Irak, Afghanistan oder Kongo - nur einige Krisengebiete in denen sich Truppen verschiedener Nationen tummeln, um für Recht und Interessendurchsetzung zu sorgen.
Neben diesen regulären Kräften, und meistens ganz im Dunkeln, ist auch eine riesige zweite Gruppe zum Kampf ausgezogen: die Söldner.
Ein nicht unerheblicher Teil dieser Kämpfer soll laut Franz Hutsch aus Deutschland stammen. Aufgrund ihrer hervorragenden Ausbildung verrichten Bundeswehrsoldaten oder Polizisten der GSG-9 jetzt ihren gut bezahlten Dienst fern ab der Heimat für die Privatwirtschaft.
Es sind leider nicht nur Schutz-Aufgaben für Unternehmen und Manager, die diesen Männern, wo sie auch immer herkommen, zugeteilt werden.
Aufgrund der "Neutralität" durch den fehlenden Bezug zu den regulären Truppen können sich die Söldner Dinge erlauben und in Gebiete vordringen, die sonst zu politischen Spannungen sorgen würden. Zudem ist der Aufschrei in der Heimat bei einem Todesfall deutlich geringer.
Die vermeintlich erschreckende Aufmachung dieses Buches, dass deutsche Söldner heute im internationalen Geschäft privater Sicherheit eine wichtige Rolle spielen, wirkt leider an den Haaren herbeigezogen. Es ist vielmehr ein Bericht über das generelle Söldnergeschäft, das mit Darstellungen von vier deutschen Söldnern in Krisengebieten und deutschen Islamisten gespickt wurde und die reißerische Botschaft des Buchtitels suggerieren soll.
Hutsch Buch ist bei diesen Berichten der deutschen Privatkämpfer eine spannende und aufschlussreiche Lektüre, wenn darin direkt vor Ort berichtet wird. Sei es über eine Späherfahrt in Bagdad oder die Unterhaltung mit einem Söldner, der Osama Bin Laden jagt und sich einen Anteil der Kopfprämie verspricht.
Ob die längeren und langweiligen Teile über die deutschen Islamisten und dessen Indoktrinierung überhaupt hierher gehören, ist mehr als fraglich. Sie passen nicht so recht zu den Informationen über den Dienst bei Firmen wie Blackwater oder anderen und beweisen wieder, wie versucht wurde etwas Deutsches in dieses Thema hineinzupressen, um dem Titel gerecht zu werden.
Zu selten greift Hutsch offensichtliche Merkwürdigkeiten an. So berichtet er in erschreckender Weise, wie im Georgien-Konflikt zwei Deutsche im Interesse zweier privaten Parteien bestens ausgerüstet gegeneinander kämpfen, fragt sich aber nicht, wie es möglich sein kann, dass bei diesen Kämpfen eine polnische Sicherheitsfirma modernste amerikanische Schützenpanzer im Inventar aufweisen kann. Dass Regierungen Söldnerfirmen nutzen, um Drecksarbeit zu erledigen, ist nach diesem Buch kein Geheimnis mehr, aber dass etwas hinter den Vorhängen, fernab des Iraks mit dem Blackwater-Problem, vor sich geht kommt nicht deutlich genug zur Sprache.
Durch den gesamten Text schwingt zudem ständig Kritik an der generellen amerikanischen und europäischen Sicherheitspolitik. Dieser Standpunkt wirkt allerdings gezwungen und opportun, um die vermutlich größtenteils pazifistisch und kritisch eingestellte Leserschaft zu bedienen. Sollte diese Sichtweise nicht kalkuliert gewesen sein, ist Franz Hutsch mit seiner Einstellung vielleicht die falsche Besetzung für einen Titel dieses Genres gewesen, da die Objektivität nicht gewährt wird.