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Für ein Lied und hundert Lieder: Ein Zeugenbericht aus chinesischen Gefängnissen
 
 
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Für ein Lied und hundert Lieder: Ein Zeugenbericht aus chinesischen Gefängnissen [Gebundene Ausgabe]

Liao Yiwu , Hans Peter Hoffmann
3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 544 Seiten
  • Verlag: Fischer (S.), Frankfurt; Auflage: 3 (21. Juli 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3100448138
  • ISBN-13: 978-3100448132
  • Originaltitel: My Testimony
  • Größe und/oder Gewicht: 22 x 15,4 x 4,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 127.469 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Ein großes literarisches Zeugnis über das Menschsein in widrigsten Umständen
Bis zum Vorabend des 4. Juni 1989 führt Liao Yiwu das Leben eines so unbekannten wie unpolitischen Hippie-Poeten. Doch mit dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens ist schlagartig alles anders. Nachdem Liao ein kritisches Gedicht verfasst hat, wird er zu vier Jahren Haft im Gefängnis und in einem Arbeitslager verurteilt.
In seinem großen Buch schildert Liao auf literarisch höchst eindringliche Weise die brutale Realität seiner Inhaftierung. Dabei ist er schonungslos, auch sich selbst gegenüber: Er beschreibt, wie er und seine Mithäftlinge zu Halbmenschen degradiert werden und dabei manchmal selbst vergessen, was es bedeutet, Mensch und Mitmensch zu sein.
Liao Yiwu zeigt sich in diesem eindrucksvollen Buch abermals als einer der ganz großen Autoren Chinas, als einer der sprach- und bildmächtigsten Schriftsteller unserer Zeit.

Über den Autor

Liao Yiwu, geb. 1958 in der Provinz Sichuan, ist Dichter und Romanautor. Er wuchs als Kind von Eltern ohne dauerhafte Aufenthaltserlaubnis in der großen Hungersnot der 60er Jahre auf und schlug sich jahrelang mit verschiedensten Tagelöhner-Jobs durch. 1989 publizierte er das epische Gedicht 'Massaker', in dem er das Blutbad auf dem Platz des Himmlischen Friedens anprangerte. Hierfür wurde er vier Jahre inhaftiert und zum Teil schwer misshandelt. Die chinesische Ausgabe von 'Fräulein Hallo und der Bauernkaiser' wurde sofort nach Erscheinen verboten. 2007 wurde Liao Yiwu vom Unabhängigen Chinesischen PEN-Zentrum mit dem Preis 'Freiheit zum Schreiben' ausgezeichnet, dessen Verleihung in letzter Minute verhindert wurde.Dr. phil.habil. Hans Peter Hoffmann, geb. 1957 in Saarbrücken, Studium der Sinologie und Germanistik, zahlreiche wissenschaftliche und essayistische Publikationen zur Philosophie und Literatur Chinas, zahlreiche Übersetzungen moderner chinesischer Prosa und Lyrik, beispielsweise des Nobelpreisträgers Gao Xingjian und Bei Daos), u.a. für die FAZ, die horen, die taz und Sartorius 'Atlas der neuen Poesie'. Lebt, lehrt und schreibt in Tübingen. Mitglied der literarischen Gruppe 'Holzmarkt'.

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23 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Thorsten Wiedau HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Ich war selbst mehrfach in China, ich mag China und die Kultur - auch das aufstrebende China sehe ich mit Wohlgefallen auch wenn ich einige der Umwälzungen nicht ganz so gelungen betrachte. Kritik darf sein und muss sein, so bin ich erzogen worden. Die klassischen chinesischen Foltermethoden habe ich mir damals auch aus erster Hand schildern lassen, ebenso was man mit Gefangenen macht die heutzutage in Gefängnisse kommen. Der Autor Liao Yiwu hat in seinem Buch FÜR EIN LIED UND HUNDERT LIEDER etwas beschrieben das wir als Europäer verurteilen, Folter und Entwürdigung in Gefängnissen - er hat sie am eigenen Leib erfahren müssen, doch sollte man Vorsichtig sein, das solche Methoden (es gab sie auch in Europa in früheren Zeiten) nicht wieder aufleben. Der Baum des Hasses mag zwar verdorrt sein, doch seine Wurzeln sind noch intakt und brauchen nur ein wenig Wasser. In China hört der Mensch auf Mensch zu sein, wenn er die Grenze des Gefängnisses überschreitet - hier schreibt einer was im widerfuhr und macht es dadurch öffentlich. Nachdenken wäre angebracht, für uns ebenso wie für die chinesische Regierung - ob dieser Methoden und dem Umgang mit solchen Informationen.

