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Expeditionen ins Reich der Seuchen: Medizinische Himmelsfahrtskommandos der deutschen Kaiser- und Kolonialzeit
 
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Expeditionen ins Reich der Seuchen: Medizinische Himmelsfahrtskommandos der deutschen Kaiser- und Kolonialzeit [Gebundene Ausgabe]

Johannes W. Grüntzig , Heinz Mehlhorn
4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
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Pressestimmen

Eine sehr lesenswerte und anregende Veröffentlichung für alle tropenmedizinische, seuchenhistorisch und/oder politisch-historisch Interessierte - nicht zuletzt auch im öffentlichen Gesundheitsdienst. Blickpunkt öffentliche Gesundheit Das Buch schildert facetten- wie auch farbenreich das unheilvolle Zusammentreffen von Parasiten mit überforderten europäischen Immunsystemen. Ärzte Woche Mit der Auswertung von Tagebüchern, Briefen und weiteren, oft schwer zugänglichen Quellen gelingt es den Autoren, ein faszinierendes Panorama des medizinisch-naturwissenschaftlich motivierten Expeditionsfiebers zwischen 1870 und 1910 zu zeichnen. (...) Herzlichen Glückwunsch für das gelungene - und preiswerte - Werk der Kollegen. Der Augenarzt Ein faszinierendes Panorama des medizinisch-naturwissenschaftlich motivierten Expeditionsfiebers zwischen 1870 und 1910. Der Allgemeinarzt Die Autoren haben es verstanden, mit großer Sachkenntnis und Einfühlungsvermögen wichtige Expeditionen vor dem Leser wieder erstehen zu lassen. Die Texte sind lesbar und so geschrieben und so geschrieben, dass auch andere interessierte Kreise dieses Buch mit Gewinn zur Hand nehmen können. Die Abbildungen sind durchweg von hoher Qualität und verdeutlichen die geschriebenen Informationen. Die Ausstattung des Buches sowie Druck und Papier sind einwandfrei. Der Preis kann nur als erstaunlich günsitg bezeichnet werden. Der Mikrobiologe Ein sehr interessantes gut zu lesendes und umfassend recherchiertes Buch, das eine gelungene Kombination aus Wissenschaft und Geschichte der deutschen Kolonialzeit liefert. Pharmazie Unter Auswertung von Tagebüchern, Briefen und Quellen staatlicher und privater Archive gelang es ihnen, ein faszinierendes Panorama des medizinisch-naturwissenschaftlichen Expeditionsfiebers des 19. und 20. Jahrhunderts zu zeichnen. Die Autoren verstehen es ausgezeichnet, die Verknüpfung politisch-ökonomischer Schachzüge mit persönlichem Idealismus einzelner Forscher und der Misere seuchenheimgesuchter Bevölkerungen darzustellen. Osnabrücker Zeitung Es begegnen einem Robert Koch, Bernhard Nocht, Jesco von Puttkamer und viele andere bekannte Namen; das im besten Wortsinne populärwissenschaftliche Buch vermag durch den Text zu fesseln, analysiert seltene Quellen und bietet hochinteressante Fotografien zu Expeditionen, aber auch Erregern und Erkrankungen. Angesprochen sind geschichtlich und (tropen-)medizinisch Interessierte gleichermaßen, denn es gelingt eine Mischung aus Geschichts- und Medizinbuch, die sich wie ein Abenteuerroman liest, aber dennoch authentisch ist. Dass das Buch zudem noch in hervorragender Ausstattung zu einem günstigen Preis vorliegt, lässt den Kauf umso empfehlenswerter werden. Medibook Das vorliegende Buch zeigt die aufregenden Entwicklungen der Medizin in der damaligen Zeit und bietet einen Einblick in die Risiken, die die Forscher auf sich nahmen: Die wissenschaftlichen Kolonialexpeditionen stellten sich oft genug als Himmelfahrtskommandos mit ungewisser Rückkehr heraus. In insgesamt 18 Kapiteln beschreiben die Autoren, unterlegt von zahlreichen historischen Aufnahmen, wie z.B. Robert Koch nicht nur den Milzbranderreger in Reinkultur züchtet, sondern auch eine Chiningabe als Malaria-Prophylaxe in den Kolonien empfiehlt und maßgeblich an der Identifizierung des Choleraerregers beteiligt ist, aber auch in Max von Pettenkofer einen erbitterten wissenschaftlichen Widersacher findet. Dabei gelingt es den Autoren, die damaligen technischen aber auch zum Teil politischen Schwirigkeiten sehr anschaulich zu beschreiben - nicht zuletzte durch zahlreiche zitierte Textpassagen. Als Leser fühlt man sich praktisch in diese Zeit "entführt" und erlebt die Expeditionen quasi mit. Fazit: Ein sehr interessantes, sehr gut lesendesund umfassend recherchiertes Buch, das eine gelungene Kombination aus Wissenschaft und Geschichte der deutschen Kolonialzeit liefert. Pharmazie in unserer Zeit Kein Buch, um in einem Rutsch durchgelesen zu werden, aber ein Buch, das die eine oder andere Nacht schon mal kürzer ewrden lässt. Deutsche Gesellschaft für allgemeine und angewand

