Das Niveau dieser Dokumentation ist leider erschreckend niedrig. Im Mittelpunkt steht ein Tauchteam um den reichlich aufgeblasenen Thomas Berend, der sich als Meeresforscher ausgibt, worüber der Zuschauer schon nach wenigen Minuten herzlich lachen muss. In jeder der drei Dokus bestehen drei Viertel aus ausführlichen Schilderungen der Expeditionsteilnehmer, ihres Equipments und der großen "Mühen" ihrer "Forschungsarbeit". Nur ein Viertel spielt unter Wasser, wobei die Bilder weit hinter dem bei der BBC gesehenen zurückbleiben. Wie sollte es auch anders gehen: Wer sich acht Tage Zeit für die Küstengewässer Mocambiques nimmt, kann eben nur ein paar zufällige Schnappschüsse mit nach Hause bringen.
Störend sind aber vor allem zwei Dinge: Stets soll die Crew große Geheimnisse aufklären, etwa über den Sardin Run, die für den kundigen Zuschauer längst andernorts gelüftet sind. Noch schlimmer aber ist die Ahnungslosigkeit des Teams in der Sache: Der zweite Teil der Doku dreht sich um Mantas vor Mocambique, die häufig große Haibisswunden zeigen. Das Thema hatte mich sehr interessiert, weswegen ich mir die Doku bestellte. Rasch merkt man aber, dass die Crew um Berend einfach eine lockere Taucherrunde ohne zoologische Fachkenntnisse ist. So werden Mantas bei einer Putzerstation gezeigt, wo ihre Wunden von Zebrabarschen und Falterfischen geputzt werden. Berend und sein Team machen aus der Bestimmung dieser beiden in allen Weltmeeren beheimateten Putzerfischarten eine große Sache; die Teammitglieder schlagen in Büchern nach, die verdächtig nach "Fischführern für Schnorchler aussehen. Der Zebrabarsch wird nachträglich sogar noch als Zebrafisch bezeichnet. Geradezu als Sensation verkauft Berend den Umstand, dass Falterfischer hier als Putzer agierten. Davon habe man noch nie gehört - eine Sensation! Leider hat er keine Ahnung: Falter- und Kaiserfische werden in ihrer Jugend sehr häufig als Putzerfische tätig, was jeder weiß, der sich mit diesen Fischarten ein wenig beschäftigt.
Auf diesem Niveau geht es weiter: Das "Team" hat ein paar Haigebisse und nimmt von diesen Abdrücke. Diese Abdrücke werden auf die Fotos von den Mantawunden projiziert und damit der Täter, der Tigerhai, entdeckt. Tasächlich passt der Abdruck eines Tigerhaisgebisses auf die Bisswunde. Also sind die Tigerhaie die Täter. Wieder ein Brüller! Denn es ist doch höchstens ein Zufall, wenn der Gebissradius eines bestimmten Tigerhais auf eine Bisswunde passt; auch diese Haie kommen in Größen von 1 bis 5 Metern vor. Kommen hier nicht auch Bullenhaie und Weiße Haie in Betracht? Bilder von Angriffen hat man natürlich nicht. Überhaupt bringt das Team nicht mehr an Unterwasserbildern mit als jeder Tauchtourist. Den Schwerpunkt der Doku bildet vielmehr die Errichtung einer kleinen Hütte am Srtand mit Hilfe von Eingeborenen. Hier erfährt man, dass T. Berend gerne feilscht, um die Kosten der Expedition niedrig zu halten. So schafft er es, das Baumaterial für 70 Euro (oder so) einzuzkaufen: Bravo, Thomas, wirklich ein wissenschaftlicher Triumph; man merkt in welchem Rahmen dieses ganze Projekt kalkuliert ist. Wirklich nervend ist, dass das Team Mantas mit Sendern harpuniert und dabei massiv stört. Anhand der Sender werden die Wanderbewegungen der Mantas in den acht Tagen vor Ort aufgefangen und das war's. Massive Eingriffe ohne brauchbares wissenschaftliches Ergebnis. Grauenhaft!
Wie tief ist die ARD gesunken, dass sie ein so drittklassiges Produkt unter dem Titel der von Heinz Sielman geprägten Serie laufen lässt. Und wie gnadenlos überlegen sind die Dokumentationen der BBC im Hinblick auf Bilder und Fachwissen.
Hände weg!