Während sich die meisten Autoren von Führungsratgebern um das Thema drücken, was man mit Mitarbeitern tun soll, die zu den Dauerproblemfällen gehören, spricht Wolfgang Krüger bei diesem Punkt Klartext. Wer mit seinem Verhalten die Leistung des Unternehmens und die Moral der Mannschaft nach unten zieht, muss sich nach einer anderen Stelle umsehen. Das mag für viele im Elfenbeinturm sitzende Besserwisser amoralisch und unannehmbar klingen, ist nun aber einfach so. Doch um Wolfgang Krügers potenzielle Leserschaft nicht zu vergraulen, schiebe ich gleich nach, dass er keine Gebrauchsanweisung und Rechtfertigungsfibel für Hardliner schrieb. Er möchte die Personalverantwortlichen und Vorgesetzten lediglich daran erinnern, dass auch sie ihren Job nicht richtig ausführen, wenn sie unangenehmen Aufgaben ausweichen und sich in billige Rechtfertigungen flüchten. Für Schönwetterführung braucht es keine Bücher.
Der Autor versteht sich sowohl als Wissenschaftler wie auch als Unternehmer, was der Leser immer dann merkt, wenn Rolf Krüger in das Vorher-Nachher-Schema fällt und sich etwas allzu durchsichtig als Retter in der Not präsentiert. Dem Leser zu sagen, dass jede zweite Betriebsgründung innerhalb der ersten fünf Jahre scheitert, halte ich für Missbrauch statistischer Zahlen, wenn gleich danach ein eigenes Führungsmodell präsentiert wird. Denn Betriebe scheitern eben auch, wenn Faktoren im Spiel sind, die sich mit den schönsten Modellen nicht aus dem Weg schaffen lassen. Hätte der Autor auf diese bekannte Akquisitionsmasche der Beratergilde verzichtet, wäre meine Bewertung eine andere.
Themen die zur Sprache kommen sind: Führung, Können und der Management-Monitor - Personalportfolio und Minderleistungen - Das magische Dreieck der Leistungsstabilität - Reorganisation und Produktivitätsmanagement mit Mitarbeitern - Turboteams und ihr Coaching - Chancenmanagement und Aufgaben sowie Ziele aktualisieren - Flexibilisierung und Variabilisierung der Vergütung - Zeitressourcen und Flexibilisierung der Arbeitszeit - Personal gewinnen mit der Marke Mittelstand.
Jeder der angesprochenen Themenbereiche ist nach dem gleichen Prinzip aufgebaut. Zuerst wird die Problemstellung beschrieben, dann folgen Ausführungen eher theoretischer Art, die schließlich unter der Überschrift "Was ist zu tun?" in ihrer praktischen Umsetzung veranschaulicht werden. Auch wenn mich nicht jedes Kapitel gleich überzeugte, versteht es der Autor, Zusammenhänge und Lösungsvorschläge in leicht verständlicher Sprache vorzutragen. Las ich die mich störenden Passagen nochmals, stieß ich nicht ganz überraschend auf Thesen, die einem rationalen Weltbild entstammen, das so kaum mehr länger haltbar ist. Anders gesagt: Wenn menschliche Verhaltensmuster vor allem vom Unbewussten gesteuert werden, helfen gute Ratschläge nur selten weiter.
Mein Fazit: Obwohl der Autor keine heile Welt erläutern will und sein Buch als Navigator in stürmischen Zeiten sieht, können mich seine Lösungsvorschläge nicht immer überzeugen. Und das liegt vor allem daran, dass Wolfgang Krüger allzu sehr daran glaubt, mit den richtigen Instrumenten ließen sich auch komplexe Systeme steuern. Dennoch habe ich in diesem Führungsratgeber viele Ansätze entdeckt, die mehr Erfolg versprechen als die klassischen 7-Schritte-Programme.