Wie der Autor selbst zu Beginn seines Buches treffend anmerkt, stellt sich angesichts der Fülle von Büchern zum Thema Führung dem erfahrenen Leser in der Tat die Frage: 'Warum noch ein Buch über Führung?"
Aber: Dieses Buch hat wirklich gefehlt. Zum einen liest es sich sprachlich erfrischend und zugleich textlich sehr differenziert; gleichwohl schafft es inhaltlich das kaum Leistbare: Auf 300 Seiten einen profunden Abriss der aktuellen Führungsforschung und Praxis darzustellen. Das gelingt dem Autor - seit Jahren Führungskraft (als Leiter der Akademie für Führungskräfte) und Trainer (ebenfalls dort) ohne jeden Zweifel bestens!
Sehr angetan war ich von seiner differenzierten Gegenüberstellung der (von ihm bewusst zu Antagonisten stilisierten) "Darsteller" Malik und Sprenger, gleichsam von aussen "supervidiert" von und mit dem allgegenwärtigen amerikanischen Managementpapst Peter F. Drucker.
Besonders - und da passt auch das sonst sorgsam zu verwendende Wort "begeistert" - hat mich der Einbezug der kritischen Gedanken von Kets de Vries. Dieser Autor - vom Hintergrund her u.a. Psychoanalytiker - wird leider nur allzu oft in der gängigen Managementliteratur übersehen, da er doch auch die (neurotische) Kehrseite vieler vordergründig so erfolgreicher Führungspersönlichkeiten beleuchtet: Ohne den (gleichwohl kritischen) Einbezug dieser Gedanken labt es sich in der gängigen Managementliteratur einfach zu vorschnell und einseitig angenehm an dem rationalen Bild des stets sachlich handelnden Managers, der keine "nur allzu menschlichen, also neurotischen" Seiten hat. Glänzend!
Längst überfällig auch seine Kritik (u.a. S. 157) an der medial allerorten multiplizierten - und im Training ehrfürchtig im Raum herumwabernden Idealisierung der permanenten zeitlichen Überlastung einer rastlos energetischen Führungskraft: Der sich nicht organisierende und nicht "Nein-sagen-Könnende" Workaholic als Symbolfigur für erfolgreiches Management: Arbeitssucht als Vorraussetzung für Erfolg!
Und endlich mal einer, der (den leider oft unterschätzten) Henry Mintzberg (wieder) erwähnt und der sich auch nicht scheut, wegweisende Gedanken des Augsburger Führungsforschers und Professors O. Neuberger einzubeziehen!
Dass ich bei dieser insgesamt äußerst positiven Wertung natürlich auch einen - wenngleich kleinen - Vermuhtstropfen gefunden habe, sei an dieser Stelle nicht verschwiegen: Zu wenig gewürdigt erscheint mir die vom Autor in die 70-er und 80-er Jahre "zurück-geparkte" Attributionstheorie (S. 110). Mancherorts wird dieser Ansatz gerade im Seminar wiederentdeckt; leistet er doch wertvolle Dienste bei der Erklärung relativ stabiler Muster der intrinsichen Motivation.
Dies soll gleichwohl die Würdigung nicht schmälern; denn besonders im dritten Teil des Buchs scheut sich der Autor auch nicht davor, ganz konkret einzelne Tools und Techniken zu beschreiben, die aus seiner Sicht zum Handwerkszeug einer erfolgreichen Führungskraft gehören.
Insgesamt also ein sehr rundes und gelungenes Werk von Daniel F. Pinnow, das ich meinen Seminarteilnehmern gerne aufs Nachtkästchen empfehle!
Andreas Patrzek