Kurzbeschreibung

Lektionen der Vergangenheit ... für die Seuchenbekämpfung heute Mit einem wissenschaftlichen Paukenschlag eröffnet Robert Koch 1876 den Kampf gegen die gefährlichsten Krankheiten seiner Zeit. Berlin wird das logistische Zentrum für bahnbrechende Experimente und Expeditionen. Ob in Choleraleichen am Ganges oder in den Zecken an den Karawanenstraßen Afrikas, überall spüren "Mikrobenjäger" nach den Ursachen der Seuchenzüge. Neue Medikamente und vorbeugende Maßnahmen der Hygiene erleichtern das Leben in den Tropen. Fernreisen und Kolonialwirtschaft boomen. Jene aufregende Zeit wird in dem ungewöhnlichen Buch des Arztes Johannes W. Grüntzig und des Parasitologen Heinz Mehlhorn wieder lebendig. Unter Auswertung von Tagebüchern, Briefen und weiteren, oft schwer zugänglichen Quellen gelingt es den Autoren, ein faszinierendes Panorama des medizinisch-naturwissenschaftlich motivierten Expeditionsfiebers zwischen 1870 und 1910 zu zeichnen. In diesen wenigen Dekaden vermochten entschlossene Forscher in den Kolonien die Auslöser und Übertragungswege vieler gefürchteter Tropenkrankheiten aufzuklären - Grundlage für eine effektive Seuchenbekämpfung auch in den Mutterländern. Die Autoren belegen in dem spannend geschriebenen und mit zahlreichen historischen Aufnahmen ausgestatteten Buch zudem, welche Bedeutung die damaligen wissenschaftlichen Durchbrüche für den heutigen Kampf gegen aktuelle Epidemien haben, sei es nun AIDS, BSE oder SARS. Manch ein medizinisches "Himmelfahrtskommando" jener Zeit mag sich so als segensreich für gesundheitspolitische und seuchenmedizinische Entscheidungen im 21. Jahrhundert erweisen. Rückkehr ungewiss ... Kaum jemandem ist heute bewusst, dass im Zuge der - politisch so fragwürdigen - Kolonialgeschichte die Tropenmedizin gewaltige Fortschritte machte, die der gesamten Menschheit zu Gute kamen. Vor allem deutsche Forscher leisteten hier Pionierarbeit. Das vorliegende Buch versucht, die aufregenden Entwicklungen jener Jahrzehnte nachzuzeichnen, als wagemutige Mediziner sich auf oft abenteuerlichen Expeditionen zu den Ursprüngen der Seuchen begaben. Dabei stellten diese Persönlichkeiten in ihrer Begeisterung, vielleicht auch in ihrem brennenden Ehrgeiz zu wissenschaftlicher Leistung, nicht nur ihre Gesundheit, sondern in vielen Fällen sogar ihr Leben hintan. So lassen sich manche der wissenschaftlichen Kolonialexpeditionen jener Zeit wohl nur als Himmelfahrtskommandos mit ungewisser Rückkehr charakterisieren. Doch die Ergebnisse dieser medizinischen Forschungsreisen - ob sie nach Afrika, Asien oder in die Südsee führten - waren bahnbrechend. Erstmals konnte man gezielte Gegenmaßnahmen gegen immer wieder auftretende Epidemien mit Tausenden von Toten ergreifen. Indem man Mikroorganismen als Auslöser erkannte und ihre Übertragungswege aufklärte, mussten Seuchen nicht länger als Bestrafung oder unabänderliches Phänomen betrachtet und mythologisch gedeutet worden. Zudem entwickelten die Forscher in jenen Jahrzehnten viele zukunftsweisende mikrobiologische Methoden. Mit der zunehmenden Kolonialwirtschaft und dem aufkeimenden Tropentourismus fanden aber auch die Erreger den Weg in die Mutterländer der Kolonien - eine Entwicklung, die mit dem heutigen globalen Fernreiseverkehr eine gänzlich neue Dimension gewonnen hat, wie etwa die rasant ausbrechende SARS-Epidemie veranschaulicht. Die Rückkehr alter und die Ausbreitung neuer Seuchen steht mittlerweile auf der Tagesordnung von Tropenmedizinern, Mikrobiologen, Parasitologen und Hygienikern. Indem dieses Buch einen Blick zurück in jene turbulenten 40 Jahre zwischen 1870 und 1910 wirft, als alle wichtigen bakteriellen und parasitären Erkrankungen einer wissenschaftlichen Untersuchung und Bekämpfung zugänglich wurden, beleuchtet es zugleich die Herausforderungen, vor die uns die vielfältigen Infektionskrankheiten und ihre wandlungsfähigen Erreger auch heute noch stellen.

