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Eyes Wide Shut
 
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Eyes Wide Shut

Tom Cruise , Nicole Kidman , Stanley Kubrick    Freigegeben ab 16 Jahren   DVD
3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (104 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Darsteller: Tom Cruise, Nicole Kidman, Sydney Pollack
  • Regisseur(e): Stanley Kubrick
  • Komponist: Jocelyn Pook
  • Format: Dolby, PAL, Surround Sound
  • Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
  • Untertitel: Englisch, Deutsch, Schwedisch, Norwegisch, Dänisch, Finnisch, Isländisch
  • Region: Region 2
  • Bildseitenformat: 4:3 - 1.33:1
  • FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
  • Studio: Warner Home Video - DVD
  • Erscheinungstermin: 23. August 2001
  • Produktionsjahr: 1999
  • Spieldauer: 153 Minuten
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (104 Kundenrezensionen)
  • ASIN: B00005ML1O
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 12.796 in Filme & TV (Siehe Top 100 in Filme & TV)

Rezensionen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Nach Full Metal Jacket ist selbst für Stanley Kubricks Verhältnisse viel Zeit vergangen, bis er mit Eyes Wide Shut seinen 13. und letzten Film vollendet hat. Jahrelang war diese Verfilmung von Arthur Schnitzlers Traumnovelle, die anlässlich des Films mit dem Drehbuch zusammen in einem Band veröffentlicht worden ist, nicht mehr als ein Gerücht und ein gut gehütetes Geheimnis. Bis sie dann im Spätsommer 1999 endlich in die Kinos kam. Ein besserer Zeitpunkt für den Start war gar nicht vorstellbar. So steht Eyes Wide Shut am Ende des Jahrhunderts der Psychoanalyse und des Kinos, das er ganz umschließt, das mit der Veröffentlichung von Freuds Traumdeutung begann und mit Kubricks Schnitzler-Adaption seinen End- und Höhepunkt erreicht hat.

Ein Streit bringt die scheinbar perfekte Ehe von Bill (Tom Cruise) und Alice (Nicole Kidman) Harford aus dem Gleichgewicht. Im Zorn erzählt Alice ihrem Mann, dass sie einmal darüber nachgedacht hat, ihn wegen eines völlig Fremden zu verlassen. Aufgebracht und innerlich erschüttert begibt sich Bill auf die Suche nach etwas, von dem er selbst nicht weiß, was es eigentlich ist. Zwei Nächte und einen Tag lang lässt er sich von seinem Unterbewusstsein treiben, aber von seinem Über-Ich leiten. Dann findet er zurück zu Alice.

Tom Cruise ist überragend als Bill Harford. Er erspielt sich die Leere dieses Arztes ohne Eigenschaften, erschafft aus ihr heraus eine Figur, die keine Persönlichkeit hat und nur aus Begierden und der Angst vor ihnen besteht. Schon Schnitzler war der Psychoanalyse verbunden und stand ihr zugleich kritisch gegenüber, Kubrick geht nun noch einen Schritt weiter. Er bedient ihre Fragen und lässt keine Antworten zu. Auf der einen Seite ist alles ganz klar in Eyes Wide Shut, auf der anderen ist alles rätselhaft und geheimnisvoll. Traum und Wirklichkeit fließen zusammen in diesem wahren Meisterwerk, das genauso elegant, aber um vieles wärmer ist als Kubricks frühere Filme. --Sascha Westphal

Produktbeschreibungen

Warner Home Eyes Wide Shut, USK/FSK: 16+ VÃ--Datum: 23.08.00

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30 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Traum und Wirklichkeit, 29. September 2010
Von 
jury - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Eyes Wide Shut [Blu-ray] (Blu-ray)
"Ich bin Ungar!" Den nur 1,70 m großen Tom Cruise dürfte es nicht kalt gelassen haben, wie seine 1,79 große Gattin Nicole Kidman beim berühmt-berüchtigten Balztanz zum "Chanson d`amour" den stolze zwei Meter messenden Sky Du Mont anschmachtete. Wer kann das reale Leben und die Schauspielerei vollständig auseinander halten? Kann man Traum und Wirklichkeit trennen? Genau darum geht es in diesem wundervollen Film.

