Möchten Sie verkaufen? Hier verkaufen
Fälle, Russ.-Dtsch.
 
Größeres Bild
 
Den Verlag informieren!
Ich möchte dieses Buch auf dem Kindle lesen.

Sie haben keinen Kindle? Hier kaufen oder eine gratis Kindle Lese-App herunterladen.

Fälle, Russ.-Dtsch. [Taschenbuch]

Daniil Charms
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)

Erhältlich bei diesen Anbietern.


Weitere Ausgaben

Amazon-Preis Neu ab Gebraucht ab
Gebundene Ausgabe --  
Taschenbuch --  
Pappbilderbuch --  

Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch


Produktinformation

  • Taschenbuch
  • Verlag: Reclam, Ditzingen (1995)
  • Sprache: Russisch, Deutsch
  • ISBN-10: 3150093449
  • ISBN-13: 978-3150093443
  • Größe und/oder Gewicht: 14,8 x 9,2 x 1 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 281.044 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Daniil I. Charms
Entdecken Sie Bücher, lesen Sie über Autoren und mehr

Besuchen Sie die Seite von Daniil I. Charms auf Amazon

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Und dann beginnt das Entsetzen Trotzdem kann Daniil Charms süchtig machen Seit zwanzig Jahren arbeiten der Herausgeber und Übersetzer Peter Urban und Katharina Wagenbach mit ihrer Friedenauer Presse daran, den bis in die achtziger Jahre vergessenen russischen Autor Daniil Charms im deutschen Sprachraum in seine Rechte einzusetzen. Mit Erfolg. Wie die Russen Isaak Babel und Vladimir Nabokov gehört Charms inzwischen unbestritten zur Weltliteratur und wird in einem Atemzug mit Samuel Beckett genannt. Dass Verlag und Übersetzer weitermachen, ist umso wichtiger, seitdem der Zürcher Haffmans-Verlag, in dem Teile des Charms'schen Œuvres erschienen waren, in Konkurs gegangen ist. Und dass die Friedenauer Presse sich nicht einer lästigen Pflicht entledigt, sondern trotz der Schwärze der Texte zu einer über grosse Strecken höchst vergnüglichen Lektüre einlädt, davon wissen viele Charms-Süchtige längst ein Lied zu singen. «Wenn ich tot bin, dann kann ich mich nicht mehr bewegen. Also beweg doch mal den Arm. Bewegt den Arm. Er bewegt sich! Beweg doch mal das Bein! Bewegt das Bein. Es bewegt sich! Beweg mal den Kopf. Bewegt den Kopf. Bewegt sich auch. Also lebe ich noch. Hurra!»

Das lässt Daniil Charms den Zirkusdirektor 1935 in «Zirkus Šardam», einem nun erstmals ins Deutsche übersetzten Stück für Kinder, sagen. Was als unbekümmertes Geplapper daherkommt, wird sich in der Zeit, in der Charms schrieb, weit weniger harmlos angehört haben. Dass jeden Tag jemand abgeholt wurde und nicht wiederkam, war in Russland damals der Normalzustand. Dass jemand überlebte, eher die Ausnahme. Den Autor selber beförderte ein solches Durchschnittsschicksal mit nur 36 Jahren ins Jenseits. Nachdem er im August 1941 das zweite Mal verhaftet worden war, verhungerte Charms Anfang Februar 1942 in einem sowjetischen Gefängnis. Zum Terror Stalins war zu diesem Zeitpunkt jener von Hitlers Feldzug gegen Russland hinzugekommen. 1905 in St. Petersburg geboren, ist Charms fünfzehn Jahre jünger als das grosse Viergestirn der modernen russischen Lyrik, bestehend aus Ossip Mandelstam, Marina Zwetajewa, Anna Achmatowa und Boris Pasternak, die bereits vor der Zeitenwende aus Revolution und Bürgerkrieg mit ihren Gedichten an die Öffentlichkeit getreten waren.

