gar nichts miteinander zu tun haben.

In der Rückschau, verstärkt durch das Ausblenden von Banalitäten und durch selbst konstruierte oder bestenfalls erst rückblickend erkannte Zusammenhänge, (in unredlichen Fällen dann auch noch durch Überhöhen von Erfolgen und Verschweigen von Niederlagen) ein Leben maßzuschneidern, was sich in Form eines Buches gut nachlesen lässt, mag zwar üblich sein, aber ist es wirklich die beste Form sich zu erinnern, wenn das Ziel ist, sein Leben möglichst authentisch abzubilden?

Wolfgang Niedecken hat sich für seine Autobiographie zum 60. Geburtstag einen anderen, wie ich finde besseren, Weg gesucht. Die 520 Seiten praller Lebenserinnerungen sind lediglich in sieben Kapitel gegliedert und selbst diese Gliederung hätte er weglassen können. Denn anstatt einer durchlaufenden Geschichte, die zwanghaft versucht alles mit allem zu verbinden und was sich nicht einbinden lässt, bleibt unerzählt, ist "Für ne Moment" eine Aneinanderreihung von Anekdoten. Mal über zehn-zwölf Seiten, mal auch nicht mal eine Seite lang, wird in halbwegs chronologischer Abfolge Erwähnenswertes erzählt.
Erzählt ist der richtige Ausdruck, der Schreibstil gleicht einem intelligenten Plauderton. Das Buch vermittelt den Eindruck, als säße man mit Niedecken in kleiner Runde und er erzählt sich erinnernd und unverstellt drauflos. Es mischt sich herzlich Komisches, mit Bitterem, erzählenswerte, weil originelle Nebensächlichkeiten, mit ganz besonderen Ereignissen, Enttäuschungen, Überwältigungen und Überraschungen. Das ganze Leben halt. Und in 60 Lebensjahren eines Musikers, Malers und Autoren, kurz Universal-Künstlers, zumal enorm erfolgreich, mit reichlich Kindern und Weggefährten aller Couleur, passiert so einiges.

Ganz und gar wohltuend, wenn auch eigentlich nicht anders zu erwarten, fällt auf, dass Niedecken über kleine witzige, mitunter auch peinlich-witzige Anekdoten im selben Stil redet, wie über grandiose Triumphe, über verschwurbelte Spinnereien genauso, wie über besondere Begegnungen, über das freundschaftliche Verhältnis zu Trude Herr mit demselben Respekt wie über das freundschaftliche Verhältnis zu Bruce Springsteen. Und selbst da wo von Scheitern im Zusammenhang mit Weggefährten die Rede ist, wird nicht gekeilt oder einseitig Schuld zugewiesen, sondern einfach erzählt, mal bedauernd, mal versöhnlich, mal ernüchtert feststellend.

Die hier wiederholt auftauchende Kritik, es sei nicht genug BAP im Buch, irritiert mich doch sehr. Es ist die Autobiographie von Wolfgang Niedecken, der auch der Frontmann von BAP ist, aber eben bei weitem nicht nur. BAP ist immer wieder Thema im Buch, wie sollte es auch anders sein, aber man kann doch nicht ernstlich 527 Seiten BAP-Stories erwartet haben???
Interesse für Wolfgang Niedecken vorausgesetzt, eine lesenswerte, authentische Autobiographie, mit einer Vielzahl an Anekdoten, die so unterschiedlich und abwechslungsreich sind wie das Leben.
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15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 4. Mai 2011
Zunächst war ich skeptisch, als ich hörte, dass Niedecken eine Autobiografie auf den Markt bringt. Es gibt ja schon das 1990 erschiene Buch 'Auskunft', das leider in einer eher schnodderigen Sprache von zwei Ghostwritern verfasst wurde. Was soll da also kommen?
Bei der Lektüre von "Für ne' Moment" war ich dann positiv überrascht: Ohne Rücksicht auf Chronologie und Vollständigkeit erzählt Niedecken von glücklichen, traurigen, lustigen, prägenden, spannenden oder entscheidenen Momenten seines Lebens. Die Sprache, die er dabei benutzt ist wunderbar poetisch, so dass der Leser das Gefühl hat einen Roman zu lesen, in dem er -Niedecken- nun zufällig der Hauptdarsteller ist. Der Autor selber, unterstützt von dem Stuttgarter Literaturwissenschaftler Oliver Kobold, nimmt dabei die Postion eines staunenden Beobachters ein, der den Verlauf seines Lebens mit allen glücklichen Fügungen nicht ganz fassen kann und ständig Angst hat, aus einem Traum zu erwachen. Die Facts, die er liefert sind dem aufmerksamen Fan ja zumeist bekannt; neu ist allerdings, dass die Richtungskämpfe innerhalb der Band, die sich etwa ab Mitte der achtziger Jahre bis zum Ende der neunziger Jahre abspielten in dieser Umfänglichkeit noch nirgends so deutlich dargelegt wurden, wohl aus Rücksicht auf die ehemaligen Bandmitglieder. Niedecken wäscht hier zum Glück nicht die schmutzige Bandwäsche. Etwas zu langatmig ist die Schilderung der Zusammenarbeit mit Wim Wenders für den BAP-Film "Viel passiert" ausgefallen. Hier wäre weniger mehr gewesen. Es handelt sich aber um die einzige Stelle im Buch, an der ich gelangweilt weitergeblättert habe. Insgesamt handelt es sich um ein wirklich spannendes, vor allem wegen seiner großartigen Sprache lesenswertes Buch.
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 17. Juli 2011
Über Niedeckens Biographie wurde hier schon viel geschrieben. Auch ich habe das Buch mit gemischten Gefühlen zur Seite gelegt. Beeindruckend fand ich den Aufbau der Biographie: an einem Punkt zu starten und von da aus Schlaglichter zurück und nach vorne zu werfen. Dies hat das Lesen sehr angenehm und kurzweilig gemacht.

