Doch, doch, Gary Lightbody und seine Mannen machen schon seit 1997 zusammen Musik. Nur hat das damals eben keinen interessiert und deshalb stand man vor drei Jahren auch vor dem Aus. Das letzte Album hiess also nicht ohne Grund "The Final Straw". Was dann kam, überraschte nicht zuletzt die Band selbst. Plötzlich war man angesagt. Die Singles "Spitting Games" und "Run" liefen überall heiß und Snow Patrol waren die Festival-Abräumer schlechthin. Keiner mehr, der sie nicht kannte.
Nun also der Nachfolger. "Eyes Open" heißt der und ist... bombastisch! Hymnen im Dreivierteltakt mit Chören und Streichern so satt, daß man es gar nicht glauben mag. Obwohl die Single "You're All I Have" es ja angedeutet hatte. Es dengelt der Bass, es fliegen die Gitarren und es oooh-oooh-oooooht der Refrain. Da gibt es Entschleunigungspausen und Beschleunigungsphasen. Festivale aller Welt, vereinigt euch! Hier kommt die Band mit der Musik wie geschaffen für die Massen. Das Riff von "Hands Open" wird diesen Sommer Zehntausende glücklich machen - versprochen! - und durch "Chasing Cars" wird die Feuerzeugbranche ein geschätztes Umsatzplus von, sagen wir, 3000 Prozent machen - ganz sicher!
Was allerdings passiert, wenn Bono jemals "It's Beginning To Get To Me" hören sollte, kann nur vermutet werden. Wahrscheinlich ist eine Auflösung von U2. Jedenfalls wird der Mann mit der Sonnenbrille bitterlich weinen, genauso wie Chris Martin, dem das spieluhrige "You Could Be Happy" das noch verbliebene Haupthaar gänzlich ausfallen lassen wird. "All the things that I wish I had not said/ Are played in loops til it's madness in my head." Großes Gefühlskino und süßer die Streicher nie klangen. Aber das ist noch nicht alles!
Der Höhepunkt des Albums ist zweifelsohne "Make This Go On Forever", ein Sechs-Minuten-Wehklagen, das sich fortwährend steigert, in einen überirdischen Chor ergießt, schließlich in sich zusammenbricht und einen mit den Worten "Please, just save me from this darkness" kummervoll zurücklässt. Zum Aufrappeln gibt's dank "Set The Fire To The Third Bar", dem wohl schauerlich schönsten Duett seit "Where The Wild Roses Grow", erst gar keine Chance. Schuld ist Martha Wainwright!
Und während man sich noch hilflos am Boden liegend fragt, warum diese Band mal kein Schwein interessiert hat, schwingen sich Snow Patrol auf, ziehen mit "The Finish Line" einen himmlischen Schlussstrich und lassen alles offen. "I think the finish line's a good place we could start." Ja, bitte! - Michael Seifert -