Woran denkt man, wenn die Rede von Althistorikern ist? An die Arbeit in muffigen Archiven und gigantische Fußnotenapparate?
Dr. Heinrich Konen, seines Zeichens Akademischer Rat am Lehrstuhl für Alte Geschichte an der Universität Regensburg, hat in dem großangelegten Unternehmen Exploratio Danubiae etliche Exemplare der Gattung Geschichtsstudent aus dem Elfenbeinturm - oder zumindest dem Lesesaal - direkt in eine römische Galeere befördert.
Nach Navis Lusoria. Ein Römerschiff in Regensburg (erschienen 2004 im SCRIPTA MERCATURAE Verlag, St. Katharinen) tritt nun die Fertigung des Flussschiffes vom Typ 'Lusoria' in den Hintergrund. In der Exploratio Danubiae bricht die Regina von Mariaort aus auf eine Fahrt mit ungewissem Ausgang auf. Über 700 Stromkilometer und 18 anstrengende Tage lagen Mitte August 2006 vor den Reginauten. Das Ziel sollte Budapest sein. Und - soviel kann man schon verraten - die Galeerenstudenten (es sind allerdings nicht nur Studenten am Ruder) haben es tatsächlich geschafft. Auch wenn die Fahrt reichlich strapaziös und das Unternehmen bis kurz vor Schluss alles andere als in trockenen Tüchern ist.
Das Experiment ist geglückt und einige interessante Fragen konnten geklärt werden. Nein, die Studenten von heute sind keineswegs verschnarchte Faulpelze, die sich gerade mal so von einem Pflichtschein zum nächsten durchs Studium hangeln. Hier sieht man, wie motiviert und unglaublich leistungsfähig junge Geisteswissenschaftler sein können, wenn man sie denn lässt. Auch das rekonstruierte Schiff hat sich als tauglich erwiesen. Und die Angaben über die Streckenleistung römischer Legionäre und Flottensoldaten, die der griechische Historiker Zosimos mit 100-150 km/Tag beziffert hat, sind ebenfalls realistisch.
Dieses Buch demonstriert eindrucksvoll, wie Geschichte viel öfter sein sollte: Spannend und lebendig.
Das Buch, das eine gelungene Mischung aus Reise- bzw. Abenteuerbericht und fundierter wissenschaftlicher Dokumentation darstellt, ist deshalb nicht nur für Historiker, sondern gerade für an (römischer) Geschichte interessierte Laien ein wahrer Leckerbissen.
Hier bleibt so gut wie keine Frage offen. Selbst das heikle Thema 'sanitäre Anlagen' auf einem rekonstruierten Römerschiff wird nicht ausgespart (ich verrate allerdings nichts!) - gut so!
Sehr schön ist auch die beiliegende DVD: Eine Dokumentation des BR, die den Zuschauer hautnah miterleben lässt, was der Römer bzw. die Römerin (1/5 der Besatzung ist weiblich) von heute so leisten muss.
Man kann das Team um den gutaussehenden Geschichtsdozenten Konen zu diesem gelungenen Unternehmen und dem schönen Buch, das in der Folge entstanden ist, nur beglückwünschen.
Sehr zu empfehlen!