Helene Fischer? Für mich bis vor Kurzem eine jener Tralala-Sängerinnen vom Zuschnitt einer Andrea Berg - unerklärlich erfolgreich, von einem für mich nicht nachvollziehbaren Zeitgeist nach oben gespült, talentfrei, glatt, gefällig, austauschbar, massenkompatibel, doch: Substanzlos.
Wie falsch ich mit diesem Vorurteil lag, bewies zu meiner großen Überraschung ein Live-Mitschnitt im TV, in den ich durch Zufall hineingeriet. Ich sah eine junge Frau voller Esprit und Ausstrahlung, mit einer voluminösen Stimme, die auch diffizile Gesangsparts mit Bravour meistert und dies alles auch noch gepaart mit großem Showtalent, das auch internationale Vergleiche nicht scheuen müsste; ganz einfach eine Frau, die die gesamte aktuelle Konkurrenz (insbesondere jene einer "abenteuerlich-schwerelosen" Dame, die sich stets äußerst knapp geschürzt zu dünnem Stimmchen zu präsentieren pflegt), um Längen hinter sich zu lassen versteht.
Begeistert von ihren internationalen Songs, bei denen sich magere, substanzlose Stimmchen ohne jedes Timbre peinlich schnell als solche entlarven und die Frau Fischer grandios interpretierte, legte ich mir dieses Doppelalbum zu. Eines vorweg: Die vokalen Qualitäten liegen auch hier auf oberstem Level und könnten sich mühelos mit den meisten Kolleginnen englischsprachiger Zunge messen. Wäre da nicht ein alles entscheidender Widerhaken: Das Liedgut. Eingängig und über weite Strecken im stets gleichen "Bum-bum"-Marschrhythmus geschustert mag es mitklatschwütige Hörer in höchstes Entzücken versetzen, bleibt aber inklusive der häufig trivialen Texte platt, anspruchslos und ohne Nachhall, sobald das austauschbare Liedchen verklungen ist, um Langeweile Platz zu machen. Man hört erst wieder hin und ist fasziniert, wenn schwierig zu intonierende internationale Klassiker wie "Memory", "Big spender" oder Sondheims "Send in the clowns" erklingen, wähnt sich angesichts der Kunst dieser Frau in einer amerikanischen Music-Hall besten Zuschnitts - um dann ganz schnell wieder durch das gefällige, vom Publikum bejohlte "Bum-bum-bum", bei dem die Brillanz dieser Stimme keinerlei Chance zur Entfaltung hat, in die Realität zurückzufallen. Und das ist - mehr als traurig.
Ein Talentbündel wie Helene Fischer sollte künftig auf ihre Kompetenzen und nicht auf belanglose Mitklatschliedchen des immer gleichen Zuschnitts setzen, auch wenn sie dabei durchaus Gefahr läuft, einen Teil ihrer Fans zu verprellen (die im Übrigen schnell eine neue Heimat für ihre Bedürfnisse bei den Andrea Bergs dieser Republik fänden). Eine Stimme wie die ihre ist für ein derart seichtes Terrain zu schade und die Villen "in der Schlossallee" überdies keineswegs dazu angetan, im schnelllebigen Musikbusiness das Fundament für eine langjährige, Modeströmungen trotzen könnende Karriere zu legen, für die Frau Fischer nun wirklich alles Erforderliche mitbringt - nur eben nicht das ihrer Stimme angemessene Repertoire, das diese ungenutzten Potenziale zum Erblühen bringen könnte.
Zu wünschen wäre es ihr allemal!