Vor 18 Jahren veröffentlichte Elster den Vorläufer dieses Buches unter dem Titel "Nuts and Bolts for the Social Sciences". Auf rund 200 Seiten stellte es fast alles vor, was man als Sozialwissenschaftler in Umrissen zu wissen hatte. Nun hat er den Umfang des Buches mehr als verdoppelt, und man ist als Leser mehr als beeindruckt.
Elster ist nicht nur una gazza ladra (wobei seine Entwendungen völlig legal sind), er ist auch ein Tausendsassa der wissenschaftlichen Disziplinen: Ökonomik (inkl. Verhaltensökonomik), Kognitive Psychologie, Evolutionsbiologie, Physiologie, Neurowissenschaften, Geschichte, Soziologie, Verfassungsrecht und nicht zuletzt die belles lettres, zum Beispiel Bücher von Proust, La Rochefoucauld und Stendhal. Der meist zitierte Autor dürfte Alexis de Tocqueville sein.
In 26 Kapiteln werden behandelt unter anderem: Erklärung, Mechanismen, Interpretation, Eigenin-teresse und Altruismus, Emotionen, Personen und Situationen, Rational Choice, Reaktionen auf Irrationalität, Nichtintendierte Konsequenzen, Vertrauen, Soziale Normen, Kollektives Verhalten sowie Organisationen und Institutionen.
Eine wichtiger Gegner Elsters ist der Obskurantismus, den er einerseits in den weichen Sozialwissenschaften erkennt (Lacans Psychoanalyse, Postmodernismus, Dekonstruktivismus, Postkolonialismus etc.), andererseits in einer Ökonomik, die nur noch mathematische Modelle konstruiert, ohne sich um Gegenstandsbezüge und empirischen Gehalt irgendwelche Gedanken zu machen.
Jedes Kapitel wird durch bibliographische Hinweise abgerundet.
Sehr brauchbar und reizvoll sind 46 puzzles, die Elster auch selbst löst, z. B.:
Warum gilt häufig der Satz "Wer verletzt hat, kann nicht vergeben"?
Warum ist in manchen Kulturen Scham wichtiger als Schuld?
Warum haben Personen verfolgten Juden während der NS-Zeit geholfen?
Warum nehmen auch solche Personen an politischen Wahlen teil, die sich sicher sind, dass ihre Stimme keinerlei Einfluss auf das Wahlergebnis hat?
Warum sind reiche Personen in westlichen Gesellschaften im Durchschnitt wesentlich schlanker als arme Personen?
Die Lösungen, die nicht in jedem Fall meine Zustimmung finden, sind oft verblüffend. Deswegen möchte ich auch keine verraten. Wer das Buch mit einiger Sorgfalt gelesen hat, wird sie zumindest verstehen.