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5.0 von 5 Sternen
Meisterwerk des absurden Humors, 27. September 2005
Rezension bezieht sich auf: Fälle. Prosa, Szenen, Dialoge. (Pappbilderbuch)
Daniil Charms schrieb einmal: "Mich interessiert nur Quatsch, nur das, was gar keine praktischen Sinn macht. Mich interessiert das Leben nur in seiner unsinnigen Erscheinung." Die Geschichten dieses Buches spiegeln diese Einstellung bestens wieder; Charms ist ein Meister der absurden Kürzest-Geschichte.
Er schreibt Geschichten, die plötzlich und unvermittelt beginnen und oft schon nach wenigen Zeilen wieder enden (ein typisches Charms-Ende ist beispielsweise "Ach! Ich würde gerne weiterschreiben, aber das Tintenfass ist verschwunden.") Charms beschreibt, sehr sachlich, nur die äußeren, die sichtbaren und hörbaren Ereignisse, beteiligten Figuren sind nur Schablonen sind. Die unmöglichsten Dinge passieren völlig ohne Grund, und haben meist teilweise äußerst unlogische Auswirkungen, oder gar keine. In einer Geschichte z.B. durchschlägt ein fallender Stein die Schädeldecke eines Mannes; dieser meint aber nur, keine Sorge, das passiere ihm ständig, und setzt seelenruhig eine Einkäufe fort...
Die meisten Geschichte erhalten durch diesen Stil einen ganz eigenen und unwiderstehlichen Humor -- hin und wieder findet man aber auch Geschichten, die die eher eine düstere, beunruhigende und gruselige Stimmung besitzen ("Wie der Schlaf den Menschen flieht").
Charms hat einen unverwechselbaren, lakonischen, einfachen und frischen Stil, und zusammen mit der Kürze der Geschichten führt das dazu, dass man das Buch immer wieder gern in die Hand nimmt, einfach um noch so eine lustige -- oder schreckliche -- Geschichte zu lesen.
Für mich gehört Charms neben Beckett und Ionesco zu den Meistern des Absurden. Dieses Buch ist eine gelungene Einführung in sein Werk, und jedem, der absurde Literatur mag und/oder Humor hat, wird hier seine wahre Freude haben. Ich persönlich habe schon lange kein Buch mehr gelesen, bei dem ich soviel lachen musste. 5 Sterne!
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Sanfter Charme der Subversion, 17. Mai 2003
Rezension bezieht sich auf: Fälle. Prosa, Szenen, Dialoge. (Pappbilderbuch)
Leningrad, Februar 1942. In einem stalinschen Kerker in der von der Nazi-Wehrmacht belagerten Stadt vehungert vergessen ein 37-jähriges Genie: Daniil Ivanowitsch Charms. Eine Charms-Geschichte ? Ein Fall ?
Fast wie dieser (aus "Fälle"):
"Ein Mensch mit dummem Gesicht ass ein Entrecôte, rülpste und starb. Die Kellner trugen ihn auf den Korridor hinaus, der zur Küche führte, legten ihn längs der Wand auf den Boden und deckten ihn mit einem schmutzigen Tischtuch zu".
Eine Geschichte, die zeigt, wie Charms der ihn umgebenden Wirklichkeit ein Leben abzuringen versuchte. Sein Leben, das er selbst als Gesamtkunstwerk inszenierte. Ein subversiver Akt inmitten der stalinschen Unkultur, die den "Neuen Menschen" schaffen wollte. Die Texte, Sketches, Stücke und Gedichte, die wir in diesem von Peter Urban hervorragend übersetzten Buch vorfinden, gewinnen angesichts der aktuellen Zustandes der Welt wieder an Wirkung. Die Lektüre dieses Buches kann unvorhersehbare Folgen und Nebenwirkungen im Kopf haben. Leserinnen und Leser mögen sich also vorsehen.
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