Ich erinnere mich noch gut an die Krawalle und Demonstrationen auf dem Platz des himmlischen Friedens. Der Platz ist so ruhig und so riesig, wenn man auf ihm steht. Was damals geschah war aber nicht ruhig aber riesig - eine Demonstration für Rechte und für Freiheiten.

Liao Yiwu hatte genau zu dieser Thematik ein unschuldiges kleines Gedicht unter dem Titel Massaker verfasst - Systemkritik würden wir es heute nennen - die Folge? Vier Jahre Haft und Folter in chinesischen Gefängnissen - dies hier ist sein Bericht an die Welt davon.

Haft, Umerziehung und Selbstmordversuche sind die Folge von ein paar Zeilen, geschrieben zu einer Situation die man kommentieren musste. Seine Familie wendet sich von ihm ab und ihm bleibt danach nur die Erinnerung an Erniedrigung und auch an den selbst vollzogenen Umstand sich nicht mehr als Mensch zu sehen.

Dezidiert erklärt uns Liao Yiwu in teils bildhafter Sprache was ihm widerfuhr, wie die Gesellschaft Chinas tickt und handelt und es zeigt sich schnell das China und Europa zwei völlig unterschiedliche Staaten sind mit unterschiedlicher Auffassung davon was Menschen dürfen und wollen - und wie sie handeln gegenüber sich selbst und an anderen.

Über hunderte von Seiten schüttelte ich den Kopf, teils aufgrund der von seiner Umgebung abgeschotteten Art und Weise Liao Yiwus, denn nur so konnte er sich seine Gedankenwelt erhalten und weiterdichten, teils deswegen da die Handlungen der Aufseher, der Verhörspezialisten und der Mitgefangenen so kurios sind - kurios für meine europäischen Ohren - ein Hoch auf das fidele deutsche Gefängnis, hier hätte sch Liao Yiwu sicher wohler gefühlt und auch Pinsel zum Malen bekommen.

FÜR EIN LIED UND HUNDERT LIEDER ist zeitlos, denn die Art und Weise wie man mit den eigenen Staatsangehörigen umgeht und die Situation in chinesischen Gefängnissen ist immer noch die Gleiche wie 1989.

Dieser Zeitzeugenbericht sollte aufmerksam gelesen werden, um zu erkennen das selbst so große und alte Gesellschaften wie das heutige, moderne China noch an Umständen krankt, die man im 21. Jahrhundert nirgendwo auf der Welt (und auch nicht auf Guantanamo) sehen möchte.

Liao Yiwu liebt sein Land, sein China, ein Land mit unendlich vielen Möglichkeiten, einer reichen Geschichte und dem goldenen versprechen an die Zukunft einmal wieder ganz groß zu werden. Mögen aber die Probleme und falschen Wege abgeschnitten sein und in Zukunft nicht mehr beschritten werden.

FÜR EIN LIED UND HUNDERT LIEDER wird daran erinnern und Liao Yiwu hat dafür gesorgt, dass wir es nicht vergessen werden.

