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5.0 von 5 Sternen
Lieben wir alle falsch?, 29. April 2003
Rezension bezieht sich auf: Fünf Lügen, die Liebe betreffend (Gebundene Ausgabe)
Die Liebe - eines der Hauptthemen, vielleicht sogar DAS Thema des Lebens?
Verkannt, betrogen, gebrochene Herzen, Trennungen, Scheidungen, Verbrechen oder das große Glück?
Viele Schriftsteller und Dichter, aber auch die Medien in all ihren Facetten beschäftigen sich immer wieder mit der Liebe. Dabei wird sie fast immer nur von einer Seite aus betrachtet, nämlich von der, die sein soll und nicht von der, die der Realität entspricht.
Der in der Nähe von Hamburg lebende Therapeut Michael Mary will mit seinem Buch „5 Lügen die Liebe betreffend" ein bisschen aufräumen im Dschungel der Gefühle.
Michael Mary beschreibt 5 Liebeslügen, die uns nur allzu gern von allen Seiten vorgegaukelt werden.
- Die Partnerschaftslüge:
Der Autor betrachtet die allgemein gültige Vorstellung, dass Partnerschaft und Sexualität uneingeschränkt zusammengehören.
Uns wird in den Medien vorgegaukelt, dass in einer Partnerschaft ohne immer heiß bleibende Sexualität etwas nicht stimmen kann. Wir wollen alle viel zu gern glauben, dass es so was gibt.
Umso größer ist die Enttäuschung, wenn wir merken, dass dem nicht so ist. Nur das Neue macht wirklich an. Danach tritt eine Vertrautheit an diese Stelle, die zwar nicht endgültig Schluss mit dem Sex in der Beziehung macht, die aber auch mit den Anfangszeiten nicht mehr viel zu tun hat. Es wird Routine - wie sehr man sich auch dagegen wehrt.
Beziehungen bestehen jedoch nicht ausschließlich aus Sex. Somit ist es wohl eher eine Vertautheit, die zwei Menschen zusammen bleiben lässt. Oder einfach nur Gewohnheit.
- Die Liebeslüge:
In der Allgemeinvorstellung gehören die Liebe und die Sexualität unweigerlich zusammen.
Je jünger man ist, desto mehr glaubt man an diese Illusion. Das Leben belehrt einen aber eines besseren. Diese Liebe wird als „wahre" oder „tiefste" Form der Liebe bezeichnet und idealisiert. Wer sich also nach vielen Jahren nicht mehr so begehrt wie in der Zeit des Beziehungsbeginns, liebt sich angeblich auch nicht mehr.
- Die Erlösungslüge:
Viele Menschen glauben zu gern daran, dass einfach nur der oder die „Richtige" kommen muss - dass man also erlöst wird. Mit demjenigen wird dann schon alles klappen. Für immer und ewig. Dieser Traumpartner ist der Erlöser auf geistiger und körperlicher Ebene und befreit einen für immer von Konflikten.
Auf der Suche des Erlösers wird immer wieder der Partner gewechselt. Immer auf der Suche nach dem einzig wahren Menschen, mit dem man für immer im Partnerhimmel ankommt.
- Die Techniklüge:
Eine besonders angesagte Lüge für die Medien! Ebenso ist sie besonders beliebt bei Therapeuten, Sexualwissenschaftlern und Esoterikern.
Da heißt es, dass man die Beziehung frisch hält, indem man immer wieder neue Techniken ausprobiert. Ganze Wirtschaftszweige profitieren davon, dass alte (Ehe)paare neuen Schwung in ihr Bettleben bringen wollen. Realistisch betrachtet gibt es aber irgendwann einfach keine neuen Techniken mehr.....
- Die Partnerlüge:
In der Partnerlüge machen sich die Partner selbst vor, dass bei ihnen alles in Ordnung ist. Vorgetäuschte Orgasmen, heimliches Fremdgehen und diverse geleugnete Fantasien führen hierbei zum Frust.
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All diese 5 Liebeslügen werden von den Medien unter den Teppich gekehrt. Denn auch Medienvertreter sind nur Menschen mit Träumen und Hoffnungen.
Da wird über berühmte Menschen wie Franz Beckenbauer, Hera Lind oder Boris Becker hergezogen, weil ihre Liebe nicht mehr funktioniert hat. Es werden Schuldige gesucht. Und eigentlich wissen wir doch alle ganz genau: Gegen die Liebe kann man nichts machen - und dafür auch nichts.
Wir würden jedoch alle nur zu gern daran glauben, dass es diese eine große Liebe für immer und ewig gibt. Genau deshalb sind wir so enttäuscht, wenn es bei berühmten Traumpaaren dann ebenso nicht klappt. Und lachen uns heimlich ins Fäustchen, dass es denen auch nicht besser geht als uns. Traumpaare gibt es nämlich nicht! Auch nicht bei den Schönen und Reichen!