Für Charms war die Sowjetmacht kein umstrittenes Novum mehr, sondern ein unumstössliches Faktum, das der Literatur mehr und mehr die Luft zum Atmen nahm. Charms' aufsehenerregender Auftritt im Januar 1928 bei dem Happening «Drei linke Stunden» im Haus der Presse in Leningrad war der Anfang vom Ende, seine zweite Publikation aus dem Jahre 1927 sollte schon die letzte gewesen sein. Hinfort konnte er nur noch Kinderliteratur veröffentlichen, bis 1937 auch diese einzige Einnahmequelle zu versiegen drohte. Lange bevor er starb, lernte Charms den Hunger kennen: «So beginnt der Hunger: / morgens erwachst du frisch und munter, / dann beginnt die Schwäche, / dann beginnt die Langeweile; / dann kommt der Verlust / der raschen Verstandeskraft, / dann kommt die Ruhe. / Und dann beginnt das Entsetzen.» Das Entsetzen wird Charms' Schicksal, sein persönliches Lebensthema und der Tenor einer ganzen Epoche. Dabei waren die jungen Leute, die sich 1927 in der Leningrader Gruppe «Oberiu» (Vereinigung der realen Kunst) zusammengetan hatten und zu denen neben Charms Alexander Vvedenski und Nikolai Sabolozki gehörten, doch genauso selbstbewusst, übermütig und lachlustig wie ihre dadaistischen Zeitgenossen im Westen und veranstalteten nicht minder wilde Happenings als ihre Zunftkollegen. Doch schon am 9. April 1930 beendete der Zeitungsartikel «Reaktionäre Jongleurskünste.

Ein Anschlag literarischer Rowdies» die Träume von einem ästhetischen Freiraum im Sowjetstaat, und weitere anderthalb Jahre später, im Dezember 1931, werden die jungen Wilden verhaftet und verurteilt. Im April 1932 verfügt der Beschluss des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei «Über den Umbau der Künstler- und Schriftstellerorganisationen» dann endgültig die Unterwerfung der Kunst unter die Parteilinie. Zwar vergehen bis zum Höhepunkt des Terrors der Stalinzeit noch fünf Jahre, aber die Richtung der Kulturpolitik ist klar vorgegeben. Wie Daniil Charms das Lachen immer mehr vergeht und das blanke Entsetzen siegt, lässt sich in dem Band «Fälle» verfolgen, den die Friedenauer Presse nun wieder verlegt hat und der die Prosa von Charms wieder zugänglich macht. Immer stärker verdichten sich die Humoresken zu grotesken Kürzestgeschichten, in denen die Gewalt in den Vordergrund tritt; immer abstruser werden die Rechtfertigungen für diese Gewalt, und je selbstverständlicher Brutalität und Zynismus der Angriffe, desto mehr schwindet jeder Ansatz von Gegenwehr.

Dabei steigert Charms den Eindruck, indem er jede Einfühlung mit dem Opfer verweigert. Die eigentliche Zumutung ist die provozierende Teilnahmslosigkeit des Textes. Wo Gewalt keine individuelle Rache, Wut oder Passion ist, sondern ein Automatismus, da verliert auch das Opfer sein Gesicht und wird zur Manövriermasse der Geschichte. Und doch hält Daniil Charms nicht nur der Stalinzeit den Spiegel vor. Indem er den Mechanismus der Gewaltausübung ohne alle Sentimentalität blosslegt und literarisch zuspitzt, giesst Charms den Albtraum menschlicher Allmacht in eine Form, die auf die menschliche Natur per se, unabhängig vom Zeitenwandel, zielt. In diesem Sinne ist Charms durchaus auch als Wegbereiter von Autoren wie Imre Kertész und Aleksandar Tišma zu sehen.

Birgit Veit -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Pappbilderbuch .

Perlentaucher.de

Buchnotiz zu : Die Zeit, 06.02.2003
Ganz verzückt ist Martin Mosebach von Daniil Charms neu edierten Prosastücken. Diese kleinen Grotesken haben zwar das Format von Anekdoten und Witzen, erklärt Mosebach, doch ihre Komik beruhe auf ihrer "schwebenden Pointenlosigkeit, oft auch Pointenverweigerung, gelegentlich sogar Pointenvernichtung". Oft nur einige Sätze lang, erzählen die Geschichten Grausames und Gewalttätiges, schwelgen in "rätselhaft unmotivierten Bluttaten", und doch, schwärmt Mosebach, findet all diese fürchterliche Verwirrung in einem "Geist voll ästhetischer Unschuld" statt. Gelegentlich schiebe sich auch der Geist des Chaos zwischen erzähltes Ereignis und literarische Wiedergabe. Das alles sei - zumindest in der Übersetzung von Peter Urban - in einer glockenklaren Sprache geschrieben, deren poetische Einfachheit an Robert Walser erinnere.

© Perlentaucher Medien GmbH
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Pappbilderbuch .

Welche anderen Artikel kaufen Kunden, nachdem sie diesen Artikel angesehen haben?


Vorgeschlagene Tags zu ähnlichen Produkten

 (Was ist das?)
Setzen Sie den ersten relevanten Tag hinzu (ein Schlüsselwort, das mit diesem Produkt in engem Zusammenhang steht).
 
