Als Nachfolger eines exzellenten Debütalbums hat "Extrordinary Ways" nun ein schweres Erbe anzutreten. Und um es vorweg zu nehmen, getoppt wird dieser Erfolg meines Erachtens mit dem neuen Album nicht.
Es geht los mit dem gängigen Popsong "Endless Dream", der als Opener leider wenig Atmosphäre vermittelt und ohne Fulbers übliche Rafinesse etwas belanglos wirkt, ein etwas enttäuschender Start. Das flotte "Face the Music", gesungen von Tiff Lacey (Paradise Lost) steigert die Stimmung schon und so langsam fliessen nun auch die orientalischen Elemente wieder ein.
Pilgrimage ist mit seinen fast 7 Minuten der instrumentale Höhepunkt der CD, der sich aber zunächst erstmal aus dem sperrigen Gedümpel entwickeln muss. Ein klavierlastiges Stück, das durch den exotischen Gesang von Joanna Stevens und vertraute Streicherarrangments aufgewertet wird.
Nach dem schönen Popsong "One Word" kommt das von Rhys Fulber selber gesunge "I believe", das als einzigstes Stück wirklich aus Rahmen des Erwarteten fällt. Es beginnt als etwas nervige Plastikpop-Nummer und steigert sich dann, als Fulbers Gesang durch einen atmosphärischen synthetischen Chorus und weitere Soundkullisse verstärkt wird. Aber wieder bleibt die absolute Begeistung bei mir aus. Beyond Being - das zweite Instrumentalstück - entwickelt sich interessant, hätte aber dafür nicht unbedingt 7 Minuten gebraucht. Der Titelsong "Extraordinary Way" ist der gängige Pop-Ohrwurm der CD, dem wohlmöglich noch eine Remix-Karriere in den Charts beschieden sein wird.
Der schönste und für mich wichtigste Track des Albums folgt aber nun mit "Dying Light", in dem Joanna Stevens mit orientalischen Gesang brilliert. Nach "Forever Lost" einem wieder gut produzierten Popsong überrascht im finalen Instrumental "Into the Escape" eine Bluesgitarre im Stil von Eric Clapton.
Insgesamt habe ich den Eindruck, das Fulber die oppulenten Arrangments des Vorgängeralbums reduzieren wollte und auch bei der Instrumentierung auf mehr gängige Instrumente gesetzt hat. Dadurch verliert die Musik aber zusehends an Atmosphäre und Brillianz, und kämpft ähnlich wie bei Delerium gegen die Beliebigkeit der üblichen Popmusik an. Was bleibt ist ein sauber produziertes Popalbum, das durch Stücke wie "Pilgrimage" und "Dying Light" nochmal aufgewertet wird.