Vom Weltraum zurück auf die Erde und von dort ganz nach oben auf den Globus: zum Nordpol. Eine solche Reise fehlte mir noch im Fotoalbum. Also schnell bestellt und die Urlaubsscheine für meinen Hofstaat während meiner Abwesenheit vorbereitet.
Nach zwei Tagen konnte ich den Gutschein an der Packstation abholen. Er war - wohl aus Transportsicherungsgründen - in einer Trinkkakaopulverpackung eingepackt. Ich weiß nicht, wie viele Liter Kakao ich trinken musste, um an ihn heranzukommen.
Bei der Terminwahl durfte ich nach eigenem Gutdünken wählen. Ich entschied mich für Juli, da es in diesem Monat immer so heiß ist und ich mir Linderung am Nordpol versprach, solange daheim meine Hausklimaanlage repariert werden sollte.
Die Anreise mit meinem Porsche, an dessen Anhängerkupplung mein eigener Bauwagen hing, gestaltete sich interessant, denn man zieht halt auf den Fähren schon die Blicke auf sich, wenn man mit dem Traktor vorfährt.
Auf den Spitzbergen angekommen, erwartete mich jener Borge Ousland, dessen Name mich eher an einen Geldverleihvorgang nach Übersee erinnert. Er war ein stämmiger Mensch, dessen alteingesessene norwegische Familie auf einen Stammbaum blicken kann, der 1300 Jahre zurückreicht und von Nachfahren südrhodesischer Einwanderer begründet wurde.
Das Gepäck und unsere Mannschaft verstauten wir auf dem eigens dafür gemieteten Schiff. Für uns beide war kein Platz mehr - wir mussten selber schwimmen.
Als wir den Nordpol erreichten, mussten wir feststellen, dass es fast kein Eis mehr gab. Nur noch Vanille und Erdbeer.
Wir machten an einer Eisscholle fest und Pause, um uns zu erholen. Nach fünf Minuten ging es weiter.
Ein großer Eisberg sollte unser Quartier für die Expedition werden. Da es aber relativ warm war, lag die Schneegrenze bei ca. 90 Metern über dem Meer, was die Verankerung unserer Zelte erschwerte.
Am Tag 2 ging dann die Expedition los. Wir beide und 10 Träger und Trägerinnen, 2 Kammerzofen und 1 Briefmarkenanlecker brachen zum geografischen Nordpol, der rund 200 m von uns entfernt war, auf. Unterwegs merkten wir aber, dass wir die Lebensmittelvorräte im Zelt vergessen hatten. Doch wer sollte sie holen? Als diese Frage gestellt wurde, schauten alle weg, einer pfiff ein Liedchen, ein anderer prüfte seine Fingernägel. Nun gut, um nicht zu verhungern, mussten 2 Träger dran glauben, die vom Briefmarkenanlecker lecker mit Senf-Auberginen-Soße zubereitet wurden.
Am dritten Tag schlachteten wir eine Zofe, deren Spare Ribs mir auch heute noch ein inneres Festmahl sind.
Tag 4 war kein guter Tag für uns. Wir wurden von einem Eisbären aufgespürt und verjagt, sodass wir ihm einen zur Hälfte durchgegarten Träger überlassen mussten.
Am fünften Tag waren wir schon nicht mehr so begeistert, als uns der Briefmarkenanlecker ein herrlich saftiges Brustfilet von einer Trägerin kredenzte.
Nun, diese Einheitskost hing mir aber dann doch zum Hals heraus, also dachte ich: "Der Klügere gibt nach" und lief zum Zelt zurück, um anderes Essen zu holen, auch wenn ich damit die Faulheit der anderen unterstützte.
Am sechsten Tag fing Borge an, Eisskulpturen zu erschaffen. Borge machte alle Arten von Tieren des Feldes, alle Arten von Vieh und alle Arten von Kriechtieren auf dem Erdboden. Borge sah, dass es gut war. Es wurde Abend und es wurde Morgen: siebter Tag.
Am siebten Tag vollendete Borge das Werk, das er geschaffen hatte, und er ruhte am siebten Tag, nachdem er sein ganzes Werk vollbracht hatte.
Dann kam leider auch schon der Tag der Abreise, also alles zusammenpacken, die Knochen einsammeln, rüberschwimmen nach Spitzbergen, mit dem Traktor zurück nach Hause.
Es war ein tolles Erlebnis. Der Nordpol ist ein Ort der Ruhe. Man merkt auch, dass hier die Fliehkräfte der Erdrotation nicht vorhanden sind. Wenn einem das Handy aus der Tasche fällt, fliegt es nicht gleich kilometerweit weg.
Weniger schön fand ich den aus reiner Bequemlichkeit stattgefundenen Kannibalismus, aber diese Marotte scheint sich über Jahre eingeschlichen zu haben.
Es hat mir trotzdem sehr viel Spaß gemacht. Auch konnte ich neue Feinschmeckerrezepte mitnehmen, sodass ich fünf Sterne vergebe.