Tom Cruise Mapother IV, einer der mächtigsten Scientologen, und die in Hawaii geborene Australierin Nicole Kidman waren seit 3 Jahren verheiratet, als sie auf Vermittlung von Sidney Pollack den Vertrag für "Eyes Wide Shut" unterzeichneten. Sie verpflichteten sich, so lange zur Verfügung zu stehen, wie immer Stanley Kubrick benötigen würde, um den Film fertig zu stellen. Tatsächlich steht "Eyes Wide Shut" mit einer Produktionszeit von 15 Monaten als die "längste Filmproduktion an einem Stück" im Guinness Buch der Rekorde, wobei 46 Wochen ununterbrochen gedreht worden ist. Am 1. März 1999 fand die erste Vorführung der finalen Schnittfassung statt. Am 7. März erlag Stanley Kubrick einem Herzinfarkt. Weihnachten 2000 trennte sich Cruise von seiner Frau.

Seit 1968 hatte Stanley Kubrick die Idee verfolgt, aus Schnitzlers "Fin de siècle" - Meisterwerk "Traumnovelle" einen Film zu machen. Er hatte den Roman während der Dreharbeiten zu 2001: Odyssee im Weltraum gelesen. Merkwürdig, dass ihm in diesen 30 Jahren niemand wie bei anderen Kubrick-Projekten zuvor gekommen ist.

Der Arzt Bill (Tom Cruise, 37), seine Frau Alice (Nicole Kidman, 32) und Tochter Helena (Madison Eginton, 9) sind in New Yorks besserer Gesellschaft etabliert. Die erotische Spannung zwischen den beiden ist über die Jahre der Ehe etwas abgeflaut. Auf einer edlen Weihnachts-Party trifft Bill zufällig den Studienkollegen Nick, der sich als Pianist durchschlägt. Alice lässt sich derweil mit dem Ungarn Sandor Szavost (Sky du Mont, 52) auf einen heftigen Flirt ein.

Aber auch Bill trifft zwei Models, die sich seiner "am Ende des Regenbogens" liebevoll annehmen wollen. Doch es bleibt bei lasziven Flirts. Victor (Sydney Pollack, 65), der Gastgeber, bittet Bill, seiner Gespielin Mandy (Julienne Davis, 26) zu helfen, die durch eine Überdosis in Lebensgefahr geraten war. So kommt es, dass Bill und Alice sich über eine Stunde nicht mehr sehen. Nach der Party lassen die beiden die Nacht in ungestümer Leidenschaft ausklingen. Doch bereits während sich die Eheleute noch in wildem Rausch ihrer Liebe versichern, sind sie doch schon den Verlockungen von Traum und Wirklichkeit verfallen. Gleichzeitig gärt in ihnen eine zerstörerische Eifersucht.

Am folgenden Abend entwickelt sich die Absicht der beiden, mit ein paar Joints einen netten Abend zu zweit zu genießen, zu einem heftigen Streit über die eheliche Treue. Schließlich offenbart Alice, dass sie während eines Urlaubs gänzlich einem unbekannten Marine-Offizier verfallen war, den sie nur ein paar Mal kurz im Hotel gesehen hatte. Sie hätte sogar die Ehe und das Kind vergessen für eine einzige Nacht - aber es war zu nichts gekommen.

Zum Glück wird er zu einem Patienten gerufen. Ständig gequält von Phantasien, in welchen seine Frau mit einem Marineoffizier zugange ist, lässt er sich anschließend durch das nächtliche Village treiben. Er "checkt seine Optionen": Soll er mit der ihm verfallenen, reichen Tochter des verstorbenen Patienten ein neues Leben beginnen? Soll er kuschen oder kämpfen, als ihn eine betrunkene Proleten-Horde anrempelt und als Schwulen beschimpft? Soll er die Angebote der verlockenden Prostituierten Domino annehmen? Schließlich landet er in der Bar, in der sein Studienfreund Nick auftritt. Von ihm erfährt er von mysteriösen Veranstaltungen, auf welchen maskierte Männer mit wunderschönen Frauen Handlungen jenseits jeder Phantasie zelebrieren sollen. Bill bedrängt Nick, ihm das Zugangs-Passwort und die Anschrift zu geben, und macht sich auf den Weg. Schon im Kostümverleih "Rainbow" kommen merkwürdige Erfahrungen auf ihn zu - aber nichts, was den Eindrücken, Verlockungen und Gefahren gleich käme, die ihn noch erwarten...

Spielberg äußerte, dass die Filme Kubricks mit jedem Betrachten besser werden, weil man sich mehr dem Verständnis des Ganzen nähern kann. Doch schon das erste Mal wird manchen aus der Fassung bringen.

