In Fachkreisen scheint dieses Album seit über 20 Jahren als eine der gelungensten Zusammenstellungen des Rembetiko zu gelten, DER griechischen Underground-Musik schlechthin.
Diese Bewertung ist nachvollziehbar, denn die CD versammelt repräsentative Aufnahmen (darunter viele Originalaufnahmen aus der Zeit zwischen 1920 und 1942) der verschiedenen Spielarten dieser kleinasiatisch-griechischen Crossover-Musik: Liebes- und Klagelieder, Unterwelt- und Gefängnisballaden - schließlich war der Rembetiko die Musik des städtischen Lumpenproletariats, seine ersten Interpreten waren die verelendeten griechischen Flüchtlinge aus Kleinasien.
Viele Nummern klingen nicht "schön", auch die Gesangskünste mancher Sänger halten sich in Grenzen. Der Reiz dieser Aufnahmen liegt woanders: zunächst in den Texten selbst, vor allem aber im Ausdruck jener ganz spezifischen, faszinierenden Lebensform, für die der Rembetiko stand. Diese ganz eigene Subkultur springt den Zuhörer aus jeder Note von neuem an und macht diese Musik und dieses Album so authentisch.
Damit nicht genug - im Beiheft sind nicht nur sämtliche Liedtexte enthalten (nur in deutscher Übersetzung allerdings) und Anspielungen kurz erläutert; auch Umfeld und Lebensweise der Rembetes und Manges werden anschaulich skizziert.
Fürs erste Reinhören empfehlenswert sind vielleicht folgende Nummern: "Lastwagendiebe" (11), "Das Schiff aus Persien" (12), "Wenn ich auf dem Schiff sterbe" (22) und "Der Taler" (19); letzteres erinnert ein klein wenig an den frühen Tom Waits. Allerdings sollte angesichts der breiten Skala des Dargebotenen am besten jeder selbst auf musikalische Entdeckungsreise gehen.