(1)
(1)

 

Eine digitale Version dieses Buchs im Kindle-Shop verkaufen

Wenn Sie ein Verleger oder Autor sind und die digitalen Rechte an einem Buch haben, können Sie die digitale Version des Buchs in unserem Kindle-Shop verkaufen. Weitere Informationen

Kundenrezensionen

4 Sterne
0
3 Sterne
0
2 Sterne
0
1 Sterne
0
Die hilfreichsten Kundenrezensionen
5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Meisterwerk des absurden Humors 27. September 2005
Format:Pappbilderbuch
Daniil Charms schrieb einmal: "Mich interessiert nur Quatsch, nur das, was gar keine praktischen Sinn macht. Mich interessiert das Leben nur in seiner unsinnigen Erscheinung." Die Geschichten dieses Buches spiegeln diese Einstellung bestens wieder; Charms ist ein Meister der absurden Kürzest-Geschichte.

Er schreibt Geschichten, die plötzlich und unvermittelt beginnen und oft schon nach wenigen Zeilen wieder enden (ein typisches Charms-Ende ist beispielsweise "Ach! Ich würde gerne weiterschreiben, aber das Tintenfass ist verschwunden.") Charms beschreibt, sehr sachlich, nur die äußeren, die sichtbaren und hörbaren Ereignisse, beteiligten Figuren sind nur Schablonen sind. Die unmöglichsten Dinge passieren völlig ohne Grund, und haben meist teilweise äußerst unlogische Auswirkungen, oder gar keine. In einer Geschichte z.B. durchschlägt ein fallender Stein die Schädeldecke eines Mannes; dieser meint aber nur, keine Sorge, das passiere ihm ständig, und setzt seelenruhig eine Einkäufe fort...

Die meisten Geschichte erhalten durch diesen Stil einen ganz eigenen und unwiderstehlichen Humor -- hin und wieder findet man aber auch Geschichten, die die eher eine düstere, beunruhigende und gruselige Stimmung besitzen ("Wie der Schlaf den Menschen flieht").

Charms hat einen unverwechselbaren, lakonischen, einfachen und frischen Stil, und zusammen mit der Kürze der Geschichten führt das dazu, dass man das Buch immer wieder gern in die Hand nimmt, einfach um noch so eine lustige -- oder schreckliche -- Geschichte zu lesen.

Für mich gehört Charms neben Beckett und Ionesco zu den Meistern des Absurden. Dieses Buch ist eine gelungene Einführung in sein Werk, und jedem, der absurde Literatur mag und/oder Humor hat, wird hier seine wahre Freude haben. Ich persönlich habe schon lange kein Buch mehr gelesen, bei dem ich soviel lachen musste. 5 Sterne!

War diese Rezension für Sie hilfreich?
3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Pappbilderbuch
Leningrad, Februar 1942. In einem stalinschen Kerker in der von der Nazi-Wehrmacht belagerten Stadt vehungert vergessen ein 37-jähriges Genie: Daniil Ivanowitsch Charms. Eine Charms-Geschichte ? Ein Fall ?
Fast wie dieser (aus "Fälle"):
"Ein Mensch mit dummem Gesicht ass ein Entrecôte, rülpste und starb. Die Kellner trugen ihn auf den Korridor hinaus, der zur Küche führte, legten ihn längs der Wand auf den Boden und deckten ihn mit einem schmutzigen Tischtuch zu".
Eine Geschichte, die zeigt, wie Charms der ihn umgebenden Wirklichkeit ein Leben abzuringen versuchte. Sein Leben, das er selbst als Gesamtkunstwerk inszenierte. Ein subversiver Akt inmitten der stalinschen Unkultur, die den "Neuen Menschen" schaffen wollte. Die Texte, Sketches, Stücke und Gedichte, die wir in diesem von Peter Urban hervorragend übersetzten Buch vorfinden, gewinnen angesichts der aktuellen Zustandes der Welt wieder an Wirkung. Die Lektüre dieses Buches kann unvorhersehbare Folgen und Nebenwirkungen im Kopf haben. Leserinnen und Leser mögen sich also vorsehen.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
Kundenrezensionen suchen
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen

Kunden diskutieren

Das Forum zu diesem Produkt
Diskussion Antworten Jüngster Beitrag
Noch keine Diskussionen

Fragen stellen, Meinungen austauschen, Einblicke gewinnen
Neue Diskussion starten
Thema:
Erster Beitrag:
Eingabe des Log-ins
 


Aktive Diskussionen in ähnlichen Foren
Kundendiskussionen durchsuchen
Alle Amazon-Diskussionen durchsuchen
   
Ähnliche Foren


Lieblingslisten


Ähnliche Artikel finden


Anhand des Sachgebietes nach ähnlichen Produkten suchen:






Das bedeutet, jeder Titel/Artikel muss zu Sachgebiet 1 UND zu Sachgebiet 2 UND... gehören.

Ihr Kommentar