Unvorbereitet wirkt der Film verwirrend. Zudem werden starke erotische Spannungen aufgebaut - nach dem Muster der zentralen Rituale werden hier und heute Veranstaltungen für erlebnishungrige Erotomanen zelebriert, die Vorlage soll ein Spektakel beim Papst Alexander VI. gebildet haben. Manche Szenen wie die Provokation durch eine Gruppe betrunkener Männer sind ohne den historischen Hintergrund der Traumnovelle kaum verständlich. Verbreitet ist das Missverständnis, Bills Erleben sei möglicherweise geträumt. Dem ist nicht so - aber gerade in der Ambivalenz zwischen Traum und Realität liegt der Reiz und die Botschaft. Der Film wirkt eben stark auf das Unterbewusstsein, wodurch man leicht die Kontrolle über seine Erinnerungen verliert.

Wer die Zusammenhänge besser verstehen will, wird davon profitieren, die "Traumnovelle" von Arthur Schnitzler zu lesen, nach der Kubrick das Drehbuch entwickelt hat. Kubrick hält sich dort, wo keine Anpassungen an die Jetztzeit erforderlich waren, eng an Schnitzlers Novelle.

Natürlich lassen die im Film subtil und sorgfältig aufgebauten Spannungsfelder zwischen Verlockung und Treue, Liebe und Abscheu, Vertrauen und Eifersucht niemanden kalt. Kubrick liegt die Erkenntnis am Herzen, dass sich Entscheidendes jenseits unserer Wahrnehmung abspielt - aber auch Träume in die Realität hinein wirken. Der Schlüssel zur lebendigen - also erotischen - Beziehung ist für Kubrick, anders als bei Schnitzler, die körperliche Vereinigung, was Nicole Kidman in ihrem Schlusswort "fícken!" unmissverständlich betont.

Über die Inhalte hinaus faszinieren die kunstvolle Konstruktion des Films, die ausgefeilten Dialoge, die überwältigenden Bilder und die fantastische Musik, bei der Kubrick wieder einmal (wie schon in 2001: Odyssee im Weltraum) auf die skurrilen Kompositionen Ligetis zurückgreift, deren penetrante Klaviertöne eine quälende Spannung aufbauen können. Berühmt wurde die erotische Titelmusik, der "Walzer Nr. 2" aus der Suite für Varieté-Orchester von Dmitri Schostakowitsch.

Man wird nach dem ersten Betrachten überwältigt, erregt und verwirrt zurückgelassen. Mit jedem weiteren Anschauen erschließt sich mehr die Tiefe des Films - und seine Schönheit. Kubrick zählt zu den wenigen Begnadeten, die mit einem Meisterwerk ihr Leben vollenden durften.

film-jury 5* A0312 17.5.2011e 13A 2F Genre: Drama Mystery Thriller

Im Original läuft der Film 159 Minuten, in europäischen Kinos im Seitenverhältnis 1.66:1. Für DVD-Transfers aller seiner Filme hatte Stanley Kubrick verfügt, dass sie ausschließlich im Bildformat 1.33:1 erfolgen dürften. Die Blu-ray von 2007 bietet erstmals ungekürzt das in den USA gezeigte Kinoformat von 1.85:1 in 1080p - ein ungeheurer Gewinn für den Bildeindruck, obwohl dies objektiv natürlich einen weiteren Beschnitt des 1.33:1 - Rohformats darstellt. Das Atmosphärische vieler Aufnahmen erklärt sich durch den weitgehenden Verzicht auf zusätzliche Ausleuchtung. Der Film wurde dafür mit höherer Empfindlichkeit aufgezeichnet und entsprechend hart entwickelt, wodurch sich das relativ starke Korn erklärt. Vor diesem Hintergrund sind Bild und Ton der Blu-ray untadelig.

Eine unterhaltsame Zusammenfassung der angeblich dem Film zugrunde liegenden Illuminati-Symboliken findet man in YouTube als "Kubrick's Eyes Wide Shut and Illuminati Symbology". Ob an diesen Theorien etwas dran ist, ob Kubrick vielleicht auch nur damit gespielt haben mag, oder ob schlicht nur mit einigen die Pferde durchgehen, mag jeder für sich selbst beurteilen. Interessant ist es jedenfalls. Englische Anspielungen wie den Kostümladen, der ausgerechnet "Rainbow" heißt, kann man als Betrachter der deutschen Fassung leicht übersehen. Mir scheint die Erklärung am wahrscheinlichsten, dass sich Kubrick möglicherweise schon aus Symbolen, Kulten und Formeln ("Your eyes are wide shut") der Freimaurer bedient hat, um dem Film ein entsprechendes okkultes Aussehen zu verleihen.
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56 von 65 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Kubrick verabschiedet sich mit einem Kunstwerk !, 4. Dezember 2003
Rezension bezieht sich auf: Eyes Wide Shut (DVD)
Ich gehöre nicht zu den Leuten die alle Filme von Kubrick von Haus auf einmal gut finden. „Shining", „2001-Odyssee im Weltraum", „Spartacus", „Lolita" und auch „Full Metal Jacket" gehören für mich zu absoluten Klassikern der Filmgeschichte, aber mit Filmen wie „Barry Lyndon" oder auch „Clockwerk Orange", welches beide sicher außergewöhnliche Filme sind, kann ich mich nicht so recht anfreunden.

