Die Autoren Marco von Münchhausen und Cay von Fournier setzen auf den inneren Schweinehund, um Führungskräften Lust darauf zu machen, sich mit dem Thema Führung auseinander zu setzen. Führen mit dem inneren Schweinhund" ist ein kurzweiliges, amüsantes Buch. Es will der Frage auf die Spur kommen, weshalb es Führungskräften manchmal so schwer fällt, Dinge konsequent in die Umsetzung zu bringen. Die Realität heißt oft, aussitzen statt Aktion - erst mal abwarten. Und überhaupt: Chef sein wäre so schön, wenn da die Mitarbeiter nicht wären.
Weshalb ist das so? Hier kommt der eigene innere Schweinehund ins Spiel. Wie schafft er es immer wieder, uns zu sabotieren und uns von unserer eigentlichen Aufgabe abzuhalten? Drei Kapitel gehen dem auf den Grund: 1. Der Schweinehund in der Führung" beschäftigt sich mit Führungskompetenzen, Werten im Unternehmen, beleuchtet, was Unternehmen gesund macht. Teil 2 befasst sich mit der Frage, was gutes Führen so schwierig macht und verweist auf Persönlichkeitsprofile und Führungsstile. Teil 3 schließlich verrät, wie mit dem inneren Schweinehund umzugehen ist. Diese Tipps sind mit unterhaltsamen Beispielen unterlegt, bieten jedoch nicht viel Neues. Inwieweit wir tatsächlich zur Veränderung bereit sind bleibt dahingestellt - auch wenn die Autoren zahlreiche logische Argumente, die dafür sprechen, ins Feld führen.
Auf inhaltliche Tiefe ist dieses Buch nicht angelegt, Es geht eher darum, verschiedene Aspekte von Führung anzureißen. So wird das Thema Persönlichkeitsprofil z. B. in zehn Seiten behandelt. Wer die bisherigen Bücher zum Thema Führung von Cay von Fournier kennt wird auch inhaltlich nicht viel Neues entdecken. Im Literaturverzeichnis müssen der gute alte Peter Drucker und Reinhard K. Sprenger herhalten.
Das Buch ist liebevoll und aufwendig gestaltet. Schöne Illustrationen, farbliche Akzente, übersichtlicher Seitenaufbau und eine angenehm zu lesende Schriftgröße tragen dazu bei, das Werk gerne in die Hand zu nehmen.
Eine klare Gliederung ermöglicht selektives Lesen. Das Buch arbeitet mit graphischer Strukturierung, farblich unterlegten Beispielen, roter Schriftfarbe, wenn der Schweinehund selbst zu Wort kommt. Außerdem gibt es kleine Aufgaben, zu denen sich der Leser selbst etwas notieren kann.
Das Buch ist verständlich formuliert und verzichtet auf akademische Wortungetüme. Der flüssige Schreibstil motiviert zum Weiterlesen. Spätestens dann, wenn sich der Schweinehund selbst zu Wort meldet, kann man sich manchmal ein inneres Schmunzeln nicht verkneifen.
Die Autoren haben ein Werk verfasst, das auf der einen Seite unterhält und das vielleicht gerade dadurch eine Bereitschaft zur Selbstreflexion ermöglicht. Es ist alles andere als ein Grundsatzwerk. Pointiert werden hier Unzulänglichkeiten der Manager liebevoll aufs Korn genommen.
Hier stellt sich die Frage, für wen diese Publikation eigentlich verfasst wurde. Für Nachwuchsführungskräfte können die Inhalte nicht mehr als ein erster Einstieg in das Thema Führung sein, erfahrene Manager vermissen sicherlich die Substanz.
Aber: Schweinehunde" liegen ja wohl gerade im Trend - nicht zuletzt, weil damit zumindest ein Schuldiger" an den Pranger gestellt werden kann. Und das in kurzweiligen Häppchen.