Viele Mosaiksteinchen werden ausgelegt: Bentons Predator-Studie, Scarpettas und Marinos Animositäten, ein betrügerischer Stipendiat, Lucys physischer wie psychischer Niedergang, der Mord an einer - wie immer - grauenhaft zugerichteten - Frau, eine verschwundene Familie, religiöser Wahn, eine egomane Psychologin mit dem sprechenden Namen Dr. Self, und eine mysteriöse Erkrankung von Zitrusbäumen. All das verfolgt man mit gespannter Aufmerksamkeit und dem Wissen, dass, wenn man schlampig liest, die Auflösung nicht mehr versteht. Doch es hat nichts genutzt. Während man sich vor Spannung die Fingernägel abbeisst und auf die Zusammenführung der Handlungsstränge wartet, gerät der Showdown des Ganzen zu einer Enttäuschung. Viele der komplexen Themen werden mit der lapidaren Erklärung des physischen und psychischen Missbrauchs abgehandelt. Für jemanden wie Cornwell, die für ihre Akribie bekannt und geschätzt wird, ist das nicht ausreichend.
Mich hat in dem spannenden, wenn auch steckenweise abstrusen Handlungsverlauf, die Story zwar gefesselt, aber zum Schluss enttäuscht zurückgelassen.
Und eine Frage am Schluss: Was ist das für eine merkwürde Amazon-Rezension, die mit "Predator" überhaupt nichts zu tun hat?