Während Reptilien und Amphibien, mitunter auch Vogelspinnen als Terrarientiere immer mehr verbreitet sind, gilt dies nicht annähernd in solchem Maße für die Insekten, die doch die vielfältigste und erfolgreichste Tiergruppe sind. Gerade unter diesen gibt es aber eine Reihe besonders interessanter und mit relativ geringem Aufwand züchtbarer Arten. Dennoch ist die Vivarienhaltung von Insekten auch in der Literatur völlig unterrepräsentiert. Dieses Buch versucht die große Lücke zu schließen und stellt 71 Arten der Gliederfüßer mit teilweise sehr detaillierter Pflegeanleitung vor. Darunter sind nicht nur Insekten, sondern auch zwei Arten der Chilopoda ("Hundertfüßer"), drei der Diplopoda ("Tausendfüßer"), sowie jeweils vier Arten der Skorpione und Spinnen.
Der Artenteil ist nach verwandtschaftlichen Gruppen gegliedert, jeder dieser Einheiten ist eine den Bauplan erläuternde Habitusskizze eines typischen Vertreters vorangestellt, vielfach sogar mit schematischer Darstellung der inneren Organe. Eine Artauswahl angesichts allein schon knapp einer Million bekannter Insektenarten zu treffen, ist sicherlich sehr schwierig. Dabei wurden im vorliegenden Buch eindeutig die terraristisch noch am weitesten verbreiteten Gespenstschrecken Phasmatodea bevorzugt, obwohl sich gerade bei diesen die Pflegeansprüche meist nur geringfügig voneinander unterscheiden. Andererseits sind hier auch einige seltener gepflegte "Schmankerl" aufgeführt, wie die begehrten Goliathkäfer, die asiatischen Steppenlaufkäfer der Gattung Pachymorpha (früher Anthia) oder die ökologisch hochinteressante Grabwespe Ampulex compressa. Neben den Standardterrarien werden für einige Arten auch Konzepte für Spezialbehälter gegeben. Leider ist gerade die erste behandelte Art, die Amerikanische Großschabe Periplaneta americana, für die Terrarienhaltung nicht unbedenklich, da sie möglicherweise als Hausschädling lästig werden könnte. Ein Warnhinweis fehlt. Sonst wird aber verantwortungsvoll auf mögliche Allergien etwa gegen Schaben oder Unfälle mit den wenigen bissigen oder gar giftigen Arten in diesem Werk hingewiesen.
Es sei noch erwähnt, daß hier nach einem veralteten Modell die Gespenst- Langfühler- und Kurzfühlerschrecken in einer gemeinsamen Ordnung "Saltatoria" zusammengefaßt werden, obwohl sie heute gemeinhin als selbständige Ordnungen aufgefaßt werden. Die sehr interessante Blumenmantis Creobroter gehört darüber hinaus zur Familie Hymenopodidae und nicht zu den Mantidae. Angesichts der detaillierten Pflegehinweise und durchweg schönen Farbbilder wird der Insektenpfleger aber sicherlich über diese kleinen Mängel hinwegsehen können. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)