Die Liebe und die Ehe, wie wir sie heute verstehen, ist noch recht jung. Die Kirche ist Hauptschöpferin dieser Lüge. Sexualität ganz und gar zu verbieten konnte nicht gelingen. Aber das Ganze in der Ehe zu ritualisieren und dort gefangen zu halten passte der Kirche recht gut in den Kram. Krankheiten wurden somit ebenfalls zumindest bedingt unter Kontrolle gehalten. Doch damit begannen auch die Verfolgungen. Fremdgehen wurde zur Sünde, ebenso wie im Grunde alles, was mit Sexualität zu tun hat. Prüderie pur!
Auf manchmal sarkastisch-humorvolle Art und Weise beschreibt Michael Mary in Absätzen seines Buches auch immer wieder die Einwände von der sogenannten professionellen Seite, wie die der Therapeuten, die protestierend auf seine Thesen reagieren.
Natürlich würden Partnerschaftstherapeuten die Kunden weglaufen, wenn sie diese Thesen anerkennen würden! Somit kämpfen sie um die Liebeslügen, um ihre Patienten zu behalten. Diese sollen bloß nicht merken, dass sie im Grunde gar nicht „krank" sind.
Michael Mary ist nicht gegen Partnerschaften, sondern dafür, dass man genau hinschaut, wo man mit dem Partner steht und wohin man möchte. Und was man möchte. Illusion ade, Realität willkommen!
Das Buch „5 Lügen die Liebe betreffend" bringt viele Missverständnisse der heutigen Zeit auf den Punkt. Es klärt auf, betrachtet Entwicklungen in Partnerschaften aus geschichtlicher Sicht und macht klar, warum wir heute in einer Zeit des Übergangs leben. Es lässt verstehen, warum unsere Träume und unsere Realität so auseinander klaffen und wie wir aber dennoch zueinander finden. Vielleicht mit Konsequenzen, aber ohne Lügen!
Wenn wir alle aufhören, uns selbst und unseren Partnern etwas vorzumachen und stattdessen ehrlich miteinander umgehen, finden wir eine ganz neue Liebe, die mit Vertrautheit zu tun hat. Und die dann durchaus doch halten kann. Für immer!
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54 von 56 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
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So bitter kann die Wahrheit sein!, 24. Juni 2004
Von Ein Kunde
Mary hat es schwer - da konfrontiert er seine Leser mit Dingen die keineswegs angenehm sind - aber leider den Tatsachen entsprechen.
Die Liebe ist in vielen Facetten etwas sehr vergängliches, sprunghaftes und so gern auch jeder von uns der Märchenschloss-Variante nachhechelt, jenem verklärten Beziehungsbild von ewiger Liebe und Treue, Begierde und gegenseitiger Lust - dem ist eben leider nicht so. Ich war nicht überrascht ob der Tatsachen die dieses Buch hier Seite für Seite schonungslos aufwirft. Der Mut Marys allerdings dies alles so unverblümt (die treffendste Bezeichnung denke ich!) aufzudecken - dieser Mut versetzte mich doch ins Staunen.
Viele Menschen fürchten sich vor der Realität und - ich gestehe: auch mir gefällt die rosarote-Brille-Variante der Liebe, von der wir alle träumen weit besser. Nur, Hand aufs Herz - haben wir als erfahrene Hasen in diesem Gebiet nicht schon alle einmal - zweimal - dreimal gemerkt dass es so eben nicht auf Dauer funktioniert. Dass Liebe genausoschnell geht wie sie kommt. Und - so sehr es auch Furcht schürt - manchmal auch nie wieder auflodert.
Wäre ich gerade frisch verliebt - ich würde mir dieses Buch nicht antun sondern in den Frühlingsgefühlen taumelnd dahingleiten. Anderen, realistischen Geistern deren Hormonspiegel gerade im Normalbereich angesiedelt ist wird dieses Buch aber vieles nahe bringen was sie eigentlich schon längst wussten. Sie werden wachgerüttelt - erkennen dass ihre tiefsten Gedanken, Gefühle und Sehnsüchte dieselben sind die viele andere auch in sich tragen. Menschen die nach Außen die Glückseligkeit imitieren, in denen aber amouröse Trübseligkeit herrscht. Liebe; Beziehungen, Ehe...schade - aber so wie es war funktioniert es nicht mehr. Und so hat es eigentlich auch nie gut funktioniert.
Mary macht dies erschreckend deutlich - und zeigt Lösungsansätze - die sind allerdings sicher 80% der Bevölkerung zu revolutionär. Ich sehe religiöse Menschen die bei den Vorschlägen Marys das Bewußtsein verlieren, Moralapostel denen für Tage die Schamesröte ins freudlose Gesicht steigt. Und dennoch: wer mal ernsthaft und tief über Marys Worte grübelt statt sich raketenschnell und normgerecht zu echauffieren wird sich klammheimlich eingestehen müssen, dass diese von Mary angesprochenen Ansätze Zukunft haben. Bis zur Salonfähigkeit jenes Lustaktionismus wird aber noch einige Zeit vergehen. Noch haben Ehe, Monogamie, Gelübde und Zwang die eheliche Beziehung voll im Griff - den Scheidungsanwälten wird also noch lange nicht die Kundschaft ausgehen.
Dieses Buch ist Wahrheit, kein entertainment, es schont nicht aber es klärt auf, es bestürzt und rüttelt wach. Und es ist ein ganz ganz furchtbar schlechtes Hochzeitsgeschenk !!! ;o)
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