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5.0 von 5 Sternen
Geschichte, wie sie "eigentlich gewesen ist" (Ranke), 2. September 2004
Rezension bezieht sich auf: Fälschung, Dichtung und Wahrheit über Hitler und Stalin (Gebundene Ausgabe)
Masers neuestes Werk "Fälschung, Dichtung und Wahrheit über Hitler und Stalin" ist eine Rarität auf dem Markt der Literatur über die Geschichte der Hitlerzeit Dies deshalb, weil er seine Analysen und Darstellungen auf unzweifelhaft echte, zum Teil bislang unbekannte Dokumente und andere Beweismittel stützt, die er dem Leser in großem Umfang im Rahmen seiner Ausführungen auch als Faksimiles zur Kenntnis gibt. Eine Rarität ist das Buch auch deshalb, weil Maser sich bei der Beschreibung der geschichtlichen Zustände und Abläufe beständig der Mode entzieht, die gewonnenen Erkenntnisse zu verfremden und dem Zeitgeist anzupassen. In diesem Zusammenhang ist das Kapitel über einen der bekannten Fernsehunterhaltungs- und Zeitgeisthistoriker besonders interessant. Hier zeigt Maser anhand einer Fülle von Beispielen auf, wie schamlos und leichtfertig unbestreitbare Fakten unterschlagen und verfälscht und unseriöse Quellen benutzt werden, um zu einem rundum abschreckenden und belastenden Geschichtsbild zu kommen. Die Schere zwischen Fälschungen, Zwecklügen und Siegerdichtung einerseits und der "eigentlichen" Geschichte ist bestürzend. Wenn man sich vergegenwärtigt, wie Generationen nach dem Kriege unbehelligt mit verfälschter, zeitgeistig verseuchter, siegergeprägter Geschichte -leider weitgehend erfolgreich- indoktriniert wurden, dann fragt man sich, ob es nicht geboten ist, neben den Volksverhetzungsparagraphen eine Vorschrift in das Strafgesetzbuch aufzunehmen, nach der vorsätzliche oder leichtfertige Geschichtsfälschung zu ungunsten des eigenen Volkes unter Strafe gestellt wird. Da das nicht zu erwarten ist, ist es ein Segen, wenn Historiker wie Maser auftreten, "um die Geschichtsklitterung von Historikern, Biographen, Psychoanalytikern und Literaten zu entlarven und absonderliche Phantasieprodukte von Historiker-Quacksalbern, Märchenerzählern, Hochstaplern, Spekulanten und Trittbrettfahrern den Garaus zu machen"(Maser). Jedes Volk hat Anspruch darauf, daß seine Geschichte so dargestellt wird, wie sie "eigentlich gewesen ist" (Ranke). Maser ist mutig angetreten, diesen Anspruch zu erfüllen - gegen den Zeitgeist, aber ohne den Versuch, Untaten in jener Zeit zu unterdrücken oder zu verharmlosen. Jeder geschichtlich Interessierte sollte sich dieses von der ersten bis zur letzten Seite fesselnde Buch zur Pflichtlektüre machen !
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44 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Widerlegung von Legenden, 12. Mai 2004
Rezension bezieht sich auf: Fälschung, Dichtung und Wahrheit über Hitler und Stalin (Gebundene Ausgabe)
Der wohl profilierteste Kenner der Materie Hitler, Werner Maser, legt als Quintessenz seines langen Wirkens als Historiker ein neues Buch vor, das sich fast ausschließlich mit der Widerlegung von Legenden über und um Hitler befaßt. Maser verweist so effekthascherische und sensationell aufgemachte "Neuigkeiten" über Hitler ins Reich der Fabel, wie z. B. die Mär vom angeblichen jüdischen Großvater (die kürzlich erst wieder im "Spiegel" fröhliche Urständ feierte), Hitlers Armut in Wien und München vor dem 1. Weltkrieg, seine angebliche Homosexualität und Hitlers vermeintlicher Klassenkamerad Ludwig Wittgenstein. Ein weiteres Feld, das voll ist von längst widerlegten Erkenntnissen, ist der Hitler-Stalin-Pakt und die Vorgeschichte des deutsch-sowjetischen Krieges. Obwohl längst bekannt und vielfach publiziert, wird immer wieder die alte sowjetische Propagandalüge vom "faschistischen Überfall auf die friedliebende Sowjetunion" aufgewärmt, obwohl spätestens seit Masers "Wortbruch" klar ist, daß beide Seiten sich parallel zueinander auf einen Angriffskrieg vorbereitet hatten. Ein verdienstvolles Buch, das man - gerade bei der heutigen Qualität von historischen Arbeiten in den Medien - als notwendiges Korrektiv immer bei der Hand haben sollte.
