Murat Kurnaz Geschichte klingt unglaublich: Ein 19-jähriger Deutschtürke aus Bremen wird kurz nach den Anschlägen des 11.9.01 im Rahmen einer "Hexenjagd", die nicht nur extremistische Islamisten im Visier hat, in Pakistan festgenommen und zunächst nach Afghanistan und anschließend nach Guantanamo verschleppt. Unter menschenunwürdigen Bedingungen wird er, obwohl man ihm kein Vergehen nachweisen kann, jahrelang in einem Käfig eingesperrt, ununterbrochen verhört, grausam gefoltert und misshandelt. Erst nach fünf Jahren kommt der junge Mann frei.
Die Geschichte ist unfassbar und oft unerträglich. Dass derartige Verletzungen jeglicher Menschenrechte in einem Gefängnis an der Tagesordnung stehen, ist schrecklich genug, dass dann auch noch ein Unschuldiger 5 (!) Jahre lang in der rechtsfreien Zone Guantanamo (über)leben muss ist einfach nur beschämend.
Kurnaz' Schilderungen der Hölle Guantanamo gehen an die Substanz. Kein Mensch - ohne Ausnahme, darf derartigen Misshandlungen ausgesetzt werden.
Kurnaz' Buch ist keine einfache Abrechnung mit den Amerikanern - er berichtet auch von einigen freundlichen Wachen, die sich dem System Guantanamo zu widersetzen versuchten. "Fünf Jahre meines Lebens" versucht auch Erklärungsansätze zu bringen - für das Ungeheure. Hier spielt vor allem die Angst der Machthaber eine große Rolle. Obwohl sich die bis an die Zähne bewaffneten Wachsoldaten wehrlosen Gefangenen gegenübersehen, blitzt in ihren Augen die Furcht. Angst ist es auch, die sie noch aggressiver handeln lässt.
Dass die Verantwortlichen noch nicht zur Rechenschaft gezogen wurden, ist einfach nicht zu fassen...
Murat Kurnaz Buch liest sich schnell. Es hinterlässt einen fassungslos angesichts der geschilderten Vorfälle.
Geärgert haben mich einige im Vorfeld erschienene Kritiken, die das Buch als "Geschäftemacherei" o.ä. abqualifizieren. Wer sich derart äußert, beweist in meinen Augen, dass er sich weder mit dem Thema beschäftigt hat, noch Respekt zeigen kann.
Als Fazit bleibt einem nur mit Sophokles zu sagen: Ungeheur ist viel/ aber nichts ist ungeheurer als der Mensch.