Sehr empfehlenswert!
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Format:Gebundene Ausgabe|Von Amazon bestätigter Kauf
Der Fischer Verlag hat bereits mehrere Bücher chinesischer Dissidenten herausgebracht. Es ist dankenswert, dass der Fischer Verlag sich des Themas so intensiv angenommen hat. Zu viel liegt innenpolitisch im Argen im Einparteienstaat China. Die Menschenrechte werden dort immer noch mit Füßen getreten. Der Wirtschafts- Aufschwung dort geht leider nicht einher mit einer Demokratisierung. Wir als wichtiger Handelspartner haben eine Verpflichtung, das menschenverachtende Regime sowohl in Bezug auf die Menschenrechte als auch auf die Umweltzerstörung -durch Industrialisierung- zu einem Umdenken zu zwingen.
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5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
"Konterrevolution" ist der Spitzname des Dichters bei seinen Zellengenossen, die Gefängniswärter heißen "Regierung Liu" oder "Regierung Tong". Diese amtlich ermächtigten Sadisten mit ihren Elektroknüppeln lassen den wegen seiner Proteste gegen das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens eingesperrten Liao Yiwu deutlich spüren, dass ihnen ein politischer Gefangener gerade so wenig bedeutet wie ein Krimineller, wenn sie ihre Lust an der Demütigung Gefangener ausleben. Tagelang werden die Hände von Inhaftierten auf den Rücken gebunden, so dass sie beim Essen und Stuhlgang auf andere angewiesen sind, zwei Zellengenossen werden aneinander gefesselt, gegenseitigem Hass und Drangsalen des Überlebens in einer Rotte von Todeskandidaten, Mördern, Dieben, Vergewaltigern ausgeliefert. Zwischen Körperdünsten, Exkrementen, Schmutz, Läusen wird jede Privatheit zerstört, eine Hierarchie der Verbrecher bildet sich und nimmt den Wärtern die Arbeit ab. Nur wenn die Prügel- und Foltergeräusche im staatlichen Vollzug allzu auffällig werden, greifen sie mit dem Elektroknüppel ein.

Es gibt eine "Speisekarte" der Folterpraxis von Häftlingen untereinander, die einem das Blut in den Adern gefrieren lässt: "Bärentatzen-Tofu" und "beidseitig in Öl bräunen" etwa, also heftige und anhaltende Schläge mit der flachen Hand auf Brust und Rücken können tödlich sein; "Rachengeschnetzeltes, weich" bedeutet das Einschlagen des Kehlkopfs mit der Handkante. Liao Yiwu überlebt, weil er sich nach Kräften wehrt, prügelt, seinen Starrsinn mit wochenlangen Fesselungen büßt, er ist dem Selbstmord nah, aber er gewinnt auch den Respekt der anderen Strafgefangenen, und selbst in dieser Hölle gibt es Momente der Menschlichkeit, der Hilfsbereitschaft. Es gibt sogar eine eigene Art von Humor in Todesnähe, auf dem Höhepunkt inszenieren die Häftlinge eine Totenfeier für einen der Ihren als Staatsakt nach dem Vorbild der Bestattung von Mao Zedong.

Schlimmer noch als die Brutalitäten im Knast sind sadistische Schreibtischtäter. Der Politkommissar Huang brüstet sich im Vollgefühl seiner von Staat und Partei übertragenen Macht über einen Häftling in der Isolation: "Die ersten beiden Jahre bin ich noch zu ihm in seine Höhle hinabgestiegen, er war bockig und hat keinen Ton gesagt, aber als der dritte Frühling vor der Tür stand, ist er auf allen vieren herumgekrochen, hat Kotau gemacht und um Vergebung gefleht. Der Kerl war fünf Jahre und sieben Monate in diesem Loch, er war ein lebendiges Gespenst und auf beiden Augen blind. Am Ende ergriff er die Gelegenheit, klammerte sich durch das Gitter an meine Beine und hat nicht mehr losgelassen. Aus humanitären Gründen habe ich ihm dann erlaubt, von den Toten aufzuerstehen und in das Licht der Sonne zurückzukehren."

Die Lust daran, den Stolz, die Selbständigkeit, die Fähigkeit zum Widerstand zu brechen geht mit der Macht in hierarchischen Systemen einher - wer sich davon überzeugen möchte, muss auch hierzulande nicht lange suchen. Aber es gehört leider zum perfekt funktionierenden Verdrängungsgeschehen des Einzelnen wie der Gesellschaft, Opfern gewaltsamer Übergriffe eine Mitschuld zuzurechnen. Deshalb war Liao Yiwu im wirtschaftlich hemmungslos wachsenden China sehr einsam. Und deshalb wird auch hierzulande die Rettung der deutschen Wirtschaftsinteressen für Politik, Medien und eine selbstgefällig über deutsche Probleme schwadronierende Tischgesellschaft im Chinarestaurant wichtiger sein, als was den Deutschen eigentlich jeden Tag in den Ohren klingen müsste: Die Würde des Menschen ist unteilbar. Demokratie wird hierzulande nicht dauern, wenn wir den Preis ignorieren, der anderenorts auf dieser Welt für unseren Wohlstand gezahlt wird.
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