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21 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Missverständlich?, 28. März 2008
Wie Carl von Clausewitz und Sunzi ist Niccolo Macchiavelli als eine der umstrittenen und gerne kopierten Größen auf dem Gebiet politisch-militärischer Philosophie bekannt. Machiavellis "der Fürst" etwa gilt auch heute noch als Pflichtlektüre für Politikwissenschaftler und Machiavellismus bezeichnet im allgemeinen Sprachgebrauch eine skrupellos Machtpolitik, die den Erhalt des Staates mit aller Gewalt an oberste Stelle setzt. Dabei war Machiavelli selbst Zeit seines Lebens Republikaner und hat mit seinen "Discorsi" ein fundiertes Werk über die Politik in den Stadtstaaten des Renaissance-Italiens vorgelegt. Sein Fürst ist dabei Lorenzo II. de Medici gewidmet, dessen Familie die Republik Florenz wieder zerschlagen hatte, wobei Machiavelli gleichzeitig den Sohn Papst Alexander VI., Cesare Borgia, als Idealtypus eines Fürsten präsentiert.
Um "der Fürst" zu verstehen, darf man nicht vergessen, unter welchen Umständen dieses Werk entstanden ist. Nach der Rückkehr der Medicis an die Macht wollte sich der in ihrem Namen einst gefolterte Philosoph mit ihnen gutstellen und verfasste einen Fürstenspiegel, um sein Wohlwollen zu demonstrieren. Ob dies ernst gemeint war oder nicht, sei dahin gestellt, hatte Machiavelli doch auch Satiren und Komödien verfasst, in denen er deutlich als Zyniker erkennbar ist. Die totalitären und absolutistischen Töne, welche man am Fürst zu erkennen glaubt, sind wie der Fürst als Herrscher selbst, aus Sicht Machiavellis immer nur eine Übergangslösung zur Republik gewesen.
Immer wieder flechtet Machiavelli Auszüge aus der ereignisreichen italienischen Geschichte ein und lässt seine Bewunderung für Cesare Borgia durchblicken, dessen Feldzüge im Namen des Kirchenstaats viele Fürsten um ihre Herrschaft fürchten ließen und die Angst vor einem geeinten Italien heraufbeschwor. Für Machiavelli wäre diese kühne Vision eines anfangs autokratischen, aber geeinten Italiens eine Vorstufe für die künftige Republik gewesen. Der Fürst sollte mit eiserner Hand eine staatliche und politische Ordnung errichten, um später die Zügel in die Hände seines Volkes zu legen. Dabei forder Machiavelli immer wieder auch dass die Kriegskunst nicht zu vernachlässigen ist, sichert doch vor allem anderen sie den Herrschaftsanspruch eines Fürsten. Auch das, um die künftige Republik, vor ihrer vollendeten Transformation nicht zum Opfer fremder Expansionsgelüste werden zu lassen. Machiavelli billigt jedoch den Machterhalt, als oberste Priorität des Fürsten, etwas das pervertiert zur Verfolgung dynastischer und egoistischer Interessen folgen kann, die Machiavelli wiederum geißelt. Es ist besser zum Fürsten erhoben zu werden, denn als solcher geboren zu werden.
Schlecht sind Menschen nicht von Natur aus, aber laut Machiavelli durch die Art, wie sie ihre Ambitionen verfolgen. Ein Fürst der sich Machiavellis Idealen verpflichtet fühlt, sollte allerdings vor allem anderen seine geschichtliche Bedeutung im Auge haben, nicht aufgrund seines Gottesgnadentums, sondern der Aufgabe einen Staat zu führen und in die Republik zu geleiten. Dabei ist es kein Widerspruch, wenn dieser autokratische Übergangsfürst auch zu "bösen" Mitteln greifen muss, um den Staat als solchen zu erhalten. Ein Fürst darf nicht den niederen Interessen eines einfachen Mannes oder einer einfachen Frau verfallen und sich an fremden Partnern und Vermögen vergreifen, sein Amt dient dazu eine geschichtliche Aufgabe zu erfüllen, nicht sich selbst oder seine Dynastie zu bereichern. Dabei vertritt Machiavelli praktische Ansichten zur Kriegsführung und Landesverteidigung, welche seiner Ansicht nach auf einem stehenden Heer statt Söldnern basieren sollte, während Kriege nur geführt werden dürfen, wenn man sie gewinnen kann, nach der Maxime, ein verwundeter Feind ist dein schlimmster Feind, also kämpfe gegen keinen Feind den du nicht töten kannst.
Natürlich problematisch sind Machiavellis Ansichten dazu, dass es besser ist als Herrscher gefürchtet denn geliebt zu werden. Dem Volk unterstellt er ein treuloses Verhalten, Wankelmut und daher in kritischen Momenten geringes Interesse an staatlichen Belangen. Als Renaissance-Mensch der den Fall und Aufstieg von republikanischen Stadtstaaten erlebt hat, könnte diese Ansicht klarerweise aus eigener Enttäuschung und zynischer Resignation entstanden sein, wenn jene Massen, die einst der Republik, später einem neuen Herrscher zujubelten.
