Mit einer modernen Art der Schnitzeljagd, dem Geocaching, hetzt ein Serienmörder die Ermittlerin Beatrice Kaspary und ihre Kollegen durch Salzburg und Umgebung. Vor Ort finden die Ermittler stets einen Behälter mit einem abgetrennten Körperteil und einem Zettel mit einem neuen Rätsel, die von einer ermordeten Frau geschrieben worden sind. Die Lösung des Rätsels ergibt neue Koordinaten, bei denen die Ermittler ein weiteres Körperteil und ein neues Rätsel finden.
Die eigentlich originelle Grundidee, dass ein Mörder eine Truppe Ermittler mittels einer Schnitzeljagd beschäftigt, entpuppt sich als das größte Manko des Buches. Der stets ähnliche Ermittlungsablauf erzeugt schnell Monotonie statt Spannung. Beatrice Kaspary steht morgens auf, fährt ins Revier, ermittelt neue Koordinaten, fährt mit ihren Kollegen zu der ermittelten Stelle, findet einen Behälter mit einem Körperteil und ein neues Rätsel, fährt nach Hause, geht ins Bett, steht morgens auf usw. usw. Diese Beschreibung ist natürlich überspitzt, aber die Suche nach dem Mörder gestaltet sich doch sehr betulich und gleichförmig.
Ein weiteres Manko ist, dass das erste Opfer Nora Papenburg merkwürdig blass bleibt. Da ich fast nichts über sie erfahre, weil weder Beatrice noch ihre Kollegen versuchen, etwas über die Frau und ihr Leben herauszufinden, bleibt sie für mich bloß irgendein Name. Ich verlor schon bald das Interesse an der Mörderjagd, das mich das Opfer nicht persönlich berührte.
Unverständlich ist für mich, warum der zweite Handlungsstrang, das Privatleben von Beatrice, so einfach im Sande verläuft. Auf den ersten Seiten des Buches wird ein beginnender Sorgerechtskampf zwischen Beatrice und ihrem getrennt lebenden (oder geschiedenen?) Mann etabliert, der einiges an Spannungspotential verspricht, dieser Handlungsstrang jedoch aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen einfach wieder fallengelassen. Beatrice bringt die Kinder wochenlang zu ihrer Mutter und damit hat sich`s. Hier wird wirklich eine Menge Potential verschenkt.
ACHTUNG! AB HIER SPOILER! ACHTUNG!
Das Finale des Thrillers strotzt leider vor Klischees. Warum müssen so viele ErmittlerInnen ein persönliches Trauma mit sich herum schleppen? Ist das im Thriller die Einstellungsvoraussetzung für den Polizeidienst? Und warum muss der Ermittler/die Ermittlerin so häufig persönlich vom Killer involviert werden und am Ende in Lebensgefahr gebracht werden? Das hat man schon tausend Mal ähnlich gelesen und fünfhundert Mal spannender.
SPOILER ENDE!
Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier eine Autorin gedrängt wurde, schnell einen neuen Thriller zu liefern, um an den riesigen Erfolg von "Erebos" noch anknüpfen zu können. Schade. Denn Ursula Poznanski kann es deutlich besser, wie sie mit ihrem genialen Jugendthriller "Erebos" bereits bewiesen hat.