Im Normalfall denke ich liebt oder hasst man Kubricks Filme, der trotz alledem zu den größten Regisseuren der Filmgeschichte gehört obwohl er nie einen Oscar als bester Regisseur erhalten hat.

Dreizehn lange Jahre zogen ins Land bevor nach Kubricks letztem Film „Full Metal Jacket" sein neues Werk den Weg in die Kinos fand.
Nach dieser langen Zeit voller Gerüchte kam mit „Eyes Wide Shut" leider Kubricks letzter Film in die Kinos. Der Meister selbst durfe die Premiere nicht mehr erleben, da er im März 1999 kurz nachdem er den Film fertig geschnitten hatte viel zu früh verstarb.

Basierend auf Arthur Schnitzlers „Traumnovelle" von 1926 sorgte der Film durch seine Geheimniskrämerei seit Beginn der Dreharbeiten vor drei Jahren und einem sehr gewagten Trailer mit Cruise und Kidman für große Erwartungen.

Diese Erwartungen erfüllt der Film, welcher gekonnt mit Obsessionen und sexueller Eifersucht spielt, voll und ganz.

„Eyes Wide Shut" ist ein Film der für mich als Gesamtkunstwerk steht und mit dem sich ein großartiger Regisseur selbst ein Denkmal setzt.

Mit dem traumhaften „Waltz from Jazz Suite 2" von Dimitri Shostakovic, und einer textilfreien Rückenansicht von Nicole Kidman wird der Zuschauer in dieser doch sehr intimen Eröffnungsszene in den Film gesogen der einen bis zum Schluß nicht mehr loslässt. Alice Harford (Nicole Kidman) besucht zusammen mit Ihrem Mann, dem Arzt William (Tom Cruise), die alljährliche Weihnachtsfeier des einflussreichen Freundes Victor Ziegler (Sydney Pollack). Während sich William dem Flirt mit zwei Schönheiten hingibt, schwebt die beschwipste Alice mit einem eleganten Ungarn (Sky Dumont) über die Tanzfläche. Nach der Party gesteht Alice Ihrem Mann, das Sie während Ihres letzten Urlaubs das Verlangen hatte Ihn mit einem gutaussehenden Marineoffizier zu betrügen. Völlig verstört verschwindet William daraufhin in die Nacht und sucht nach dem sexuellen Kick welchen er sowohl bei einer unerfahrenen Prostituieren wie auch bei einer kleinen Nymphomanin (Leelee Sobieski) sucht.
Höhepunkt ist sicherlich dann die sexuelle Orgie in einem schloßartigen Anwesen bei der William nach dem Tip eines befreundeten Klavierspielers landet. Nachdem er dort als Eindringling enttarnt wurde opfert sich eine nackte Schönheit um seine Schuld zu bezahlen. Mit dem Gedanken das Unschuldige mit dem Tod für seine Eskapaden bezahlt haben kehrt er Nachts vollkommen verstört nach Hause zurück, wo seine Frau ein traumhaftes Erlebnis für Ihn parat hält.

„Eyes Wide Shut" lässt den Zuschauer vertört zurück und man grübelt noch lange nach über das eben gesehenen. Der Film zeigt, wie leicht wir doch all das was wir lieben gelernt haben, aufs Spiel setzen um den ultimativen Kick zu erleben und dabei in Gefahr geraten alles zu verlieren.

Kubricks letzter Film ist so facettenreich und genial, das diese Rezension nicht ausreicht um dieses Werk gebührend zu würdigen. Für Stanley Kubrick schließt sich der Vorhang mit Eyes Wide Shut", jeder der den Film sieht sollte die Augen allerdings weit geöffnet haben.

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34 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Höhepunkte, 14. November 2007
Von 
Niclas Grabowski "niclas grabowski" (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Es geht um Sex. Kubrik ist wohl nicht der einzige Mann auf dieser Welt, den im schon gereiften Alter die Rätsel um die schönste Beschäftigung der Welt noch einmal intensiv beschäftigt haben. Was ist nun wirklich so faszinierend an der körperlichen Nähe zwischen Mann und Frau? Was geht wirklich in uns vor, wenn wir von Leidenschaft träumen? Lässt der Reiz des Körperlichen nach im Verlauf der Jahre einer Ehe? Was erhält die Spannung am Leben? Und wie funktioniert Verführung?