Friedrich der Große kritisiere Machiavelli, Napoleon I. schrieb ausführliche Kommentare zu "Der Fürst" und Benito Mussolini befasste sich mit diesem Werk. Für den einen mag das als Grund für Bewunderung Macchiavellis reichen, für andere ist es Beweis, dass er ein diktatorisches und ungerechtes System der Unterdrückung und Ausbeutung legitimiert, auch wenn das Ziel jeder Autokratie laut ihm schlussendlich die Republik sein sollte, denn nur in dieser kann die Regierungsgabe am besten genutzt werden und ein Staat sein volles Potential erlangen. Aber Machiavelli hat auch die Manipulierbarkeit des Volkes erkannt, das eben doch nicht eine überlegene Weisheit besitzt. Ob man Machiavelli auch heute noch ernst nehmen kann, gilt es zu hinterfragen, denn die Weltordnung welcher sein Werk und die Theorien entspringen ist heute Geschichte, wobei manches sich zu wiederholen scheint und sich so zeitlos zu bewahrheiten scheint. Die gefühlsmäßige Kritik am als faschistisch verdammten Staatensystem Renaissance-Italiens und der Theorien eines Niccolo Machiavelli greift mir eindeutig zu kurz, denn der Autor und Staatsphilosoph forderte klare Prinzipien und eine grundlegende Rechtsstaatlichkeit von einem Fürsten, dieser darf im Interesse des Staates über alle anderen Autoritäten hinweg handeln, aber dezidiert nicht aus persönlichen, familiären oder finanziellen Interesse.
Fazit:
Der Fürst ist eines jener Bücher, das die Gemüter erhitzt und dennoch sehr missverstanden aus dem Kontext gerissen immer wieder verdammt oder glorifiziert wird. Um sich selbst eine Meinung zu bilden, sollte man es natürlich auch heute noch lesen, da es zudem als Standardwerk der politischen Bildung gilt, aber nicht darauf vergessen, es auch im historischen Kontext zu betrachten.
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96 von 102 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Höchst relevant!, 8. August 2001
Von Ein Kunde
Ich hatte mir dieses Buch gekauft, weil es ein Klassiker der Weltliteratur ist und man immer wieder Artikel oder Bücher liest, in denen Bezug auf Machiavelli genommen wird - man will ja schließlich mitreden können. Um so überraschter war ich, wie brandaktuell dieses Buch ist. Obwohl vor fast 500 Jahren geschrieben, ist es immer noch höchst relevant für alle, die in verantwortungsvollen Positionen sitzen. Machiavellis Ratschläge zur Regierung eines Landes oder zur Übernahme einer (Staats)Macht kann meiner Meinung nach direkt auf das Top-Management übertragen werden. Seine Argumente sind plausibel und fundiert, er analysiert jedes Problem, das auftauchen könnte, und denkt es zu Ende. Ich war zuerst skeptisch, weil Machiavelli oft in Zusammenhang mit brutaler Machtpolitik genannt wird. Das ist auch nicht ganz aus der Luft gegriffen, schließlich war Cesare Borgia das Vorbild für den "Fürsten". Natürlich wird heutzutage eleganter mit den Konkurrenten umgegangen als zu Machiavellis Zeiten, aber die Grundideen dürften, denke ich, immer noch gültig sein: Durch dieses Buch bekommt man einen Einblick in die Gedankenwelt der Mächtigen.
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13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Endlich verständlich, 13. Februar 2008
Wer schonmal versucht hat, Altitalienisch und Latein in unsere Sprache zu übersetzen, der weiß: das hat's in sich. Entsprechend sind herkömmliche Übersetzungen von Der Fürst für gewöhnlich recht altdeutsch, gestelzt, langsätzig und schwer verständlich.
Ralf Löffler ist es gelungen, Der Fürst ohne Abstriche in Sachen Präzision und Korrektheit der Übersetzung in modernes verständliches Deutsch zu übertragen - schon allein deshalb muss man hier fünf Punkte geben.
Das Vorwort von Dr. Horvath erläutert in einfachen Worten die Bedeutung von Der Fürst für die heutige Zeit und insbesondere für das heutige Europa.
Zusammen bilden Vorwort und Übersetzung einen Machiavelli, der überraschend aktuell ist. Wie erst kürzlich im Focus korrekt festgestellt, fordern wirre und finanzpolitisch schwierige Zeiten ein neues Umgehen mit Machtdenken. Gutmenschen mag das nicht behagen, aber Machtdenken richtig verstanden heißt nicht Ausbeutung oder Unterjochung, sondern den Finger am Puls der Zeit zu haben und Menschen, Kollegen, Mitarbeiter richtig einschätzen zu können. Machiavelli ist hier nicht nur Kriegsphilosoph und Anleiter moderner Führer sondern auch Psychologe!
So ist Der Fürst gerade heute ein wichtiges Begleitbuch für all diejenigen, die erfolgreich sein möchten. Mit Fingerspitzengefühl und Sachverstand können auch schwierige Unternehmen in den Erfolg überführt werden und das zu aller Nutzen. Der Fürst zeigt meiner Ansicht nach wie kein anderes Buch, wie es einem gelingen kann, hemmende Kräfte loszuwerden und seine Energien nicht an Unnützes zu verschwenden. Gleichzeitig haben diejenigen, die ernsthaft nichts Gutes im Schilde führen, keine Chance, da man Der Fürst folgend weiß, wie man mit ihnen umzugehen hat.
Das Buch muss man einfach gelesen haben.
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