Ich muss zugeben, das Buch mit dem schönen Einband stand monatelang in meinem Regal, bevor ich es letztendlich gelesen habe ' es gab so viele andere Bücher, die ich unbedingt vorher lesen wollte. Bücher, die verlockender schienen. Ich hatte schließlich noch nie von Lola Jaye gehört bzw. gelesen und der Klappentext, der in der Buchhandlung noch so spannend und vielversprechend klang, war dann doch irgendwie plötzlich zu klischeehaft: Eine Person stirbt, hinterlässt jemand anderem Briefe oder ein Buch ' das ist nichts Neues. Dachte ich. Das Buch ist aus Lois' Perspektive geschrieben und zu Beginn des Buches erzählt sie dem Leser als 12-Jährige von ihrem momentanen Leben. Sie vermisst ihren Dad, an den sie sich nur noch wage erinnern kann. Er starb, als sie erst fünf Jahre alt war. Die Tatsache, dass ihre Mutter nun mit dem 'Bingo-Mann' ausgeht, macht es Lois nicht leichter; schließlich ist er nicht ihr Dad und sie möchte keinen Vaterersatz. Doch als Tante Philomena Lois zu ihrem dreizehnten Geburtstag eine 'Nachricht', ein Handbuch, von ihrem Vater überreicht, ändert sich ihr Leben schlagartig.
Der 'Ratgeber' begleitet Lois nicht nur durch die nächsten siebzehn Jahre ihres Leben, sondern bestimmt sie auch: Auf der einen Seite hilft ihr das Handbuch in vielen Situationen und beim Erwachsenwerden weiter und gibt ihr einen tiefen Einblick in das Leben ihres Dads, doch auf der anderen Seite verliert Lois durch ihren neuen Leitfaden andere wichtige Dinge aus den Augen...
Ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Für die Zeit, in der ich es verschlungen habe, war es ein wenig, wie als hätte ich plötzlich selbst einen zweiten Dad, der auch mir Ratschläge geben möchte. Lois Probleme sind keine unrealistischen Märchen, sondern ganz normale kleine Krisen, die wahrscheinlich jeder nur zu gut kennt - wer wünscht sich da keinen Ratgeber, auf den man sich verlassen kann und der außerdem mit lustigen und auch traurigen Erinnerungen gespickt ist? Ich war jedes Mal so gespannt, worum sich das nächste Kapitel des Handbuchs drehen wird und was gleichzeitig in Lois' Leben passiert, aber in den Abschnitten zu 'schnüffeln' war ja nicht erlaubt!
Als ich (- leider viel zu schnell -) die letzte Seite des Buches umgeblättert habe, war ich wirklich traurig, dass Lois' Dad nicht einen noch dickeren Ratgeber verfasst hat. Lola Jaye hat es also nicht nur geschafft mich voll und ganz zu überzeugen, sondern mir auch noch fast einen zweiten Dad erschaffen - wenn auch nur für knapp 300 Seiten. Ich habe gelacht, geweint, gelernt und vor allem sehr viel nachgedacht. Hätte ich geahnt, was mich in diesem wundervollen Buch erwartet, hätte ich es auf jeden Fall vielen meiner anderen Bücher vorgezogen!