Tagebuchschreiben hat heute einen großen Aufschwung genommen, nachdem das Internet viele Möglichkeiten für Privatpersonen bereit gestellt hat. Fast immer geht es darum, beim Schreiben seiner Befindlichkeit, seinen Hoffnungen und Ängsten Ausdruck zu geben. Denn Schreiben befreit und hilft uns, traumatischen Stress, Verletzungen und unerledigte Konflikte zu verarbeiten. Expressives Schreiben, bei dem Menschen sich emotional öffnen und ihre tiefsten Gedanken und Gefühle ausdrücken, wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus.
Klaus W. Vopel beschreibt in seinem Buch ein Programm, das von dem amerikanischen Psychologieprofessor Dr. James W. Pennebaker entwickelt wurde. Dessen Studien zeigten, dass Schreiben unser psychisches und physisches Wohlbefinden steigern kann. Es kann uns helfen, mit Krisen und Verletzungen fertig zu werden, eine neue Sicht auf das Erlebte einzunehmen und es zu verarbeiten. Daraus erwachsen neue Lebensperspektiven, die uns mit Optimismus, Mut und Lebensfreude erfüllen.
Mir gefällt an diesem Programm ganz besonders, dass es jeder sofort einsetzen kann, ohne einen Psychotherapeuten, ohne Selbsthilfegruppe und ohne Kosten. Und man muss sich beim Schreiben auch nicht auf einen Briefpartner einstellen, sondern man schreibt ganz für sich. Man braucht nur Papier und Stift. Der Autor rät, keinen Computer zu benutzen, aber ich kann es mir zumindest für mich gut vorstellen, weil ich gerne und schnell auf der Tastatur schreibe. Es gibt inzwischen Tagebuchprogramme für den PC, denn die Ergebnisse des expressiven Schreibens sind in der Regel nicht für öffentliche Weblogs geeignet.
Auf dem Weg zur seelischen Immunisierung begleitet Klaus W. Vopel den Leser mit verständlichen Anleitungen und motivierenden Worten. Nach einleitenden Erläuterungen zum Was - Wie oft - Wann - Wo - Womit des Schreibens stellt er zunächst die klassische Vier-Tage-Methode des expressiven Schreibens nach James Pennebaker vor. Dann folgen Anleitungen zu fast 40 verschiedenen Schreibexperimenten, die in drei Themenbereiche eingeordnet sind: "Blockierte Gefühle lösen", "Zur Ruhe kommen" und "Die Schattenseiten des Lebens akzeptieren". Nicht jedes Experiment wird für jeden geeignet sein, aber die Anregungen sind gut und hilfreich. Schließlich erfährt man, wie man ein Trauma oder eine Krise in eine Geschichte überführt, die man wiederum anderen Menschen mitteilen kann.
Empfehlenswert für jeden, der seine persönlichen Probleme beim Schreiben lösen will.