Zum Glück ist das Buch nicht so derbe wie der Titel vermuten lässt. Lynne Truss geizt nicht mit tlw. komischen Beispielen, wenn es darum geht, einen allgemeinen Sittenverfall anzuprangern bzw. festzustellen. Aus britischer Sicht ist das um so erfrischender, zumal sich vieles doch auch auf unsere Mentalität übertragen lässt.
Lynne Truss ist vielen (britischen) Lesern eigentlich eher als Verfechterin von Kommata & Co. bekannt ("Eats, Shoots & Leaves") bzw. auch ggf. aus der Sunday Times. Dennoch ist es nur konsequent, auch im allgemeinen Umgang gewisse Regeln zu haben (wie bei einer korrekten Schreibweise auch) bzw. auf deren "Verfall" hinzuweisen.
Warum wird man von fremden Menschen angepöbelt, erhält als Dankeschöne einen gestreckten Mittelfinger, und erhält für ein "Bitte" kein (erwartetes) Danke(schön) ? Hierauf gibt das Buch interessante Antworten, die insbesondere im Zeitalter des Handy auch psychologisch interessant begründet werden.
Die Autorin erwähnt mehrfach Personen, etc. die hier nicht (so) bekannt sind, das ist für Zitate und Beispiele leider nicht so griffig, aber die "Botschaft" kommt rüber. Das Buch hätte auch knapper ausfallen, können, was aber nicht heißt, dass es langweilt: Insgesamt kurzweilig und interessant. Das Leben ändert sich nun mal ständig: auch Sitten und Gebräuche - wer weiß, vielleicht ändern sich die Umgangsformen auch bald wieder (i. S. von freundlicher und netterer Umgang). Knappe 4 Punkte.