Anne Katrin Matyssek nimmt sich mit Führung und Gesundheit" laut Untertitel: Ein praktischer Ratgeber zur Förderung der psychosozialen Gesundheit im Betrieb" viel vor. Sie will aufzeigen, wie sich die bei betrieblichem Gesundheitsmanagement bisher überwiegende Beschäftigung dem Aspekt des körperlichen Wohlbefindens zugunsten der psychosozialen Gesundheit fördern lässt. Die aktuellen Zahlen der Gesundheitsberichte mit ihrer Zunahme der psychischen Erkrankungen geben ihr da sicher Recht.
Wenn man die These, dass der psychosoziale Aspekt der Gesundheit stärker in den Vordergrund zu rücken zustimmt, dann kommt den Führungskräften eine entscheidende Rolle in diesem Feld zu. Auch diesem zweiten Schritt ihrer Grundthese ist sicherlich zuzustimmen.
Folgerichtig finden sich im Buch, neben wenigen Grundlagenkapiteln über die Veränderung der Arbeitswelt, dem Einfluss von psychosozialen Faktoren und wie mit belasteten Beschäftigten umgegangen werden kann, vor allem Tipps und Praxisbeispiele zur Umsetzung. Angefangen vom Marketing des Betrieblichen Gesundheitsmanagements nach innen über die Gewinnung von Führungskräften als Mitstreiter bis zur Stärkung der eigenen Person und der Veränderung der Unternehmenskultur.
Matyssek gelingt es, diesen weiten Bogen praxisnah und reich an Tipps und Erfahrungsschätzen abzuschreiten. Mich hat immer wieder überrascht wie nah die aufgeführten Zitate meiner eigenen Erfahrungsschatz als Berater im Betrieblichen Gesundheitsmanagement sind.
Und was mich - wenn auch erst auf der letzten Seite genannt - sehr beruhigt, ist ihre ganzheitliche Sichtweise. Was ist damit gemeint? BGM-Projekte werden von den Beschäftigten als Ausdruck von Wertschätzung empfunden. Dies erhöht den BGM-Erfolg, weil die Beschäftigen an die positive Absicht der Handelnden glauben. Dies erhöht wiederum den Erfolg der BGM-Projekte und so schließt sich dieser Kreislauf; mit dem nicht zu unterschätzenden Effekt auf die Unternehmenskultur!
Wenn also an diesem Buch Kritik anzubringen wäre, und das fällt mir aufgrund der Bandbreite und Praxistiefe dieses Werkes schwer, dann könnte dies sein, dass der Zusammenhang zwischen Wertschätzung, BGM-Projekten und Unternehmenskultur erst ganz am Ende Thema wird. Dieser grundlegende Zusammenhang, an dem in der Praxis des Betrieblichen Gesundheitsmanagements die Projekte auch häufig scheitern hätte vielleicht einen noch breiteren Raum verdient gehabt. Aber wer weiß, vielleicht ist dieses Thema in einem Nachfolgeband viel besser aufgehoben.
Auf jeden Fall: unbedingt lesenswert!