Florenz und diese Buch sind untrennbar miteinander verbunden. Denn immer, wenn man am Ende angekommen ist, weiß man, dass man wiederkommt. Beziehungsweise wieder von vorn anfängt das Buch zu lesen.
Fünfzehn Spaziergänge beschreibt Ulrike Rauh. Dabei beschränkt sie sich aber nicht nur auf die exakte Wegbeschreibung und Angabe von Buslinien. Wie auf einer Welle trägt sie den Leser durch die Renaissance-Stadt am Arno. Sie erzählt persönliche Geschichten, und sie ist eine geduldige Reiseleiterin. Ohne Hast und Überschwang, jedoch energisch, gezielt und mit Verve führt sie uns an die Orte, die nur selten in Reiseführern auftauchen.
Sie wandert an den Orten vorbei, an denen Peter Tschaikowski, Gioacchino Rossini, Alfred Böcklin, Adolf von Hildebrand, Rainer Maria Rilke, Fjodor Michailowitsch Dostojewski und andere schlaue Köpfe Teile ihres künstlerischen Lebens verbrachten. Und sie weiß so manche Anekdote zu erzählen. Beispielsweise, dass Clara Schumann ' gesundheitlich schon sehr angegriffen ' die Stadt trotz aller Probleme genießen konnte. Und das nur, weil ihr der Bildhauer Adolf Ritter von Hildebrand ständig einen Sessel hinterher trug, auf dem sich die Komponistin ausruhen konnte.
Obwohl nur knapp 120 Seiten stark, hält man mit diesem Büchlein ein großes Stück Geschichte in den Händen. Und das in einer Stadt, die aus Geschichte gebaut wurde. Die Hinterlassenschaften reichen von den prunkvollen Bauten der Medicis, über die Werke ihres Protegées Michelangelo Buonarroti bis hin zu den zahlreichen kleinen versteckten Häusern in den entlegensten Ecken der Stadt, die heute noch viel von ihrem Charme versprühen.
'Fünfzehn Spaziergänge durch Florenz' ist kein Stadtführer im eigentlichen Sinne. Es ist eine Sammlung von Reiseimpressionen, für die der Wiesenburg-Verlag bekannt ist. Ulrike Rauh schafft es mit einfachen Stilmitteln, die Stadt selbst einem Reisemuffel schmackhaft zu machen. Gekonnt, ohne dabei überheblich zu wirken, lässt sie ihr Wissen über die prominenten Besucher der Stadt in die Geschichten einfließen. Fast unbemerkt leitet sie den Leser nicht nur durch die Stadt, sondern auch durch ihre Geschichte(n). Ein zauberhaftes Buch, dass ' wie ein Urlaub ' viel zu schnell zu Ende geht.