David Steindl-Rast (geboren 1926 in Wien) ist ein amerikanischer Benediktinermönch. Er wuchs in Österreich auf, studierte Psychologie, Kunstgeschichte und Anthropologie in Wien. 1952 zog er mit seiner Familie in die USA und trat in das Benediktinerkloster Mount Saviour bei New York ein. Er wurde Abt, praktizierte Zen und gründete 1968 zusammen mit Rabbinern, Buddhisten, Hindus und Sufis das "Center for Spiritual Studies". 1975 erhielt der den Martin Buber Award für sein Engagement im Dialog zwischen den unterschiedlichen Religionen. 1989 gründete er zusammen mit einem Zen-Mönch das "Haus der Stille" Puregg, in Dienten am Hochkönig (zwischen Salzburg und Saalfelden). Im Internet hat Bruder David eine Seite mit dem Namen: Network for Grateful Living eingerichtet.
Ich wurde auf David Steindl-Rast durch ein Video im Youtube aufmerksam: "A good day" with brother David Steindl-Rast. Seine angenehme Stimme, gepaart mit den einfachen, ausdrucksstarken Wörtern und Bildern, ist eine Ode auf das Leben (sehr empfehlenswert). Im Internet findet man seine Homepage unter: www.gratefulness.org.
In diesem Buch behandelt David Steindl-Rast hauptsächlich das Thema der Dankbarkeit den Menschen und dem Leben gegenüber. Er geht der Frage nach, warum die Menschen so wenig Vertrauen ineinander haben und wie ihr Vertrauen wachsen kann. Er sieht die Schöpfung, Gott und das Leben als das größte Geschenk für den Menschen. Wie gelingt ein Leben in Fülle?
Das Buch ist in folgenden Kapiteln:
Lebendigsein und Wachsein
Staunen und Dankbarkeit
Herz und Sinn
Gebet und Gebete
Kontemplation und Muße
Glaube
Hoffnung
Liebe
Insgesamt will uns David Steindl-Rast auf das Lebendige in unserem Leben hinweisen, und das Lebendige ist für ihn immer verbunden mit Gott. Angst und Furcht können nur durch Glaube, Vertrauen und Mut überwunden werden, Konzentration und Offenheit sind eine Voraussetzung für das Leben in Fülle. Überraschungsfähigkeit (der Schlüssel zur Dankbarkeit) und Neugierde sind auch zwei Stichworte die immer wieder im positiven Sinne vorkommen, sowie die Gabe des Gebens und des Nehmens im richtigen Maß. Was ist Glaube und was ist Hoffnung? Glaube darf nicht mit "Überzeugungen haben" gleichgesetzt werden und Hoffnung nicht mit "Hoffnungen". Es gibt nur einen Glauben und eine Hoffnung, die man dann spürt wenn man mit der Welt eins ist.
Viele Sätze klingen ziemlich "esoterisch" und für meinen Geschmack zu wenig begründet. Ich war am Ende der Lektüre etwas enttäuscht, denn vieles, was Bruder David sagt, ist für das alltägliche Leben etwas zu oberflächlich und auch nicht anwendbar. Viele Sätze werden aneinandergereiht und einfach stehen gelassen, ohne dass sie näher erklärt oder betrachtet werden. Die Gedanken aber, auf die näher eingegangen wird, wie das Konzept der Dankbarkeit, hinterließen bei mir einen negativen Eindruck, als versuchte Bruder David mit aller Macht, irgendwas begründen zu wollen, was er nicht begründen kann, weil ihm die nötigen intellektuellen Voraussetzungen fehlen. Er begründet und erklärt manche wichtigen Wörter und Gedanken nicht näher, sondern lässt sie im Raum stehen, er benutzt immer wieder Wörter wie Glaube, Hoffnung, Liebe, Vertrauen ohne sie in einem Kontext zu stellen, so dass viele Gedanken einfach zusammenhanglos und ohne Grund geäußert werden.
Lesenswert waren für mich nur einzelne Sätze, aber die Pseudozusammenhänge, die Bruder David hier darzustellen versucht hat, wirkten auf mich eher bedrückend.
Ein paar der besten Sätze:
T.S Eliot sagt:
Werden wir nicht nachlassen in unserm Kundschaften
Und das Ende unseres Kundschaftens
Wird es sein, am Ausgangspunkt anzukommen
Und den Ort zum erstenmal zu erkennen.
Eine ganz einfache Sache kann ihre (Kinder) Aufmerksamkeit eine lange Zeit fesseln. Aber dann sieht man Erwachsene überall ihre Kinder aus Staunen und Konzentration herausreißen. "Komm! Wir haben keine Zeit mehr" - und ein langer Arm zieht das Kind weiter. Kein Wunder, dass so viele großartige Kinder zu langweiligen Erwachsenen werden. Kein Wunder, dass ihre Ganzheit zerbricht und ihr Gespür für das Geheimnisvolle verloren geht. "Steh nicht so herum. Tu was!" Gesündere Kulturen hatten eine andere Vorstellung von Erziehung. So würde man in manchen Indianerstämmen sagen: "Ein wohlerzogenes Kind muss dasitzen und schauen können, wenn nichts zu sehen ist; es muss dasitzen und lauschen können, wenn nichts zu hören ist."
Das chinesische Schriftzeichen für Muße besteht aus zwei Elementen, die für sich genommen offenen Raum und Sonnenschein bedeuten: Muße schafft Raum, um die Sonne hineinscheinen zu lassen.
Dein Herzmuskel aber arbeitet, solange du lebst. Er wird nicht müde, denn eingebaut in jeden Herzschlag ist eine Ruhepause.
Glaube ist Vertrauen und Mut. Sein Gegenteil ist Furchtsamkeit, ungesunde Furcht, Angst. Was, glaubst du, ist das in der Bibel am häufigsten wiederholte Gebot? Denk scharf nach. Es ist dies: "Fürchte dich nicht! - Hab keine Angst!" Wenn es der Mut zum Glauben ist, der uns vollkommen macht, dann ist das, wovon wir uns am dringendsten befreien müssen, die Angst. Der Glaube macht sich mutig auf den Weg ins Gelobte Land, Furcht aber klammert sich an alles, was sie fassen kann und hält uns zurück. Glauben ist der Mut loszulassen. Furcht hält fest.
Die Furcht vor den Gefahren, die uns auf dem Weg begegnen könnten, ist groß und berechtigt; das trifft in noch größerem Maße auf die Furcht vor dem Wagnis der Bindung zu. Es bedarf großen Mutes, diese doppelte Furcht durch den Glauben zu überwinden. Wir schaffen es, indem wir den Wagemut des Nomaden mit dem des Siedlers verbinden, und das gibt uns den Mut des Pilgers.
Den Gott der Hoffnung müssen wir uns als "still (...) und dennoch vorangehen(d)" vorstellen.
Hoffnung besitzt sogar die Macht, die Vergangenheit zu verändern, indem wir in ihr immer neuen Sinn entdecken.