Aus meiner Sicht hat das Buch 2 immer wieder kehrende Grundmotive:

1. die von Niedecken geforderte Einheit zwischen Werk und Leben von Künstlern: für ihn sind es wohl vor allem Larry Rivers (kann ich nicht beurteilen) und Rory Gallagher (sehe ich genau so), die dafür stehen. Völlig außen vor ist Bob Dylan: bei dem massiven Einfluss, den Dylan auf Niedecken hat, wundert dies sehr. Gerade in die Anfangsjahre von Bap fällt doch Dylans christliche Erweckungsphase, in der er sektererische Texte vom Stapel ließ, zu denen die ultraorthodoxe amerikanische Rechte wohl heute noch klatscht...ist dies keine kritische Reflexion wert?

2. Momente, in denen Rock'n Roll wirklich erlebt wird. Dass er hier gerade den aus meiner Sicht schlechtesten aller denkbaren Auftritte (Dylan, Wood und Richards beim Band-Aid in den Achtzigern) anführt, irritiert total. Bei allem Respekt vor den Dreien: der Auftritt war miserabel. Was mich jedoch als Bap-Fan der Besetzung 1980-1999 wirklich betrübt ist die Tatsache, dass es Wolfgang Niedecken ab 1986 offenbar keinen Spaß mehr gemacht hat - die Rock'n Roll Momente ausblieben. Als Fan ging mir das anders: die Tourneen `86, `91, `93 und (vor allem) `97 hatten für mich jede Menge davon. Wenn er das alles halt nur mitgemacht hat, weil die Kohle gepasst hat, fällt er persönlich vor seinem eigenen, oben beschriebenen Anspruch voll durch - das kann ich kaum glauben.

...noch ein letzter Gedanke: Carl Carlton spielt in einer eigenen Liga, klar. Die implizite Schlussfolgerung: "wenn einer wie Carl Carlton gut mit mir arbeiten konnte, brauche ich mir die Kritik von Major ja wohl nicht gefallen zu lassen" haut aus meiner Sicht nicht hin. Bei der Frage, ob Bap wegen oder trotz Major so lange Erfolg hatte, bleibe ich beim "wegen".
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38 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 29. Mai 2011
Wer eine Autobiographie schreibt, kann grundsätzlich sagen was er will, und die Welt so darstellen, wie er sie sieht. Inwiefern der Author in dieser Darstellung der Wahrheit Gewalt antut ist immer eine schwierige Frage, und Wolfgang Niedecken's Autobiographie ist in dieser Hinsicht ein schwieriges Buch.

Neben Frontmann der Rockgruppe BAP ist Niedecken bildender Künstler, engagiert er sich politisch und setzt sich für humanitäre Initiativen , hauptsächlich in Afrika, ein. Seine Biografie stellt somit ein breitgefächertes Leben dar. Dennoch kann man getrost davon ausgehen, dass die grosse Mehrzahl der Käufer dieses Buches es vor allem lesen, weil ihnen die Band zusagt. Entsprechend richten sich viele Kritiken, so auch diese, in erster Linie auf die Darstellung der Bandgeschichte. Und da wird man bitter enttäuscht.