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Kundenrezensionen

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Klasse!! 2. Mai 2005
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Eigentlich ist es noch etwas früh, einen Rezension zu diesem Buch zu scheiben, da ich erst angefangen habe, es zu lesen. ABER: Ich bin begeistert! Hier wird die Geburtsstunde der Tropenmedizin bzw. die Erstbeschreibungen von auch heute noch mehr als aktuellen Erregern und Krankheiten (TBC, Malaria etc.) und die ersten Ansatze zur Bekämpfung derselben auf sehr spannende Weise dargestellt. Mit im Paket ist eine Geschichtsstunde zur Kolonialpolitik in Europa und besonders Deutschlands, die entscheidend die Weiterentwicklung der Tropenmedizin beeinflusste. Etwas Fachhintergrund erleichtert die Lektüre, da auch manchmal Begriffe im Text auftauchen, die sich einem Laien nicht direkt erschliessen, aber das ist eher marginal.Die Personendarstellungen, Anekdoten, die passenden Fotografien und Zeichnungen machen Laune aufs Weiterlesen. Ich bin jetzt schon gespannt, wie es weitergeht und kann dieses Buch, auch wenn ich erst die Anfänge hinter mir habe, empfehlen.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Die Anfänge der Tropenmedizin 21. September 2005
Format:Gebundene Ausgabe
Die Anfänge der Tropenmedizin kommt in den meisten Infektiologiebüchern zu kurz. "Expeditionen ins Reich der Seuchen" ist nicht nur für beruflich Interessierte eine fast notwendige Ergänzung zum Fachwissen mit umfangreicher Bebilderung und Kartenmaterial. Für den allgemein historisch interessierten Leser ist dieses Buch aber ebenso eine Fundgrube für mikrobiologische Entdeckungen, die im kolonialistischen Expeditionsfieber gemacht wurden.
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Politisch völlig unkorrekt. Es geht um medizische Forschungsreisen in die deutschen Kolonien, um Malaria, Frambösie, Pest, Speischlangen, Cholera, Flussblindheit, Kuru, um Robert Koch, Friedrich Fülleborn, Bernhard Nocht, Albert Neisser, Ludwig Külz und wie sie alle hießen. Um jene, die getrieben von Ehrgeiz und Neugier, hinauszogen in die Savannen Deutsch Ostafrikas und die Urwälder Neuguineas. Damals zur Zeit der deutschen Kolonien (1884-1918) war das ein Himmelfahrtskommando. Als ich in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts auf einer Reise durch Ostafrika nach Bagamoyo kam, den ehemaligen Sitz des deutschen Governeurs, fiel mir unter den Resten der deutschen Kolonialzeit der ausgedehnte Friedhof auf. Auf den Grabsteinen war neben dem Geburts- und Sterbedatum auch die Ankunft in Bagamoyo verzeichnet. Daraus ließ sich entnehmen: Die meisten der deutschen Einwanderer waren innerhalb eines Jahres nach der Ankunft gestorben: An Dysenterie, Malaria, Typhus, Hitzschlag. Reisen war eine Tortur. Ziehen Sie einmal mit dem Esel und dem Rucksack durch die Savanne. Jeder Schritt eine Qual, die Zunge aus Pappe, die Beine aus Blei, der Wille aus Gummi, der Himmel aus Feuer. Wenn die Sonne verschwindet, kommen die Schnaken. Ein von Dünnpfiff gebeutelter Darm macht solch eine Wanderung zur Höllenfahrt. In den Kolonien kam noch die Angst dazu. Einige Forschungsreisende starben durch Überfälle, manche endeten gar auf den Bratrosten der Papuas. Der Witz vom Missionar im Kochtopf, im Neuguinea des 19. Jahrhunderts war es keiner. Die Autoren haben gründlich ermittelt. Die