Zum ersten Mal gehört habe ich A5 Richtung Wir auf den Straßen Freiburgs. Dort stand Nicolas Kuri, der einundzwanzigjährige Sänger der Gruppe und deren Herz, als gewöhnlicher Straßenmusiker mit dem Live-Album vom Stuttgarter Fernsehturm und machte, wie man so sagt, Promotion, ausgerüstet nur mit seiner Westerngitarre. Ich konnte mich also gleich überzeugen, dass er sein Handwerk beherrscht - ohne Mikrophon, ohne Verstärker, ohne Schnickschnack, und man hört ihn doch in einem gewissen Umkreis. Am ersten Tag, den ich an ihm vorbeikam, kaufte ich mir das Live-Album, am dritten bestellte ich mir diese CD, um sie sonntagmorgens dann zum Aufstehen zu hören - und es war wunderbar. Nicolas Kuris Art, mit Sprache und seiner Stimme umzugehen, ist derzeit in Deutschland einzigartig. Musikalisch bewegt sich das Album zwar im Pop-Bereich, das aber auf seine ganz eigene Weise und ohne auf das Niveau der Charts zu sinken, was möglicherweise auf halbwegs solide musiktheoretische Kenntnisse, größtenteils aber auf Neugier und Experimentierfreudigkeit zurückzuführen ist. Man kann in diesen Liedern atmen, und wenn der letzte Track im Meeresrauschen endet, erwacht man mit einem ähnlichen Gefühl wie nach einem guten Buch: man möchte sich nicht schon davon trennen...
Auch die Hülle lässt nichts zu wünschen übrig: Tagebucheinträge auf einzelnen Blättern, welche die Geschichte noch einmal erzählen, zu manchen Liedern einen anderen Zugang gewähren... und auch wieder einiges zu denken geben, für jeden, der möchte.
Nun, wie lautet die Empfehlung? CD kaufen, sage ich, und womöglich ein Konzert besuchen... oder durch die ein oder andere süddeutsche Stadt, namentlich Nürnberg oder Freiburg, laufen und auf ein Spontankonzert hoffen.