So liebevoll und ausgewogen Niedecken die Bilanz der Beziehung mit seinem Vater zieht, und so beeindruckend er seine Erfahrungen in Afrika schildert, so ungehalten und kleinlich geht er mit seinen in Ungnade gefallenen Mitstreitern um. In vielen anderen Rezensionen wird bereits die Abrechnung mit dem ehemaligen Gitarristen Klaus Heuser angesprochen, aber diese Auseinandersetzung wird wenigstens dargestellt. In anderen FäIlen werden `Gegner' heftigst kritisiert, ohne mit Namen genannt zu werden (Seite 342 zum Beispiel: "Ich verbannte die reinen Stimmungsverderber [...] furs Erste aus dem Studio, doch damit schließlich auch aus der Band.") Aus dem Kontext kann man annähernd schliessen um wen es gehen dürfte - Schmal Boecker und Steve Borg waren beim nächsten Album nicht mehr dabei. Letzterer wird auf keinem der 527 Seiten dieses Buches namentlich erwähnt - komisch, war er doch immerhin 16 Jahre lang dabei.

Jens Streifling, dessen Weggang 2003 von Niedecken zur Zeit als übelste Fahnenflucht charakterisiert wurde, verschwindet in diesem Buch einfach von der Bildfläche. Alexander Büchel wird vorgeworfen, er hätte bei seinem Weggang wohl auch an Geld gedacht - diesen Vorwurf hätte aber der Musiker wohl nur ausweichen können, indem er freiwillig von einer vertraglich festgelegten Abfindung abgesehen hätte - ihm in diesem Zusammenhang eine halbe Wahrheit zu unterstellen zeigt zumindest nicht von einer großen geistigen Großzügigkeit.

Besonders unglaubwürdig wirkt Niedecken aber, wenn er auf Seite 392 so tut als wüsste er überhaupt nicht, wer als dritter Mann 1999 bei BAP ausgestiegen sei. Der EMI Musikverlag, sowie die Fansite bap-fan.de hätten da Abhilfe leisten können: es ging um Hans Wollrath, der 19 Jahre lang zusammen mit Niedecken auf vielen Plattenhüllen stand; auch im Beiheft des Comics & Pinups Albums noch als Bandmitglied aufgeführt wird. Es mag Wollrath einer der ehemaligen Bandmitglieder gewesen sein, die Niedecken seinem Konzept der BAP-Remasters von 2006 und 2007 teilweise vermasselt haben. Das wäre aber eine lesenswerte Geschichte gewesen - dieses Totschweigen ärgert da nur.

