Ebenso wie die Fälle zum Strafrecht I wurden auch die Fälle zum Strafrecht II von Prof. Dr. Rolf Schmidt und Dr. Klaus Priebe Anfang November 2009 neu aufgelegt (inzwischen in der 4. Auflage) und gründlich überarbeitet. Bei einem Umfang von mehr als 300 Seiten beschäftigen sich die 12 Fälle überwiegend mit Problemen des Besonderen Teils, verbunden mit umfangreichen strafprozessualen Zusatzausführungen.
Was bereits bei den Fällen zum Strafrecht I lobend hervorgehoben werden konnte, gilt prinzipiell auch für die Fälle zum Strafrecht II und betrifft vor allem die ausführlichen ausformulierten Lösungsvorschläge mit detaillierten Streitstanddarstellungen und die sonstige Aufmachung (umfassende Fußnotenverweise, Problemübersicht der Fälle, Sachverzeichnis, kreative und zugleich realitätsorientierte Sachverhalte, angemessene Berücksichtigung der Nebengebiete). Den Autoren ist es gelungen, die am häufigsten zu prüfenden Delikte und die wichtigsten Probleme des Besonderen Teils in die Fälle zu integrieren. Das gilt vor allem für den Diebstahl bzw. Raub, den Betrug und die Tötungs- und Körperverletzungsdelikte. Aber auch andere Delikte nehmen genügend Platz ein (z. B. Erpressung, Urkundendelikte, Hehlerei, Beleidigung, Straßenverkehrsdelikte, sogar Brandstiftungsdelikte, räuberischer Angriff auf Kraftfahrer etc.), wobei eine abschließende Aufzählung natürlich den Rahmen sprengte. Ebenfalls wieder vorhanden sind die zahlreichen Aufbau- und sonstigen Hinweise (diesmal sogar Vertiefungshinweise bezüglich bestimmter Delikte am Ende der Fälle oder in Form von Zusatzaufgaben), die bisweilen sehr hilfreich sind und das Buch auch für Anfänger interessant machen; diese Hinweise hätten allerdings im Vergleich zu Band I etwas reduziert werden können. Darüber hinaus wäre sicherlich auch die Wiederholung bestimmter (wenn auch wichtiger) Probleme in abgewandelter Form - teilweise allerdings nur bändeübergreifend - vermeidbar gewesen (z. B. die Problematik des Waffenbegriffs im Rahmen von §§ 244 I Nr. 1a Var. 1, 250 I Nr. 1a Var. 1).
Was das Werk zusätzlich interessant macht und sogar einen eigenständigen Kaufanreiz darstellen könnte, sind die strafprozessualen Zusatzaufgaben, die darauf angelegt sind, einen für die in Klausuren immer häufiger anzutreffenden StPO-Fragen fit zu machen; sie eignen sich aber auch zur Wiederholung im Hinblick auf die mündliche Prüfung. Der große Vorteil dieser strafprozessualen Zusatzaufgaben ist, dass man wohl nirgendwo anders einen so guten, komprimierten und zugleich vor allem klausurbezogenen StPO-Überblick erhält. Allerdings wirkt sich ihr enormer Umfang insofern nachteilig aus, als dass man von einem Buch im Buch sprechen kann. Mich jedenfalls haben die strafprozessualen Zusatzaufgaben immer wieder der Fallbearbeitung gedanklich entrissen. Je nach Lerntyp wäre also darüber nachzudenken, sich in einem gesonderten Durchgang nur mit den strafprozessualen Zusatzaufgaben zu befassen. Sollten die Autoren mit den strafprozessualen Zusatzaufgaben und deren Umfang bezweckt haben, den Studenten den Kauf eines Lehrbuchs für Strafprozessrecht im Hinblick auf die Erste Prüfung zu ersparen, so haben sie dieses Ziel jedenfalls meiner Ansicht nach erreicht (darunter könnte auch das ebenfalls hervorragende Lehrbuch zum Strafprozessrecht aus dem Rolf-Schmidt-Verlag zu leiden haben).
Abschließend betrachtet ist auch diese Fallsammlung nahezu uneingeschränkt empfehlenswert für die Examens- und sonstige Klausurvorbereitung. Wer ein inhaltlich und didaktisch ausgereiftes Fallbuch sucht und keine Lust hat, sich ein StPO-Lehrbuch anzuschaffen, kann sich die Fälle zum Strafrecht II bedenkenlos zulegen.