"Fördewasser" ist ein "Kiel"-Krimi und ein Spontankauf aus sentimentalen Gründen in Erinnerung an alte Zeiten. Schon das Coverbild ist genial ausgewählt und "typisch" Kiel. Abgesehen wenigen dramaturgische notwendigen Korrekturen im Rahmen der dichterischen Freiheit zeigt der Roman, dass die Autorin mit der Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins bestens vertraut ist. Sehr geeignet für alle Butenkieler mit Sehnsucht nach Förde, Strand und Kieler Verkehrschaos.
Die Kielerin Olga Island (39) hat die Stadt an der Förde vor zwanzig Jahren in Richtung Berlin verlassen, wo sie sich zur Polizistin ausbilden lies und zur Dezernatsleiterin aufstieg. Ihr aktueller Fall im organisierten Verbrechen wird ihr beinahe zum Verhängnis. Sie kommt einem Mafia-Boss zu nah, der sie -ausgerechnet- durch einen korrupten Kollegen liquidieren lassen will. Olga erschießt den Kollegen in Notwehr. Um sie bis zum Abschluß des Falles aus der Schußlinie der Mafia zu nehmen, wird Olga als stellvertretende Leiterin in die Mordkommission der Bezirkspolizeidirektion Kiel versetzt. Eine Stadt, in die sie eigentlich keinen Fuß mehr setzten wollte.
Angesichts chronischer Ebbe in den Beförderungsämtern der Polizei ist Olga nicht allen Kollegen willkommen, wird aber professionell ausgetestet und akzeptiert. Ihr Eintreffen fällt mit der Entdeckung mehrerer Wasserleichen und dem Verschwinden einer bekannten Rotlichtgröße zusammen. Die Presse spricht von Serienmorden, aber Olga ist sich der (unveröffentlichen) Unterschiede bewußt und zweifelt daran, dass alle Opfer einem Serienmörder zum Opfer gefallen sind. Ihre persönliche Situation wird durch seltsame bedrohliche Anrufe erschwert, die sie auf die Berliner Ereignisse zurückführt.
Abgesehen von einem actionreichen Beginn und einem spannenden Showdown, hat mir die sachkundige Beschreibung der ganz normalen überstundenträchtigen Polizeiarbeit sehr gut gefallen. Der Leser hat keine näheren Kenntnisse über Täter und Tatgeschehen und kann die Puzzlearbeit der Kripo mal aus guter Nähe verfolgen. Nicht jede Spur ist aussichtsreich und es kommt auf das Gespür der Beamten an, die Steinchen mühsam Stück um Stück "auszugraben" und zusammenzusetzen. DEr Leser/in gewinnt ganz neue Erkenntnisse und Bewunderung für die gelegentlich frustrierende Polizeiarbeit. Da bleibt die Spannung bis zur letzten Seite.Zum Glück ist "Fördewasser" nicht der letzte Kiel-Krimi von Kristin Warschau
Was im Moor geschah: Ein Fall für Olga Island. Ein sehr empfehlenswerter Krimi.