Fazit: wer mehr über den bildenden Künstler und den Aktivisten erfahren will, sollte sich dieses Buch kaufen. Wer an die BAP-Geschichte interessiert ist, muss dem Meister seiner Version der Wirklichkeit vorbehaltslos und kritiklos zugestehen - oder sich ganz ordentlich ärgern. Beide Herangehensweisen findet man hier bei den Rezensenten - ich schließe mich enttäuscht der zweiten Gruppe an.
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17 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 26. Mai 2011
Ich kann mich im Prinzip in die Einschätzung der "3-Sterne-Fraktion" einreihen. Als ehemaliger (leidenschaftlicher) BAP- und Niedecken-Fan bin ich ebenfalls irritiert. Tatsächlich enthält das Buch einige unterhaltsame Passagen, ist gut lebar und streckenweise sehr interssant. Gerade die Ausführungen zur künstlerischen Entwicklung Niedeckens fand ich lesenswert. Warum sollte er in einer Biographie auch nur über BAP schreiben? Jeder, der sich für den Mann interessiert, weiss welch zentrale Rolle Kunst in seinem Leben spielt. Sehr unpassend allerdings finde auch ich seine Attacken gegen Klaus Heuser. So ein kleinkarriertes Nachtreten hätte ich nicht erwartet. Zumal Niedecken sich nicht so recht entscheiden kann, was er uns denn nun über diesen Konflikt mitteilen will. Es erinnert ein wenig an Zuckerbrot und Peitsche, wenn er dem "Major" zunächst attestiert, die Band erst so richtig nach vorne gebrach zu haben und sich dann bitterlich über dessen (angebliche) Dominanz beklagt. Auch die fast hämisch wirkende Freude über seinen Ausstieg ist überflüssig. Niedecken selber macht dabei keine gute Figur. Ebenfalls ist mir die "sparsame" Erwähnung von Steve Borg als "damaliger Bassist" aufgefallen. Als Mitsteiter der "guten, alten Anfangszeit" hätte man ihm durchaus mehr Beachtung schenken können, oder? Nun ja, Niedecken ist halt auch nur ein Mensch. Wer die Biographie liest, wird ihn vom "Podest" runterholen und auf dem Boden der Tatsachen abstellen. Möglicherweise ist das vom Autor genauso gewollt!?
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15 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 13. Mai 2011
Zunächst mal: Ich bin kein BAP-Fan der ersten Stunde und ich finde die Musik seit dem Weggang vom Major wesentlich (!!!) besser, weil rockiger als z.B. auf Comics and pinups oder Da Capo. Aber trotzdem kann ich mich einem meiner Vorschreiber nur anschließen: Niedeckens Rumhacken auf dem Major nervt und grenzt für mich an Arroganz. Jeder Leser wird schnell merken, dass Niedecken und Heuser lange Jahre nicht auf einer Wellenlänge waren, es immer noch nicht sind und wahrscheinlich nie sein werden. Trotzdem tritt Niedecken wieder, wieder und wieder nach. Für mich absolut unnötig. Und wenn der sensible Niedecken so darunter gelitten hat, dass seine textlichen und musikalischen Ideen jahrelang keinen Zuspruch in (weiten Teilen) der Band fanden - warum hat er das dann so lange mitgemacht?
Was mich aber noch mehr gestört hat, ist Folgendes: Ich dachte, dass Niedecken ein Mensch mit einer durchweg kritischen Haltung ist (das betont er ja auch dauernd). Allerdings muss ich mein Bild nach der Lektüre von "Für 'ne Moment" wohl etwas revidieren. Niedecken ist ein Mensch, der oft, vielleicht auch meistens kritisch ist. Wenn es aber um seine Vorbilder wie Dylan, Springsteen oder die Stones geht, fehlt jede Spur einer kritischen Sichtweise, die m.E. hier und da durchaus angebracht wäre (auch für einen Fan). Stattdessen wird da wird nur noch vergötttert, in den Himmel gehoben, quasi angebetet. Für Wim Wenders gilt Ähnliches.

Fazit: "Für 'ne Moment" hat durchaus spannende Passagen und ist von daher lesenswert, mein Niedecken-Bild hat allerdings stark unter der Lektüre gelitten.
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17 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 4. April 2011
Niedeckens Autobiographie hat sicher starke Passagen, dabei aber auch einige eklatante strukturelle Schwächen. Dazu gehört die Verklärung der Vergangenheit, vor allem wenn es um die Frühgeschichte von BAP in der Zeit vor der Major-Ära geht. Das kollektive Wir, das eine so kaum realistische Dauer-Harmonie suggeriert, geht einem irgendwann genauso auf die Nerven wie die verherrlichende Darstellung der Band in der Zeit nach dem Major. Überhaupt spielt die Auseinandersetzung mit Major über weite Strecken eine große Rolle, denn Niedecken hat offenbar sehr darunter gelitten, dass ihm die musikalische Leitung aus den Händen geglitten ist. Man fragt sich nur, warum er es so lang ausgehalten hat, wenn die Alben von Ahl Männer aalglatt bis Comics und Pin Ups allesamt so wenig seinen Vorstellungen entsprochen haben.
Bei der Darstellung dieser Zeit wird auch nicht recht klar, wer denn in der Band jetzt zur Major-Fraktion gehörte und wer nicht. Was waren das eigentlich für Charaktere, die jahrelang mit Niedecken auf der Bühne standen? Kannte er sie überhaupt wirklich? Hat er sich mit ihren Vorstellungen, Wünschen und Träumen überhaupt auseinander gesetzt? Während langjährige Weggefährten wie Major also relativ schlecht wegkommen, werden die Idole geradezu kritiklos verehrt. Bei Wim Wenders gerät die Lobhudelei fast zur Peinlichkeit und die langatmig erzählte Entstehung des Films Viel passiert hat mich ehrlich gesagt gelangweilt.
Dennoch habe ich das Buch gern gelesen und in kurzer Zeit verschlungen, die Geschichte von Niedeckens Familie und seiner Zeit im Internat ist kurzweilig erzählt, die Erlebnisse in Afrika werden sehr bewegend und zugleich informativ dargestellt. Die gesamte Biographie ist durchzogen von Zitaten aus BAP-Liedern, die einem sofort in den Sinn kommen. Und man bekommt Lust, auch die alten Platten, vor allem die Solo-Alben wieder einmal zu hören.
Fazit: Für BAP- und Niedecken-Fans ist dieses Buch ein Muss und auch ein Lesegenuss, für alle anderen vermutlich eher weniger von Interesse. Drei Sterne.
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12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Wolfgang Niedecken hat seine Memoiren geschrieben. Viele werden jetzt denken: 'Ach, noch einer der meint, er hätte was zu erzählen!' Aber Niedecken ist eben kein 17jähriger Hollywood-Jüngling der meint, alles gesehen zu haben, nur weil er einmal seine Nase hinter den Hollywood Hills hervor gereckt hat. Niedecken hat was zu erzählen. Und wie er erzählt. Er macht nicht den Fehler, den viele machen, die sich an der Niederschreibung ihrer Lebensgeschichte versuchen. Er fängt nicht bei dem kleinen Jungen an und hört bei dem weisen Mann auf. Er erzählt, wie man eben erzählt. Kommt vom Hölzchen aufs Stöckchen, bleibt nur in groben Zügen chronologisch. Von seiner Kindheit in der Kölner Südstadt in der es in den Nachkriegsjahren keine Spielplätze sondern Trümmer gab, von Rittern auf der Vringspooz, Internatsjahren und kölschem Klüngel '' Kölscher Klüngel? Dä jitt et jar nit' ävver et ess schon besser, wemmer einer kennt!' 1

