Um eins gleich klarzustellen: Jeder Mann, der zwischen 1965 und 1975 geboren worden ist, sollte Extraleben lesen. Zumindest jene von uns, die einen großen Teil ihrer Jugend mit Green Beret, The Pawn und Monty on the Run bzw. dem Versuch, eine Datenbank in Basic zu programmieren, verbracht haben. Damit meine ich keineswegs, dass sich die Zielgruppe auf Leute beschränkt, die immer noch bei ihren Eltern wohnen und deren Sexleben sich weitgehend vor dem Computer abspielt. Die meisten, für die einst der C-64 (oder, wie in meinem Fall, der große Bruder C-128) der Mittelpunkt des Lebens war, haben den Weg in die Wirklichkeit zurückgefunden aber sich ein wenig Sehnsucht nach der aufregenden Computer-Pionierzeit bewahrt. Genau davon handelt das Buch: Von zwei weitgehend normalen Erwachsenen, die der Langeweile ihres Lebens entfliehen, als sie einer Verschwörung auf die Spur kommen, die sie unvermittelt in ihre Hacker-Tage zurückversetzt. So unglaubwürdig das auch klingen mag, so glaubwürdig entwickelt das Buch Generationen-Portrait einerseits und Thriller-Plot andererseits. Extraleben ist spannend wie ein lupenreiner Krimi, aber gleichzeitig als Kommentar zur Gegenwartskultur treffsicherer (und obendrein weniger larmoyant) als alle Bücher von Florian Illies zusammen. (Und so weit ich weiß, ist Constantin Gillies nicht dessen Pseudonym). Mir hat das Buch jedenfalls großen Spaß gemacht. Ich kann es uneingeschränkt empfehlen.