„Experimentelle aquatische Chemie" von S. Peiffer und K. Pecher im Spektrum Akademischer Verlag aus der Reihe „Labor im Fokus".
Da schlag ich doch gleich mal das Kapitel zu den statistischen Methoden in der Wasserchemie auf. Als ob die Wasserchemie an sich eine spezielle Statistik hätte ... da das Buch Jahrgang 1997 trägt, würde ich mal erwarten, dass sämtliche Errungenschaften, die ein funktionierendes Qualitätssicherungssystem mit sich bringt, voll umgesetzt sind, will heissen, validierte Methoden, Angaben der Messunsicherheit, Resultate von Ringversuchen, Bekanntgabe von Präzision und Richtigkeit (z.B. über Wiederfindungen oder mittels zertifizierten Referenzmaterialien), dann detaillierte Angaben zur Probenahme bzw. je nach Analyt auch die Bekanntgabe der richtigen Materialien der Gefässe oder, wie denn genau die Nachweis- oder Bestimmungsgrenzen erhoben wurden - aber, nichts da! - bis auf den Abschrieb der veraltet-überholten und deshalb äusserst unglücklich gewählten Literaturangabe von W. Funk et al. aus dem Jahr 1985. Aber, aber ...
Item, irgendein Hinweis auf die Mikrobiologie bzw. deren (toxische) Stoffwechselprodukte? Nein! Vielleicht ein Wort zu hormonaktiven Verbindungen? Sicher nicht. Oder etwas zu den aktuelleren (die Erwähnung moderner Methoden erwarte ich ja nun wirklich nicht gerade) flüssig- oder gaschromatographischen Standarduntersuchungsmethoden der Wasseranalytik? Kein einziges Wort. Etwas zu Mineralien oder Spurenelemente? Nix, mit Ausnahme der Gesamthärte, bestimmt durch komplexometrische EDTA-Titration.
Dafür aber wird der pH-Wert bestimmt, dann der Sauerstoffgehalt plus ein paar Ionen wie Ammonium, Sulfat, Nitrat, Sulfid und dann hört's auch schon bald auf. Sorry, das Kalk-Kohlensäure-Gleichgewicht hätte ich doch bald vergessen ... Irgendeine Erwähnung eines ICs (Ionenchromatograph), eines ICPs (induktiv gekoppelter Plasmareaktor) oder eines MS (Massenspektrometer) als Detektor zur Analytik? Auch da, die totale Leere. Werden vielleicht irgendwo im Text verschiedene Wasserqualitäten erwähnt? Aber nein.
Was wird erwartet von einem Buch das diesen Titel trägt? Was von einem solchen mit Erscheinungsjahr 1997? Der modernste Literaturhinweis stammt übrigens von 1994.
In der Einführung steht: „Alle Versuche und Experimente wurden in Praktika im Rahmen der Ausbildung von Studierenden der Geoökologie über mehrere Jahre erprobt und optimiert und sollten dementsprechend zuverlässig sein." Dementsprechend ....
Das war mein erstes Buch aus der Reihe „Labor im Fokus" bzw. vom Spektrum Akademischer Verlag und ganz bestimmt mein letztes, denn wenn so etwas durch das Lektorat geht, na dann .... Prosit aufs Wasser und das chemische Fachwissen der Geoökologen der Neunziger, db