Über seine Zeit als Künstler im Big Apple, Anfänge in der Musik und die ersten Erfolge mit BAP. 'Ein Auftritt im 'Chlodwig Eck' und vielleicht noch einer in einem Vorort von Köln, das war schon fast eine Tournee. Zumindest, wenn man fest daran glaubte.' 2

Man erfährt viel über den Mann, mit der 'merkwürdije Sprooch'. Über den Künstler Niedecken und seine musikalischen Vorbilder ebenso wie über Vorbilder in der Bildenden Kunst. Von den Kinks und Bob Dylan bis zu Larry Rivers, Julian Schnabel und Michael Buthe.

Ein außergewöhnliches Treffen mit Heinrich Böll, ein Song mit Joseph Beuys, ein unverhofftes Duett mit Bob Dylan' Niedecken verwischt die Grenzen zwischen den Künsten und vor allem gibt es keine Grenzen zwischen ihm als Mensch und seiner Kunst. Nichts, was er nicht für seine Kunst verwendet. Egal ob seine Erinnerungen und Erlebnisse, die in seine immer aussagekräftigen Liedtexte einfließen oder alle erdenklichen Gefühle und Materialien, die in seinen Gemälden und Installationen Verwendung finden. Der BAP-Frontmann ist von seiner Kunst nicht wegzudenken. Weder von der einen noch von der anderen. 'What's wrong with Staples?' 3

Seine Erzählung über seinen ersten Besuch in Afrika sind der Teil des Buches, der wohl jedem im Halse stecken bleibt und gerade deshalb bin ich ihm dankbar, dass er ihn nicht ausgespart, nicht über die Maßen geschönt oder unangenehmes weggelassen hat. Er verschließt die Augen nicht und erspart es auch seinen Mitmenschen nicht, wenigstens darauf hingewiesen zu werden, dass man mit offenen Augen besser sieht und dass man Dinge und Zustände, für die man einmal bewusst die Augen geöffnet hat, nicht mehr ausblenden kann.

'Auch wenn wir noch so fest daran glauben wollen, das der Prozess der Zivilisation nur in eine, und zwar in die richtige Richtung verläuft, in diejenige fortschreitender Aufklärung, verfeinerter Kultur und achtsameren Miteinanders ' es entspricht, wie die Geschichte nicht nur des afrikanischen, sondern auch die aller anderen Kontinente zeigt, einfach nicht der Wahrheit.' 4

Nach der Lektüre des Buches fühlt man sich, als hätte man eine ganze Nacht lang mit einem guten alten Freund eine Flasche Whisky geleert und sich dabei seine unglaublich spannende, großartige und interessante Lebensgeschichte angehört. Die teilweise offenen, teilweise versteckten Hinweise auf sein Liedgut sind dabei kleine Schmankerl, die den geneigten BAP-Fan wissend schmunzeln lassen.