Tatsächlich sind Erotik, deren Versprechungen und im Ausnahmefall auch deren bewusste Abwesenheit in jeder Szene des Films spürbar. Gleich zu Beginn sehen wir ein wunderschönes Ehepaar. Aber ein Ehepaar mit einem Problem. Das Geheimnis fehlt. Man sieht sich auch zu, wenn man auf dem Klo ist. Kein Wunder, dass es Dritte erfordert, um das Spiel mit der Lust in Gang zu bringen. Ein erster Höhepunkt ist der Tanz einer leicht angetrunkenen Nicole Kidman mit dem großartig aufgelegten Sky Dumont als galanten, europäischen Verführer auf einer New Yorker Party. Und so ganz nebenbei im Hintergrund darf sich dann auch Tom Cruise mit zwei Modells vergnügen.

Aber so nett ein Flirt mit dem Fremdgehen ja auch sein mag, Sex ist mehr als Unterhaltung, und so kommen gleich die ersten Abgründe ins Spiel. Im Hinterzimmer hat es der Gastgeber etwas zu weit getrieben. Und seine Gespielin liegt jetzt nackt und bewusstlos im Drogenrausch auf dem Sofa. Und der Arzt, den Cruise hier spielt, muss dem Gastgeber aus der Verlegenheit helfen und die bewusstlose Schöne wieder auf die Beine stellen. Überraschenderweise ist es Tom, der Arzt, auf den diese Szene am meisten Einfluss hat.

Nach diesem Abend ist die Dose der Pandora geöffnet. Seine Ehefrau gesteht in einer großartigen Szene, in der viel geraucht wird, ihre Phantasien, in denen ein Unbekannter eine Rolle spielt. Und nun ist die schöne, heile Welt natürlich endgültig aus den Fugen, und auch Tom Cruise (alias Dr. William 'Bill' Harford, aber ich verwende hier schon mit guten Gründen immer die wirklichen Namen der Schauspieler) beginnt mit der Suche nach Leidenschaft, Sex und dem Bösen - natürlich außerhalb der Ehe. Natürlich gerät Tom dabei in ein Problem nach dem anderen. Und natürlich werden wir mit einer Welt konfrontiert, die die Sehnsucht nach Erotik und Leidenschaft schon längst pervertiert hat. Und in der finalen Orgie gibt es plötzlich nackte, kopulierende Paare ohne Ende, ohne dass auch nur eine Spur von Erotik auf der Leinwand sichtbar wäre. Was bleibt? Machtspiele. Und so hat sich der gute Arzt am Ende in etwas verstrickt, was er selbst nicht mehr kontrollieren kann.

Hat nach diesen Geschehnissen die Ehe von Tom und Nicole wirklich noch eine Zukunft? Der Film endet mit einer wirklich starken, aber leise inszenierten Szene, in der ein Four-Letter-Word eine entscheidende Rolle spielt. Mein Rat: Unbedingt diese eine Szene im Original anhören! Denn der Film hat noch eine weitere Besonderheit. Er erzählt auch von einem echten Ehepaar in der Krise. Nicole Kidman und Tom Cruise waren auch in der Wirklichkeit zum Zeitpunkt der Ehe verheiratet, ein wunderschönes Paar in Hollywood, das dennoch eine gewisse Unzufriedenheit mit der Situation ihres Lebens ausstrahlte. Es war eine großartige Wahl von Kubrik, die Kidman hier die Sehnsucht nach den bösen Jungs darstellen zu lassen. Und Tom finde ich in keinem seiner vielen Filme so überzeugend als Darsteller wie hier. Ich persönlich glaube, dass viele Szenen davon leben, dass sie echt sind und dass beide Darsteller keine Probleme hatten, sich in ihre Figuren herein zu denken. Und das erklärt auch die intensive, aber lebensnahe Erotik, die in vielen Szenen herüberkommt. Und mit Erotik meine ich jetzt nicht die Nacktheit der Hauptdarsteller (wobei es diese natürlich auch gibt).

Wie immer bei Kubrik ist das ganze auch handwerklich großartig gemacht. Oft ignoriert: Die Filmmusik ist großartig eingesetzt. Sie ist schräg und sie bricht im entscheidenden Moment die spannende Handlung und die wunderschönen Bilder. Hier geht es ja auch um das Thema Traum, um die Innenwelt und nicht nur um den äußeren Schein, und die Musik ist ein wesentliches Mittel, das dem Zuschauer transparent zu machen.

Ein großartiger Film für erwachsene Menschen in der Krise. Und ein ästhetischer Genuss für den Filmfan.
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