Die Box enthält die beiden Staffeln der Comedy-Serie (es soll wohl auch keine weiteren geben) mit je sechs Folgen je 30 Minuten und ein längere Special von siebzig Minuten. Zudem sind für beide Staffeln eine komplette DVD mit Extras (teilweise 'ernst' gemeinte Dokus, teilweise ironische Fake-Dokus zum Making of der Staffeln)
Grundplot ist, dass Andy (Ricky Gervais) und seine beste Freundin Maggie (Ashley Jensen) als Statisten (im Englischen "Extras") bei großen Filmproduktionen arbeiten. Andy aber will mehr und strebt die Karriere eines 'echten', ernsthaften Schauspielers an. Zum ständigen Personal gehört auch der skurille Darren, der Andys völlig unfähiger Agent ist.
Besonderes Kennzeichen der Serie ist, dass in jeder Folge echter Filmstar (als er selber) auftritt (diese Auftritte sind aber nicht der Kern der Folgen - als Warnung für den, der sich zuviel davon erhofft). Meist dreht er/sie gerade einen Film an dem die beiden oder einer davon als Statisten mitwirken. Die beeindruckende Liste beinhaltet u.a. Kate Winslet, Patrick Stewart, Orlando Bloom und Robert de Niro, aber auch mal hierzulande weniger bekannte englische TV-Größen oder einen Rockstar (der Sänger von Coldplay). Die Gasstars verhalten sich durchgehend skurril und machen sich über sich selbst lustig, wobei die Thematik mal wirklich mit der Figur zusammenhängt (z.B. Orlando Blooms 'Schönheit', Patrick Stewart 'Make it so' als Captain Picard), aber auch mal einfach nur so witzig ist (z.B. Kate Winslet als Beraterin für guten Telefonsex).
Die beiden Staffen und das Extra haben dabei grundlegend unterschiedlichen Charakter:
- Die erste Staffel ähnelt sehr "Office". Jede Folge ist hauptsächlich eine in sich abgeschlossene Einheit, die weniger erzählerisch lakonische Witze über die Filmwelt und das Leben im ganzen macht und mit dem Element der selbstironischen Gasstars spielt. Die Staffel ist hauptsächlich witzig, in der lakonisch-ironisch-distanzierten Art von "The Office" (übrigens alles wie ein Film gespielt; keine eingespielten Lacher). Eine besondere Qualität sind die oft unvorhersehbar verlaufenden Szenen, die gängige Handlungsklischees durchbrechen. Eine klein nebenher laufende durchgängige Handlung führt dann hin auf...
- ...die zweite Staffel, in denen Andy Hauptdarsteller einer von ihm selber geschriebenen Sitcom in der BBC ist. Sie wird von der Kritik niedergemacht, aber vom einfachen Publikum geliebt. Andy hasst sie eigentlich, weil die Produzenten der BBC sie viel simpler und primitiver gemacht haben, als er das in seinem Bestreben, ein respektierter Schauspieler zu sein, wollte. Die Staffel hat denn auch mehr eine durchgehende Handlung, die von Andys Umgang mit dieser Grundplobematik erzählt und die Gasstars entweder darin einbaut oder in parallele Nebenhandlungen an Filmsets, an denen nun eher nur Maggie als Extra wirkt. Die Staffel ist in der Grundausrichtig immer noch eher ironisch-komisch, hat aber schon mehr erählerische Drama-Elemente.
- Die 70-Minuten-Folge ist nun endgültig eine Tragikkomödie und zwar eine sehr hochwertige und berührende Andy hat sich von der Sitcom verabschiedet und will weiter ernsthaftere Rollen haben. Die bekommt er aber nach den Gesetzen der modernen Celebrities-Welt nicht. Seine Bekanntheit und Stimmung sind im Sinken, ebenso die von Maggie und Darren, die sich parallel von halbwegs verdiendender Unterschicht zum Prekariat bewegen. Speziell letzteres ist unglaublich berührend und tragigkomisch dargestellt. Wenn Maggie in einem Handyshop um Arbeit fragt, dann hat das das Niveau vom über den Verlust von Arbeit klagenden Heinz Rühman als Schuster Vogt im "Hauptmann von Köpenick", und Darrens Tänze zu Klingeltönen von Handies sind große Tragikomik. Das Ganze mündet in eine große Medienkritik, in der eine britische Celebrity-Variante von "Big Brother" eine Rolle spielt. Das ist vom Ansatz her toll gemacht (wenn auch in den Dialoge nicht ganz durchschlagend und mit einem etwas zu simplen Ende).
Die Serie hat ein paar Schwächen (zu denen neben ein paar Ungereimtheiten in den Figuren die zu häufige Benutzung von Witzen mit und über Schwule gehört, was nicht nur langweilig ist, sondern ab und zu mal auch an der Grenze zur Geschmacklosigkeit kratzt), ist aber ganz teilweise großartige, witzige, intelligente Comedy, beißende Medienkritik und v.a. im Special dezente, aber große Tragikomödie.
Schauspielerisch spielt Gervais auf üblichem Niveau. Er ist der 'typische' Gervais. Das ist toll, lebt aber hauptsächlich von seiner witzigen Grundausstrahlung. Heimliche Stars sind der hochpräzise und herrlich skurril aufspielende Stephen Merchant als Agent Darren und v.a. die anbetungswürdige Ashley Jensen, die staubtrockene Komik (sowohl in Mimik als auch Artikulation) mit hoher Emotionalität verbindet. Eine ganz, ganz starke Leistung.
Fazit: Ein hochwertige, intelligente Comedy-Drama Serie. In den beiden Staffeln für mich nicht ganz so hochklassig wie "The Office", aber sehr, sehr gut. Das Special allerdings ist höchste TV-Kunst.
Sprache: Englisch mit englischen UT. Die UT braucht man wegen der oft schnellen und nuscheligen Sprechweise, aber dann versteht man es ganz gut, wenn auch nicht jedes Wortspiel. Eine Anmerkung noch: Wer - wie ich - beim Fernsehschauen zum Fremdschämen neigt, hat hier öfter mal schwere Minuten durchzustehen und sollte eine Decke zum Über-den-Kopf-Ziehen bereithalten :-)