Ja, jetzt spätestens habe ich mich geoutet. Ich bin ein Fan. Fast einer der ersten Stunde. Wenn schon nicht der ersten Stunde der Band, so doch der ersten Stunde der Entwicklung meines Musikgeschmacks. Das erste Musikalbum, das mir Freunde meiner Eltern 1984 im zarten Alter von 11 Jahren schenkten, war 'Zwesche Salzjebäck un Bier'. Leider nicht als LP, sondern nur als MC, was dazu führte, dass die Kassette, die ich monatelang rauf und runter hörte, am Ende so leierte, dass es an Körperverletzung grenzte.

Seither begleitet mich Niedeckens Musik, seine wunderbaren Texte, die nie sinnentleerter Schmonz sind und mit denen er sich zum Glück nie untreu wurde, auch wenn es einige hartnäckig versuchten, durchs Leben und auch, wenn es hin und wieder mal ein Album gab, das mir besser gefiel als ein anderes, habe ich immer die unverkennbare Handschrift entdecken können, die hinter allem stand. Genau wie in diesem Buch, indem er einmal mehr zeigt, dass sich Heimatverbundenheit und Fernweh nicht ausschließen und kein Fehler zu dumm ist, als dass man nicht doch noch etwas aus ihm lernen könnte. 'Wer nichts bereut ist entweder ein Gott oder leidet an Größenwahn.' 5
1 Seite 119, 2 Seite 222, 3 Seite 26, 4 Seite 492, 5 Seite 408

Zitate: (Die Zitate, die ich mich entschlossen habe mit dieser Rezension zu veröffentlichen, sind nur einige derer, die ich mir markiert habe. Es gab einfach zu viele Stellen, die mich bewegt haben. Aber man muss auch wissen, wann es genug ist ;))

Die Kunst, die mir wichtig war, ließ viele Deutungen offen. Sie enthielt Trauer, Sehnsucht und Hoffnung und erzählte von der Utopie, dass die Welt auch anders sein könnte. Doch sie bevormundete nicht und schrieb niemandem vor, was er zu tun und zu lassen hatte. (Seite 41)

Manchmal muss man das Fernglas umdrehen, um die Größe der Dinge wieder richtig einschätzen zu können. (Seite 43)

Man sollte nicht immer damit beginnen, eine von der Gunst des Zufalls herbeigeführte Begegnung als etwas Zwangsläufiges und Bleibendes zu deuten. Manchmal ist es besser, dem Schatten, den die Vergangenheit wirft, auszuweichen, um nicht von ihm verschluckt zu werden. (Seite 68)

Ich fuhr rückwärts und blickte in die Vergangenheit, aber ich wusste, dass ich dennoch auf dem Weg war, der Zug fuhr mit mir in eine Zukunft, die ich kaum erwarten konnte. (Seite 103)

Was Heinrich Böll 1969 ['] schrieb, hat seine Gültigkeit bis heute nicht verloren: Die katholische Kirche wird noch immer feudalistisch wie eine Mafia regiert. Der einzige Trost dabei ist, dass man sie verlassen kann, ohne sein Leben zu riskieren. (Seite 122)

Ich war selbstgerecht, so selbstgerecht und unbarmherzig, wie es nur einer Jugend zusteht, die sich nicht mehr mit Ausflüchten abspeisen lassen will. (Seite 145)

Freiheit ist manchmal nur ein anderes Wort für Alleinsein. (Seite 275)

Songs dürfen das Privileg haben, das Unmögliche zu fordern. Sie dürfen naiv sein, wenn sie vom noch nicht Realisierten träumen, sie dürfen sich das Prinzip Hoffnung bewahren, auch wenn die Welt aller Hoffnung hohnspricht. (Seite 299)

Wesen mit Federn interessieren sich nicht für Grenzen, sie überfliegen sie einfach. Und Wörtern gelingt das manchmal eben auch. (Seite 305)

Nur der, der weiß, dass alles seine Zeit hat, auch der Tod, weiß wirklich, wie es sich anfühlt, am Leben zu sein. (Seite 309)

Wir zogen die Gegenwart jeder Nostalgie vor, doch wir wussten auch, dass man ganz im Moment aufgehen und trotzdem voller Erinnerungen sein kann. (Seite 423)

Der Tag, an dem ich begriff, dass man nicht allen Ansprüchen genügen kann, war ein guter Tag. (Seite 452)
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