Geschichte Herrmann Detzners, der sich von 1914 bis 1918 durch den Dschungel Neuguineas geschlagen hat, fehlt ebenso wenig wie der Massenmord in der Missionsstation des Paters Rascher (keine mir bekannte Verbindung zum KZ-Arzt Sigmund Rascher) oder die Geschichte des Zivilisationsflüchtlings Engelhardt. Der gründete 1902 auf der Südseeinsel Kabakon den Sonnenorden. Engelhardt lehrte, sich ausschließlich von Kokosnüssen zu ernähren (Kokovorismus nicht zu verwechseln mit Kokolores). Diese Frucht wüchse der Sonne am nächsten, eine Kokosnussdiät mache daher unsterblich. Selbstverständlich fand der Kokovorismus Anhänger. Doch setzte die Tatsache, dass diese schnell nach ihrer Ankunft auf der Insel starben, dem kokovoristischen Missionswerk Grenzen. Kannibalische Kochrezepte. Da wir gerade von Diät reden: In keinem Buch habe ich eine bessere Dokumentation des Kannibalismus gefunden. Es zeigt nicht nur Bilder, es liefert auch Rezepte: Oft wurden die Gefangenen, die verspeist werden sollten, zu Tode gemartert. Die Folterer versprachen sich dadurch eine Verbesserung der Fleischqualität. Üblicherweise wickelte man die Leichenteile in Pflanzenblätter, um sie anschließend auf heißen Steinen zu rösten. Noch detaillierter liest sich ein anderer Fall von Menschenfresserei, der 1907 in Neuguinea vorfiel. "Das darfst Du nicht mit westlichem Hochmut betrachten", ruft mir Öko-Ehrenfried zu. Recht hat er. Auch bei den Kelten soll es rituellen Kannibalismus gegeben haben. Gut, das ist schon eine Weile her. Aber ist nicht das Bestatten der Leichen in den Mägen ihrer Verwandten eine sinnvolle und sparsame Methode der Kadaverbeseitigung? Das Anliegen der Autoren ist ein anderes. Sie wollen zeigen, dass manche Auswirkungen des Kolonialismus segensreich für die Kolonialisierten waren. In der Tat: Was immer die Motive der Forscher und der, die sie ausschickten, gewesen waren, die Expeditionen von Koch & Co. kamen auch der einheimischen Bevölkerung zugute. Sie haben maßgeblich zu der Bevölkerungsvermehrung in den Kolonien beigetragen. Bezahlt wurden die Expeditionen in der Regel vom Reichskolonialamt oder vom Gesundheitsamt, also letztlich vom deutschen Steuerzahler. Für den waren die Kolonien ein Verlustgeschäft. Es floss an Beamtengehältern und Material bedeutend mehr in die Kolonien als über deren Steuern wieder zurückkam, von den Menschenverlusten ganz zu schweigen. Zudem machte sich Deutschland mit seinen Kolonien bei den Kolonialmächten England und Frankreich unbeliebt, was mit zum 1. Weltkrieg geführt hat. Die Kolonien waren eher ein Klotz am Bein der europäischen Mächte, ein Klotz, den sie sich allerdings selber geschmiedet hatten. Die Autoren von "Im Reich der Seuchen" haben selber an medizinischen Expeditionen in die Tropen teilgenommen. Das erklärt die Liebe mit der dieses Buch geschrieben ist, die Detailfreudigkeit. Gelegentlich zwar schießt die Lust am Erzählen übers Ziel hinaus, eine gute Anekdote können Mehlhorn und Grüntzig nicht auslassen, auch wenn sie nichts mit medizinischen Expeditionen zu tun hat. Damit zusammenhängend: Der Aufbau ist etwas verwirrend. Gelegentlich gibt es auch Flüchtigkeitsfehler. So steht auf Seite 184, dass Krokodile gigantische Mengen an Trypanosomen hätten, eine Seite weiter, dass Krokodils-Trypanosomen gigantisch wären. Sei's drum: Das Buch ist sein Geld wert.
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