Der insgesamt vierte Heimatkrimi des Bayerischen Rundfunks wurde wieder von Rainer Kaufmann inszeniert. Für ihn ist "Föhnlage. Ein Alpenkrimi" nach "Erntedank. Ein Allgäukrimi" die zweite Auftragsarbeit für die BR-Reihe. Die Vorlage zum Film stammt von Autor und Kabarettisten Jörg Maurer.
Hauptkommissar Hubertus Jennerwein (benannt nach jenem bekannten Wilderer, der hinterrücks erschossen, zum Sinnbild für das Aufbegehren gegen die Obrigkeit wurde; gespielt von Martin Feifel) wird in seinen Heimatort Garmisch-Partenkirchen strafversetz. Kaum angekommen wird er nicht nur mit seiner Vergangenheit, sondern sogleich auch mit einem Mordfall konfrontiert. Bei den Ermittlungen stehen ihm die übereifrige, junge Kollegin aus den neuen Bundesländern Schwattke (Katharina Marie Schubert) und ihr gutmütig, geduldiger Vorgesetzte Johann Ostler (Jürgen Tonkel) zur Seite. Als Gegenspieler zum ehrlichen, aber unangepassten Jennerwein, agiert der skrupellose Bauunternehmer Harasser (Helmfried von Lüttichau). Der hat nicht nur den Ort fest im Griff und Jennerweins Ex geheiratet, sondern steht auch in Verbindung zur italienischen Mafia, auf der anderen Seite der Alpen. Das Bestatterehepaar Grasegger (Andreas Giebel und Gundi Ellert) lassen in seinem Auftrag Mafiaopfer, die der durchgeknallte Österreicher (wer sonst, wenn nicht Georg Friedrich) ankarrt, unter dem doppelten Boden ihrer Särge und schließlich unter der Erde verschwinden.
"Föhnlage" kommt nicht ganz ohne Klischees aus. Hier fällt vor allem der Stereotyp des obligatorischen Österreichers, gefolgt von der mittlerweile ebenso obligatorischen Rolle einer Ossi-Polizei-Kollegin auf. Beide Rollen haben natürlich erheblichen Nervcharakter. Ein bisschen zu lieblich mag auch die Landschaft inszeniert sein, ein bisschen zu gewollt und volkstümlich-skuril die eine oder andere Requisite daherkommen. Aber all das wird durch die ausnahmslos großartige Schauspielriege aufgefangen. Von Feifel bis Von Lüttichau überzeugen alle. Besonders authentisch wirkt auch Eisi Gulp in einem Gastauftritt als Techniker im Konzerthaus. Sogar der Autor des Romans, Jörg Maurer hat einen kleinen Gastauftritt als Journalist und macht dabei keine schlechte Figur. Dank der Romanvorlage, gibt es ein paar ironische Brechungen der Heimatverklärung. Die Story ist leidlich spannend, das Tempo relativ flott, jedoch auch mit den nötigen ruhigen Passagen. Rainer Kaufmann hat, zusätzlich zur herkömmlichen Herangehensweise bei bestimmten Szenen mit Super 8 und 16 mm Filmmaterial gearbeitet, z.B. um die Krankheit Akinetopsie (Bewegungsblindheit) unter der Jennerwein leidet, zu verbildlichen.
Letztlich ein Heimatkrimi, der zwar nicht an den Brenner-Fim "Der Knochenmann" heranreicht, aber durchaus damit verglichen werden kann. Eine kurzweilige Unterhaltung, die Humor, Spannung, Heimat und Heimatkritik vereint, liefert "Föhnlage" allemal.
Als Extra gibt es ein Making of" und eine Sammlung entfallener Szenen, die der Regisseur gemeinsam mit der BR-Redakteurin erkläret. Der kleine Teamfilm ist wie immer eher überflüssig. Die DVD enthält weiterhin ein mehrseitiges Booklet mit ein paar Hintergrundinformationen zur Heimatkrimiserie des BR. Jörg Maurer erklärt in seiner gewohnt humorvollen Art mit zum Teil ironischen Unterton, was für ihn Heimat ist. Außerdem werden im Beiheft die einzelnen Charaktere vorgestellt und die komplette Besetzung und Crew aufgelistet.