Thomas Hermanns gehört zweifellos zu den bekanntesten bekennenden Schwulen der deutschen Medienlandschaft. Legendär sein "Quatsch Comedy Club" auf PRO7, wunderbar ikonisch-ironisch seine jahrelange Moderation der After-Show-Parties des Grand Prix Eurovision de la Chanson, pardon: Eurovision Song Contest in der ARD.
Und nun hat er, wie so viele andere Prominente, ein Buch geschrieben. So weit, so langweilig. Langweilig? Aber nicht doch, denn "für immer d.i.s.c.o." ist ein ganz besonderes Buch. Zum einen handelt es sich dabei um eine Autobiographie, in der der heute 45-Jährige seine Jugend in Nürnberg sowie seine jungen Erwachsenenjahre als Student in München auf ebenso humorvolle wie aufschlussreiche Weise zu schildern weiß. Zum anderen verbindet er diese bittersüßen Erinnerungen mit dem eigentlichen Thema des Buches, nämlich seiner tiefen Zuneigung zur Disco-Music der 70er- und frühen 80er-Jahre.
Disco war für Thomas Hermanns gleichbedeutend mit dem inneren und äußeren Weg aus der liebevollen Enge der fränkischen Provinz in ein selbstbewusstes, von allen Zwängen befreites Leben als Entertainer auf Bühnen und vor den Fernsehkameras.
Hermanns liefert auf 280 Seiten mit leichter Hand unglaublich viele Informationen zum Phänomen Disco, ohne dass man jemals auch nur ansatzweise das Gefühl hat, ein trockenes Sachbuch vor sich zu haben. Auf äußerst unterhaltsame, natürlich auch subjektiv gefärbte Weise lernt der geneigte Leser hier spannende Dinge über eine Musikrichtung und ihre Protagonisten, denen seinerzeit stets der Geruch des Oberflächlichen, Seichten und Beliebigen anhaftete. Als besonders wertvoll erweisen sich dabei auch die zahlreichen liebevollen Interviews, die der Autor mit Künstlern, Produzenten, Discjockeys und Journalisten führte.
Erst ganz zum Schluss wird es leider etwas larmoyant, nämlich dann, wenn es um das ziemlich jähe Ende der Disco-Ära geht. Hier vermuten nicht nur der Autor selbst, sondern auch einige der von ihm interviewten Künstler ein Komplott, eine Verschwörung böser Mächte aus der Welt der Rockmusik. Ach, so war es doch nun wirklich nicht! Die Welt hatte damals einfach die Schnauze voll von der irgendwann nur noch nervenden Dauerberieselung mit dem ewig gleichen Bumm-Bumm-Sound!
Und mindestens eine Frage hat mir dieses Buch leider nicht beantwortet: Warum gab es damals so unglaublich viele Songs, in denen das Wort "Boogie" vorkam ("Yes Sir, I Can Boogie", "Boogie Wonderland", "Boogie Child", "Boogie Nights", "Boogie Shoes", "Boogie Town", "Boogie Oogie Oogie" usw.)? Denn Boogie war und ist doch eigentlich ein Begriff aus der Welt des von T.H. so verachteten harten Rock. Nun gut, auch ein Thomas Hermanns kann nicht auf alle Aspekte eingehen. Aber immerhin auf fast alle.
"für immer d.i.s.c.o." ist auf edlem, hochwertigen, schweren Papier gedruckt. Fotos aus Thomas Hermanns Privatarchiv (teilweise sehr mutig!!!) und von vielen der im Buch erwähnten Künstler wie z.B. John Travolta, Amanda Lear, Silver Convention, Hot Chocolate, Boney M., Sister Sledge, Village People, Sylvester und Gloria Gaynor lockern das sowieso sehr gelungene Layout immer wieder auf. Hier strahlt ein wirkliches Hochglanzprodukt, das jeden Cent des Kaufpreises wert ist. Ein dickes Lob also auch dem Verlag.
Also danke für dieses so wunderbar leichte, heitere, aber durchaus auch immer wieder ein bisschen melancholische ... ja: Standardwerk!