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56 von 63 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Nur der historischen Warheit verpflichtet, 30. August 2004
Rezension bezieht sich auf: Fälschung, Dichtung und Wahrheit über Hitler und Stalin (Gebundene Ausgabe)
Wie viel ist nicht schon über Adolf Hitler geschrieben und spekuliert worden! Leider muß man im Falle Hitlers und des Dritten Reiches feststellen, daß sich viele Autoren bloß mit der Übernahme scheinbar "gesicherter" Ergebnisse bzw. Thesen und mit der kühnen Neuinterpretion dieser Thesen begnügen. Ganz anders Werner Maser, der sicherlich beste Hitler-Kenner der Gegenwart: er stützt sich nämlich auf eigene Forschungergebnisse, kennt die Fakten im Detail und auch die zahlreichen Versuche, mit Hilfe von Halbwahrheiten, Vermutungen und Fiktionen neue historischen Sensationen zu erzeugen. Mit diesen Sensationen und Legenden räumt Maser kräftig auf: Hitler als Homosexueller, Hitler als Abkömmling von Juden, Hitler als Milliardär, Hitlers Fixiertheit auf Aberglauben, Hitler als Tagebuchschreiber, Hitler als Liebhaber seiner Nichte Geli Raubal, Hitler als jugendlicher Herumtreiber in Wien u.a.m. Maser widerlegt alle diese Legenden kenntnisreich, so daß man umgehend die wahren Hintergründe erfährt, was dazu beiträgt, den "Menschen Hitler" kennenzulernen. Was ins Rampenlicht tritt, ist kein Schwarz-Weiß-Bild, sondern ein Bild mit sehr vielen Grautönen, die aber keineswegs eine Verharmlosung des Diktators bewirken. Großer Raum nimmt der Vergleich zwischen dem deutschen und dem sowjetischen Diktator ein. Eine historische Neuigkeit ersten Ranges liegt in der Interpretation des Gemäldes aus der Ermitage vor, das Molotow anläßlich seines Staatsbesuches in Berlin am 12./13.11. 1940 im Namen Stalins überreichte. Es zeigt in Anlehnung an das apogryphe Buch "Tobit" den jungen Tobias, wie er seinen erblindeten alten Vater Tobit heilt. Hitler sollte durch die Botschaft dieses Gemäldes ebenfalls im Sinne Stalins sehend gemacht werden, sich nämlich vertrauensvoll unter seine "Patronanz", gewissermaßen als Juniorpartner begeben. Für Hitler bedeutete das Bild jedoch eine krasse Herausforderung. Statt einer Unterwerferung wählte er den Krieg und begann kurz darauf seine Vorbereitungen für den Feldzug vom Juni 1941. Das sich heute im Privatbesesitz befindliche Gemälde ist ein historisches Dokument ersten Ranges. Ein weitere aufschlußreiche Quelle betrifft die nunmehr vorliegende Zahl der polnischen Opfer von Katyn und an anderen Mordstätten vom April 1940, die um ein Vielfaches höher als bisher publiziert liegen. Reiches Dokumentenmaterial liegt über die sowjetischen Aufmarsch- und Angriffspläne 1941 vor. Auch wenn für den letzten Offensivplan von Mitte Mai 1941 kein Angriffsdatum genammt wird, so belegen doch die Befehle von Generalstabschef Schukow an die Hauptquartiere der vier westlichen Militärbezirke, daß sämtliche Vorbereitungen gegen Deutschland und seine Verbündeten bis spätestes Mitte Juli 1941 abgeschlossen sein sollten. Stalin mußte für diesen grandiosen Aufmarsch von rund 5 Mill. Mann sein grundsätzliches Einverständnis gegeben haben, denn Schukow hätte sonst nie gewagt, eine so gravierende Maßnahme auf eigene Faust zu befehlen. Außerdem erhielten diese Befehle die Weisung, zu gegebener Zeit auf Befehl des Oberkommandos Angriffsschläge zu führen. Wozu hätte Stalin obendrein eine Polnische Befreiuungsarmee aufstellen lassen? Andere spannende Details beziehen sich auf die sogenannten "Erinnerungen" von Albert Speer, die in vielen Fällen nicht den damalige Wissensstand des Autors, sondern opportunistische Kritiken und Urteile enthalten, die seiner damaligen Einstellung widersprechen. Auch wird die Mitwisserschaft Speers an der Judenvernichtung bestätigt. Zum "Holocaust" bringt der Autor ebenfalls viele aufregende Details. Wer sich in Sachen Zeitgeschichte nicht an diversen "Tatsachenberichten" leichtsinnig orientieren will, sollte zum vorliegenden Buch greifen. Man erfährt Fakten und Hintergründe, in denen mehr Spannung lebt als in manchem historischen Roman.
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